In Frankfurt ist die illegale Entsorgung von Sperrmüll ein ernsthaftes Problem, das häufig negative Folgen für die Umwelt und die Lebensqualität aller Bürger*innen hat. Um dem entgegenzuwirken, initiiert die Stadt eine Vielzahl von Maßnahmen – mit unterschiedlichem Erfolg.
Während auf der einen Straßenseite alte Möbelstücke wie Stühle und Kommoden sowie Kartons zu meterhohen Türmen aufgeschichtet werden, breiten sich auf der anderen Seite verdreckte Matratzen neben überquellenden Mülleimern mitten auf dem Gehweg aus: ein unansehnliches Stadtbild in vielen Vierteln von Frankfurt, und das mit Sogwirkung. Denn sobald der Sperrmüll einmal steht, zieht es andere an, dort ebenfalls nicht mehr benötigte Dinge abzustellen. Hierzu zählen oftmals sogenannten Störstoffe wie Altkleider, Kartons, Farben, Lacke und Autoreifen. Leider nur darf das Sperrmüllfahrzeug diese nicht mitnehmen, was das Gesamtbild auf der Straße weiter beeinträchtigt – um es gewählt zu formulieren. Kein Wunder also, warum es in Frankfurt zunehmend dreckiger wird. Angaben der Frankfurter Neuen Presse (FNP) zufolge hat die innerhalb der Stadtpolizei angesiedelte Fachermittlungsgruppe Umwelt- und Naturschutz/Abfallrecht immer häufiger mit Müllsündern zu tun. „Mit 2077 Abfallermittlungen im Jahr 2023 gab es so viele wie noch nie zuvor. Im Vergleich mit dem Jahr 2022 war das ein Plus von 19 Prozent. Damals gab es 1746 Abfallermittlungen. Auch die Anzahl der tatsächlich ermittelten Müllsünder mit 684 eingeleiteten Ordnungswidrigkeitsverfahren war im vergangenen Jahr auf ‚einem hohen Niveau‘“, so die FNP weiter.
Straftat Müllentsorgung

Zwar fährt ein Fahrzeug der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH, kurz: FES, mehrmals wöchentlich durch das gesamte Stadtgebiet, um die zusätzlichen Ablagerungen zu entfernen. Das ist jedoch bei weitem nicht genug. Denn offenbar ist die Hemmschwelle für Nachahmer gesunken, ihren Abfall ebenfalls illegal zu entsorgen, da die Ablagerungen zunehmen. Laut der Frankfurter Neuen Presse (FNP) ist die Lage mittlerweile so gravierend, dass die FES in Erwägung zieht, eine Detektei zu engagieren, um Müllsünder zu fassen und anzuzeigen. Denn illegale Müllentsorgung stellt eine Straftat dar. Nach Paragraf 326 des Strafgesetzbuches ist eine Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe möglich. Letztere wurden für die illegale Müllentsorgung am 1. Oktober deutlich angehoben. So wird beispielsweise das achtlose Wegwerfen von Abfällen mit einem Bußgeld in Höhe von 120 Euro geahndet. Zuvor lag das Bußgeld bei 55 Euro. Die Mindestgebühr für illegal entsorgten Sperrmüll beträgt nun 1.000 Euro. Davor waren es 250 Euro. Weitere neue Bußgelder-Zahlen sind hier abrufbar.
Gefahr durch wilden müll
Regelmäßig kommen beim Entsorger FES auch Hinweise an, wo in Frankfurt wilder Müll abgelagert ist. Hierbei handelt es sich um Abfälle, die in der Natur, in Wäldern oder an Gewässern sowie an öffentlichen Orten nicht in dafür vorgesehenen Müllbehältern abgelagert werden, was ebenso illegal ist. Dies kann neben dem Haus- und Sperrmüll auch Bauschutt, Baustellenabfälle, Autowracks sowie überschüssigen Bodenaushub (Locker- und Festgesteine, die bei Baumaßnahmen ausgehoben oder entfernt werden) umfassen. Selbst wenn Abfälle mit Erde bedeckt sind, handelt es sich weiterhin um wilden Müll. Dieser illegal entsorgte Müll gefährdet oftmals nicht nur die Gesundheit von Menschen und Tieren, sondern kann im schlimmsten Fall auch zum Ableben führen.
Wege gegen illegale entsorgung

Ob nun Geld- oder Freiheitsstrafe – im Grunde muss es nicht so weit kommen, da die Hürden zur Lösung des Müllproblems de facto nicht allzu hoch sind. Zur kostenlosen Entsorgung von Sperrmüll genügt nur ein Anruf bei der FES, der städtischen Sauberkeitsoffensive cleanffm, beim Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE), digital über den Mängelmelder ffm Frankfurt fragt mich! oder deutschlandweit über die App MÜLLweg!de.
Doch der Reihe nach: Die Sauberkeitsinitiative cleanffm besteht seit acht Jahren. Als die ersten Sars-CoV-2-Fälle in Deutschland gerade zum Gesprächsthema wurden, präsentierte die ehemalige Stadträtin und Dezernentin für Klima, Umwelt und Frauen, Rosemarie Heilig (Die Grünen), eine neue Straßenbahn auf dem Betriebshof Ost der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF). Die Straßenbahn, die in einem auffälligen Grünton lackiert war, gehörte zu einer Werbekampagne von cleanffm. Die Frankfurter Rundschau (FR) berichtete, dass die Bahn mit mehr oder weniger humorvollen Sprüchen wie „Eine Tüte Plastik hält länger als eine Ehe“ beklebt wurde, um darauf hinzuweisen, dass Müll im öffentlichen Raum ordnungsgemäß entsorgt werden muss.
Mit Zangen und SäckeN

Bis heute sind die sogenannten Sauberkeitsbotschafter*innen von cleanffm das Herzstück der Kampagne. Ausgerüstet mit Handschuhen, Zangen und großen gelben Säcken, räumen sie in ihren auffällig grünen Outfits regelmäßig in Teams in der Stadt auf. Die Stabsstelle Sauberes Frankfurt, die für die Aktion zuständig ist, verfolgt das Ziel, das Thema Sauberkeit stärker in den Fokus der Lebenswirklichkeit zu rücken. Nach dem Motto: „Frankfurt ist zu cool für klebrige Bürgersteige!“ will die Stadt zusätzlich mit sogenannten GumWalls eine Möglichkeit schaffen, Kaugummis korrekt zu entsorgen und damit aktiv zu einem sauberen Stadtbild beizutragen. Seitens der Initiator*innen heißt es dazu: Einfach einen Emoji anklicken und der Gehweg bleibt sauber, so die Hoffnung. Die wetterfesten Andruckblätter seien ideal für den Außeneinsatz und können bis zu 49 Kaugummis aufnehmen. Die Initiative cleanffm kümmere sich anschließend um die sachgerechte Positionierung der GumWalls, damit sie für alle zugänglich seien.
Kleingartenanlagen betroffen
Zusätzlich zur Stabsstelle Sauberes Frankfurt wird auch immer häufiger das ASE für illegal abgestellten Müll eingesetzt. So berichtet die ASE dem News-Portal t-online, dass sie jährlich etwa 3.000 illegale Abfallablagerungen im Stadtgebiet entfernen muss. Insbesondere die Kleingartenanlagen seien betroffen, in denen zuletzt große Mengen Müllsäcke und Sperrmüll entdeckt wurden. Dort könne der Boden teilweise nicht mehr verwendet werden. Dabei sind die Hauptaufgaben der ASE nur die Planung, der Bau und die Erschließung von öffentlichen Straßen, Wegen, Plätzen und Ingenieurbauwerken zuständig. Weitere Aufgaben sind die Genehmigung und Verwaltung von Sondernutzungen wie Außengastronomie, die Regelung von Aufbrüchen für Versorgungsleitungen, die Erschließung von Baugebieten (einschließlich der Vergabe von Hausnummern) sowie die Entwicklung der Fahrradinfrastruktur. Anders gesagt sollen die rund 290 Amtsmitarbeiter in erster Linie eine verkehrssichere Infrastruktur in Frankfurt gewährleisten, anstatt sich mit der direkten Müllentsorgung zu beschäftigen.

Mit smartphone und gps
Illegale Müllablagerungen können auch über den sogenannten Mängelmelder des Bürgerbeteiligungsportals ffm „Frankfurt fragt mich!“ per Mausklick angezeigt werden. „Müll, Straßenschäden, defekte Ampeln, Straßenschilder, Straßenbeleuchtung, Spielgeräte oder Parkbänke – hier können Sie uns alles mitteilen“, heißt es auf der Website der städtischen Initiative. Um einen Mangel zu melden, müsse man in der FFM.de-App lediglich den Punkt auf der Karte anklicken, an dem man sich befinde, oder – sofern man ein Smartphone mit GPS habe – das Fadenkreuz am rechten Rand antippen. Sofort werden die Koordinaten, sprich der Standort, erfasst. Hilfreich sei es zudem, die Ablagerung nicht nur direkt, sondern auch im Zusammenhang mit der Umgebung im Hintergrund zu fotografieren. Dadurch könne eine bessere Lokalisierung der Ablagerungen erfolgen. Folgende sichtbare Schäden sind beim Mängelmelder der Stadt anzuzeigen, zum Beispiel:
- wildabgelagerter Müll
- kaputte Ampeln
- Mängel zu Barrierefreiheit
- beschädigte Straßenschilder
- defekte Straßenbeleuchtungen
- kaputte Parkbänke oder Spielgeräte
- Schrottfahrzeuge
- Straßenschäden
- Verstopfte Sinkkästen (ein Entwässerungselement, das Regenwasser von Straßen oder anderen Oberflächen sammelt und in das Kanalsystem leitet)
Gefahr für Umwelt
Über die zusätzliche App MÜLLweg! DE ist die Müll-Meldung in drei Schritten erstellt. Standort bestimmen, Behörde finden und den Fund beschreiben. Die Mitteilung kann persönlich oder anonym geschehen, der genaue Fundort wird durch GPS-Daten bestimmt und MÜLLweg! DE legt automatisch fest, welche Behörde für die Müllbeseitigung zuständig ist. Die Anwender*innen müssen sich nicht registrieren, um die App zu nutzen, dazu ist diese gebührenfrei. „Wilder Müll geht uns alle an! Denn wilder Müll verschandelt nicht nur unsere Umwelt, sondern stellt eine erhebliche Gefahr für Natur und unsere Gesundheit dar! Mit dem MÜLLweg! DE Mängelmelder melden Sie illegale Müllentsorgungen ohne Aufwand präzise und automatisch an die richtige Behörde, häufig das zuständige Ordnungsamt oder die Abfallwirtschaftsbetriebe.“, heißt es diesbezüglich auf der Homepage des Anbieters.
DaS ziel: null abfall – NULL Verschwendung

Erst vor kurzem hat die Stadt eine neue Kampagne ins Leben gerufen, die auf Tipps, ein Quiz und eine verstärkte Bürgerbeteiligung abzielt. Das Ziel besteht darin, Frankfurt zu einer sogenannten Zero Waste City zu entwickeln. Die Stadt gab bekannt, dass die Bürger*innen mit der neuen Kampagne dazu motiviert werden sollen, auf Abfallvermeidung und Ressourcenverschwendung zu achten. „Zero Waste ist unsere Verantwortung – für Frankfurt, für unsere Umwelt und für kommende Generationen. Wer heute Ressourcen verschwendet, gefährdet die Zukunft, deshalb handeln wir gemeinsam: Frankfurt will eine Stadt ohne Verschwendung werden“, erklärte Tina Zapf-Rodríguez (Grüne, Dezernentin für Klima, Umwelt und Frauen) bei der Präsentation der Kampagne.
Zero Waste, was so viel wie „null Abfall“ bedeutet, hat das Ziel, alle Ressourcen durch verantwortungsvollen Konsum, nachhaltige Produktion sowie Wiederverwendung und Recycling von Produkten und Materialien zu bewahren. In Zahlen ausgedrückt plant Frankfurt mit dem Beschluss zur „Null-Verschwendung-Stadt“ den pro-Kopf-Restmüll bis 2035 von derzeit 205 kg auf jährlich 120 kg zu reduzieren. Demnach soll die Gesamtabfallmenge den Medien zufolge jährlich um rund zwei Prozent verringert werden. Begleitend dazu bekommen die Frankfurter*innen Ratschläge zur Mülltrennung und Informationen über Initiativen und Angebote auf der Zero Waste City-Webseite. Zudem können Sie sich auch an dem Waste-Bewerb beteiligen: Ein Online-Quiz mit 100 Fragen und 10 Levels, das zeigt, wie Müll richtig getrennt und Abfall vermindert werden kann. Tipp: Erlebnisraum-Frankfurt berichtete bereits umfassend über das Zero Waste-Konzept in einem Artikel.
Frankfurt soll glänzen

Ob nun GumWalls, Mängelmelder, Ratespiele oder andere Kampagnen – geht es um die Sauberkeit Frankfurts, sind die rund 1.800 Beschäftigten der FES-Unternehmensgruppe die wahren Sauber-Macher – und zwar von A bis Z. Die Frankfurter Entsorgungsgesellschaft, die seit 1995 besteht, bietet weit mehr als nur das Entleeren von Müllbehältern an. Die Teams führen regelmäßige Abholungen von Papier, Biomüll, Verpackungen und Elektroschrott durch. Auch können die Einwohnerinnen und Einwohner in Frankfurt fast alles, was fachgerecht entsorgt werden muss – von Batterien bis Bauschutt – über die Wertstoffhöfe, einen eigenen Altkleider-Abholservice oder verschiedene Sammelaktionen loswerden. Künftig soll auch eine neuartige Künstliche-Intelligenz-Software den Entsorger*innen dabei helfen, den Müll in der Stadt aufspüren. Die Idee: Entlang der Fahrtrouten sollen die Einsatzfahrzeuge der FES Müllablagerungen scannen, automatisch Aufgabenpakete erstellen und ein Aufräumteam für den Folgetag disponieren. Kameras an FES-Fahrzeugen liefern dafür das Bildmaterial.
Autoreifen richtig entsorgen
Doch zurück ins heute und zum praktischen Teil. Wer einen Sperrmülltermin bei der FES vereinbaren möchte, kann dies entweder telefonisch (siehe unten) oder online tun. Der Sperrmüll muss am Abholtag bis 06:00 Uhr morgens frei zugänglich in Straßennähe bereitstehen, frühestens jedoch am Nachmittag des Vortages, ab 15:30 Uhr. Und noch einmal zum Mitschreiben, folgendes zählt zum Sperrmüll und wird von der FES kostenlos entsorgt: Mobiliar und große Einrichtungsgegenstände wie etwa Regale, Schränke, Sofa, Tische, Stühle, Lattenroste, zudem sonstiger Sperrmüll wie zum Beispiel Laminat, Teppiche, Matratzen und Elektrogroßgeräte. Diese Gegenstände gehören dagegen nicht in den Sperrmüll, und werden aus diesem Grund auch nicht von der FES entsorgt: Abfälle aus Umbaumaßnahmen wie Fenster, Türen, Bodenbeläge wie Parkett, Wandverkleidungen, Sanitärobjekte, Schadstoffe wie Holzschutzmittel, Farbreste oder Leuchtstoffröhren. Nicht zu vergessen: Autoreifen. Entweder kommen sie zum Händler zurück, oder landen bei den vier großen Abgabestellen (Wertstoffhöfe), welche hier zu finden sind:
| Weidenbornstraße 40, 60389 Frankfurt Ost (Google Maps) | Palleskestraße 36 a, 65929 Frankfurt Höst (Google Maps) |
| Seehofstraße 48, 60596 Frankfurt Sachsenhausen (Google Maps) | Max-Holder-Str. 29, 60437 Frankfurt am Main (Google Maps) |
Kontakt Zentrale:
FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES)
www.fes-frankfurt.de
Weidenbornstraße 40
60389 Frankfurt am Main
Servicetelefon: 0800 2008007-0
E-Mail: services@fes-frankfurt.de
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Fazit: Vermeiden Sie das Abladen von Müll und helfen Sie mit, Frankfurt sauber zu halten. Nur so leben wir zusammen in einer Stadt, die sauber ist und keine Gesundheitsrisiken birgt.



