Schlafapnoe kann zu Herzinfarkten, Schlaganfällen und Bluthochdruck führen. Umso wichtiger ist es, sich mit den typischen körperlichen Symptomen und den erforderlichen diagnostischen Schritten vertraut zu machen.
Es ist wohl jedem bekannt: Die gewöhnliche Müdigkeit am Morgen, wenn der Wecker läutet. Um sich für den Tag fit zu fühlen, genügen meist eine Dusche und eine Tasse Tee oder Kaffee. Aber was ist, wenn man im Alltag ständig müde, schlapp und antriebslos ist. In der Regel sind die Gründe für die bleierne Müdigkeit unbedenklich und können häufig von außen beeinflusst werden. Es kann jedoch auch sein, dass eine Krankheit die Ursache ist, wie etwa die obstruktive Schlafapnoe (OSA), die am weitesten verbreitete Form der Schlafapnoe. In der Praxis heißt das: die Rachenmuskulatur erschlafft, die Zunge fällt in den Rachen zurück und versperrt die oberen Atemwege, sodass die Atmung während der Nachtruhe immer wieder aussetzt. Der Körper reagiert mit Weckreaktionen (Arousals), Schlafunterbrechungen und einer erhöhten Belastung für Herz- und Kreislaufsystem. Ohne Behandlung der Krankheit steigt die Gefahr von Herzinfarkt, Schlaganfall und Bluthochdruck.

Laut Resmed, einem US-amerikanischen Anbieter von Therapiegeräten und Homecare-Diensten, liegen diese Zahlen (2019) somit fast zehnmal über der Schätzung der WHO aus dem Jahr 2007, die von etwa 100 Millionen Betroffenen ausging. Damit einher gehe ein eindringlicher Appell, die Bedingungen für die Identifizierung, Diagnose und erfolgreiche Behandlung von Betroffenen zu optimieren. Allerdings ist ein großer Teil derjenigen, die an obstruktiver Schlafapnoe leiden, nicht darüber informiert, dass sie betroffen sind. Katrin Pucknat, CEO von Resmed Germany, wird genauer: „Über 95 % der Patienten in Deutschland, die an Schlafapnoe leiden, sind nicht diagnostiziert oder therapiert. Das bedeutet, dass über 20 Millionen Menschen in Deutschland jede Nacht um Luft ringen anstatt von gesundem Schlaf zu profitieren“, heißt es weiter.

Betroffene weisen im Schlaf regelmäßig eine flache Atmung (Hypopnoe) und Atempausen (Apnoen) auf. Dabei werden diese Atemaussetzer im Schlaf oft nur zum Leidwesen des Bettpartners wahrgenommen. Im Verlauf der vergangen Jahre hat die Erkrankung zugenommen und sie tritt häufiger auf als bisher angenommen. Wie aus einem Artikel in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet Respiratory Medicine“ hervorgeht, sind weltweit etwa 936 Millionen Menschen von der obstruktiven Schlafapnoe betroffen.

Eine potenzielle Methode zur Diagnosestellung
Angesichts der Häufigkeit dieses Krankheitsbildes und der damit einhergehenden Beeinträchtigung der Lebensqualität kommt einer wirksamen Diagnostik und Therapie eine wichtige Bedeutung zu. Gesund.bund.de, das Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Gesundheit, empfiehlt, bei Auftreten der ersten Symptome als erste Anlaufstelle für alle Betroffenen den Hausarzt aufzusuchen. Der nächste Schritt bestehe in einer gründlichen Untersuchung und einem offenen Austausch über alle Symptome. Daraufhin könne erst eine Überweisung an den Kardiologen erfolgen. Für die Patient*innen stehe dort bereits ein Elektrokardiogramm (EKG) sowie ein Herz-Ultraschall bereit. Entdeckt der Arzt keine Auffälligkeiten, können die Betroffenen eine Überweisung zu einem Lungenfacharzt erhalten, da bei ihnen der Verdacht auf Schlafapnoe bestehe. Die Mediziner*innen geben den Betroffenen anschließend für eine Nacht ein Gerät in die Hand, um es anschließend zu Hause zu verwenden. „Das Mess- und Auswertungssystem am Finger und Handgelenk gibt Aufschluss über die tatsächliche Schlafzeit, den Sauerstoffgehalt des Blutes, den Atemfluss und Atemaussetzer, AHI (Apnoe/Hypopnoe-Index), Herzfrequenz, Körperlage, Schnarchintensität, Schlafstadien und Schlafunterbrechungen,“ konkretisiert das Deutsche Ärzteblatt hierzu. Erst nach dieser Auswertung bekommen die Patient*innen eine weitere Überweisung zu einem Schlaflabor.
Die Schlafuntersuchung zu Hause
Eine Schlafuntersuchung zu Hause ähnelt im Grunde einer Untersuchung im Schlaflabor, jedoch sind die Bedingungen etwas angepasst und der Komfort sowie die Bequemlichkeit des eigenen Zuhauses spielen eine Rolle. Die Medizinerin*innen demonstrieren vor einer solchen Untersuchung, wie die Sensoren anzubringen sind und wie das Aufzeichnungsgerät nachts zu bedienen ist.
Am Abend, an dem die häusliche Schlafuntersuchung stattfinden soll, folgt der Patient wie gewohnt seiner Abendroutine, bereitet sich auf das Schlafen vor, richtet alles so ein, wie es ihm erklärt wurde und beginnt mit der Aufzeichnung. Darauffolgend erfolgt die Auswertung der gesammelten Daten in der Praxis.
Die Untersuchung im Schlaflabor
In einem Schlaflabor werden Sensoren am Körper angebracht, um den Schlaf zu überwachen. Um das Schlafverhalten besser zu verstehen, wird die Nachtruhe zudem bei Bedarf mit einer Kamera aufgezeichnet. Dies dient der Erforschung von ungewöhnlichen Bewegungen während des Schlafs, wie zum Beispiel nächtliches Reden, Schlafwandeln, sowie Krampfanfälle.
Für die Durchführung dieser Untersuchung ist es erforderlich, eine Nacht in der medizinischen Einrichtung zu verbringen. Es sollten also alle Utensilien mitgebracht werden, die für die individuelle Schlafroutine erforderlich sind, wie etwa persönliche Pflegeartikel und ein Schlafanzug.
Weiterführende und ausführliche Informationen zu einer Untersuchung in einem Schlaflabor finden Leser*innen hier.
Die Diagnose
Die Patient*innen bekommen oftmals Tage später die erste Auswertung und die Diagnose, die oft eine erstaunliche Wirkung auf den Probanden hat, da es sich um eine unheilbare Krankheit handelt. Ein gründliches Aufklärungsgespräch, in dem verschiedene Behandlungsmethoden vorgestellt werden, kann dann hilfreich sein.
Schnarchschiene
Eine Schnarchschiene ist ein medizinisches Produkt, das dazu dient, das Schnarchen zu verringern oder zu verhindern, indem es den Unterkiefer leicht nach vorne schiebt. Somit werden die Atemwege freigehalten. Außerdem wird in dieser Lage verhindert, dass die Zunge nach hinten gleitet und den Rachenraum behindert. Damit die Therapie erfolgreich ist, muss ein Zahnarzt mit Spezialisierung auf Schlafmedizin eine individuelle Anpassung vornehmen. Individuelle Schienen können zwischen 400 bis 700 Euro veranschlagen. Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland übernehmen seit 2022 die Kosten für Schnarchschienen. Allerdings ist diese Leistung an bestimmte Voraussetzungen geknüpft.
Die Inspire-Therapie
Diese Therapie stellt eine effektive Option für Personen dar, bei denen die sogenannte CPAP Therapie und andere Behandlungsansätze nicht erfolgreich sind. Ein sogenannter Zungenschrittmacher regt den Zungennerv an, damit die Zunge nach vorne gehalten wird und so die oberen Atemwege frei bleiben. Klinische Studien, darunter solche der Uniklinik Düsseldorf, liefern vielversprechende Daten der Therapie, die Atemaussetzer und Schnarchen erheblich reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern kann. Tipp: Fragen und Antworten zum Zungenschrittmacher sind hier abrufbar.
Lagerungstherapien
Die Lagerungstherapie zielt darauf ab, die Rückenlage im Schlaf zu vermeiden, da sie die Atemaussetzer verschlimmern kann, indem sie die Atemwege blockiert. Zu diesem Zweck werden unter anderem die Seitenlage, das Hochlagern des Oberkörpers sowie spezielle Hilfsmittel wie Positions- oder Vibrationsgeräte und Westen, die eine Seitenlage erzwingen, verwendet. Besonders bei Betroffenen mit lageabhängiger Schlafapnoe zeigt diese Therapie Wirkung. Demnach kann sie das Schnarchen verringern und die Lebensqualität steigern.
Die CPAP-Behandlung
Häufig wird eine Schlafapnoe mit einem CPAP-Gerät behandelt – die Abkürzung steht für „Continuous Positive Airway Pressure“. Über eine Gesichtsmaske wird mit leichtem Überdruck kontinuierlich Luft in die Atemwege gepumpt. Dies verhindert, dass sich das Gewebe im Nasen- und Rachenraum zu sehr entspannt, was sonst zum Verschluss der Atemwege führen würde. Wenn CPAP regelmäßig angewendet wird, am besten jede Nacht durchgehend, kann es die Symptome der Schlafapnoe erheblich mindern, die Qualität des Schlafs verbessern und die Tagesmüdigkeit verringern.
Die Schlafapnoe kann in unterschiedlichen Formen auftreten, wobei die Ursachen jeweils variieren. Alle drei Arten der Krankheit sind behandelbar:
Obstruktive Schlafapnoe (OSA)
Die Ursache der OSA ist, dass die Muskulatur in den oberen Atemwegen während des Schlafs erschlafft und so die Atmung beeinträchtigt oder sogar blockiert. Sie tritt oft mit lautem Schnarchen oder Schnauben auf.
Zentrale Schlafapnoe (ZSA)
Die ZSA tritt auf, wenn das Gehirn während des Schlafs keine Steuersignale mehr an die Atemmuskulatur sendet. Obwohl die Atemwege offen bleiben, kommt es dann zu Atemaussetzern.
Cheyne-Stokes-Atmung (CSA)
Die CSA bezeichnet eine schwere Atemstörung im Schlaf, die sich als periodischer Atemstillstand zeigt. Sie ist im Allgemeinen durch einen Wechsel von flachen und tiefen Atemzügen mit dazwischenliegenden zentralen Atemaussetzern gekennzeichnet.
Schlafapnoe im Straßenverkehr
Dem Deutschen Ärzteblatt zufolge sind Schlafapnoe-Patienten häufiger an Unfällen im Straßenverkehr beteiligt als gesunde Menschen. Obstruktive Schlafapnoe führt demnach oft zu Tagesschläfrigkeit und Sekundenschlaf. Im Straßenverkehr liegt den Angaben zufolge das Risiko für Betroffene, Unfälle zu verursachen, im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung 2- bis 7-mal so hoch.
Wichtige Punkte zur Fahrtauglichkeit
Seit 1998 legt die Fahrerlaubnisverordnung (FeV) fest, unter welchen Voraussetzungen Menschen mit unterschiedlichen Erkrankungen zum Führen von Kraftfahrzeugen geeignet sind. Mittlerweile werden dem Deutschen Ärzteblatt zufolge auch die „unbehandelte/behandelte Schlafapnoe mit ausgeprägter Vigilanzbeeinträchtigung“ in Betracht gezogen. Die Novellierung von 2007 hat zu einer Präzisierung der Einschränkungen geführt: Seitdem ist die messbare Tagesschläfrigkeit das maßgebliche Kriterium dafür, ob eine Teilnahme am Straßenverkehr möglich ist.
Allgemeines zum Thema Schlafapnoe
Wie merken Betroffene, dass sie Schlafapnoe hat?
Anzeichen, die darauf hindeuten, dass eine Schlafapnoe vorliegen könnte, sind unter anderem lautes Schnarchen mit Atemaussetzern, ausgeprägte Müdigkeit tagsüber, Kopfschmerzen am Morgen, Probleme mit der Konzentration und eine erhöhte Gereiztheit. Auch ein trockener Mund oder häufige nächtliche Toilettengänge sind charakteristische Anzeichen. Treten diese Symptome auf, ist es ratsam, einen Arzt zu konsultieren.
Kann man Schlafapnoe wieder loswerden?
Nein, Schlafapnoe ist in der Regel eine chronische Erkrankung, die nicht vollständig geheilt werden kann, sondern lediglich behandelt wird. Eine Verbesserung oder Heilung kann jedoch durch einen chirurgischen Eingriff an den Atemwegen erreicht werden, wenn andere Hilfsmittel keinen Erfolg gebracht haben.
Wie hoch ist der Grad der Behinderung (GdB) bei Schlafapnoe?
Der GdB für Schlafapnoe variiert laut dem Online-Dienst meine-gesundheit.de im Schnitt zwischen 20 und 50 Prozent, je nach Schweregrad und Therapienotwendigkeit.
Ab einem GdB von 50 Prozent erhalten Betroffene einen Schwerbehindertenausweis!
Welche Medikamente sollten bei einer Schlafapnoe vermieden werden?
Opiate, beziehungsweise Opioide, werden häufig zur Schmerzbehandlung nach größeren chirurgischen Eingriffen verschrieben. Diese Medikamente können die Schlafapnoe verschlimmern, da sie die Häufigkeit und Dauer der Apnoen erhöhen können. Wie sich Opioid-Schmerzmittel auf das Gehirn auswirken, können Interessierte hier genauer nachlesen.
Wichtig
Die Festsetzung des GdB erfolgt durch das zuständige Versorgungsamt.
Schlafapnoe-Selbsttest
Wie kann eine Privatperson Schlafapnoe am eigenen Leibe testen? Ein Selbsttest besteht aus einer Fragenliste zu Symptomen wie lautem Schnarchen, Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und morgendlichen Kopfschmerzen.
Was fehlt dem Körper bei Schlafapnoe?
Während einer Apnoe erhält der Körper kurzfristig zu wenig Sauerstoff. Der wiederholte Sauerstoffmangel und die Aktivierung des Nervensystems schaden dem Gehirn und belasten das Herz, wodurch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt.
Woher weiß eine Person, ob eine Atemaussetzung vorliegt ?
Neben den zuvor erwähnten Atemaussetzern treten vor allem Konzentrationsschwierigkeiten sowie Kopfschmerzen oder ein trockener Mund am Morgen auf. Weitere charakteristische Symptome sind nächtliche Schweißausbrüche und häufiges Urinieren. Auch plötzliches Erwachen mit Herzrasen und Luftnot kann durch Arousals hervorgerufen werden.
Wie ist die Lebenserwartung von Betroffenen mit Schlafapnoe?
Da sie das Risiko für ernsthafte Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Typ-2-Diabetes erheblich erhöht, verringert eine unbehandelte Schlafapnoe die Lebenserwartung im Durchschnitt um etwa zehn Jahre. Bei Betroffenen liegt die Sterblichkeit deutlich über der von gesunden Menschen gleichen Alters.
Kann Schlafapnoe das Gehirn schädigen?
Ein unbehandeltes Schlafapnoe-Syndrom kann Defizite in der Gehirnleistung verursachen. Wer eine chronisch obstruktive Schlafapnoe nicht fachärztlich behandeln lässt, riskiert möglicherweise Verluste der grauen Hirnsubstanz.
Übrigens: Die Krankheit Schlafapnoe kann auch vererbt werden. Besonders die obstruktive Schlafapnoe (OSAS) tritt häufig familiär auf. Auch bei der zentralen Schlafapnoe (ZSA) können genetische Einflüsse eine Rolle spielen, die die Atemsteuerung im Gehirn beeinträchtigen. Genauer:
Obstruktive Schlafapnoe (OSAS)
Genetische Einflüsse können zu Eigenschaften wie einem kleinen Unterkiefer, einem großen Halsumfang, großen Mandeln oder einer Rachenverengung führen. Zudem fällt auf, dass Schlafapnoe in Familien vermehrt vorkommt, was auf eine genetische Prädisposition für diese anatomischen Merkmale hinweist.
Zentrale Schlafapnoe (ZSA)
Bei der ZSA ist die Kontrolle der Atmung nicht durch die Anatomie des Rachenraums beeinträchtigt, sondern wird durch das Gehirn gestört. Sie kann also auch durch neurologische Schäden oder Erkrankungen des zentralen Nervensystems hervorgerufen werden.
Merke: Schlafapnoe ist eine ernsthafte und oft unterschätzte Schlafstörung, die gesundheitliche Probleme verursachen kann. Um die Lebensqualität zu verbessern und schwerwiegenden Komplikationen vorzubeugen, sollte eine Diagnose und falls notwendig eine Therapie durchgeführt werden. Wer einen Verdacht auf Schlafapnoe hat, sollte sich also mit einem Arzt beraten. Mit passenden Maßnahmen kann die nächtliche Ruhe wiederhergestellt werden, sodass man erfrischt in den neuen Tag starten kann. Außerdem: Auch wenn Schlafapnoe nicht ausschließlich auf genetische Ursachen zurückzuführen ist, können genetische Faktoren eine bedeutende Rolle bei ihrer Entstehung spielen, indem sie Risikofaktoren für die Erkrankung mit sich bringen.
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