Das Frankfurter Bethmännchen

Grafik: M. Skowronek – GFFB gGmbH

Wie jedes Jahr rückt die Weihnachtszeit überraschend näher und näher. Der Weihnachtsmarkt wird eröffnet. Mit einem heißen Getränk in den Händen warm in einer Decke auf dem Sofa eingekuschelt, bewegt sich die Hand zum Lebenkuchenteller. Aber halt! Muss denn wirklich nur auf Nürnberger oder Aachener Traditionen zurückgegriffen werden – so lecker sie auch sein können? Nein! Auch Frankfurt hat eine traditionelle Weihnachtsleckerei zu bieten.

Tatsächlich haben die bekannten Frankfurter Bethmännchen einen Vorläufer: Die Frankfurter Brenten (wie Printen, aber nicht aus Lebkuchenmasse). Diese sind ein Marzipangebäck, welches wie Spekulatius in Modeln geformt und gebacken werden. Diese sind heutzutage leider kaum noch zu finden, nur traditionelle Konditoreien und Bäckereien führen diese noch.
Der Legende nach erfand 1838 der Küchenchef der Familie Bethmann, Jean Jacques Gautenier, diese Leckerei – damals noch mit vier statt drei Mandelhälften, welche symbolisch für die Söhne des angesehenen Frankfurter Bankiers Simon Moritz von Bethmann standen. Mit dem Tod Heinrichs 1845 sei die vierte Mandelhälfte entfernt worden. Da der Vater jedoch selbst schon 1826 verstarb, bestehen Zweifel an der Wahrhaftigkeit dieser Geschichte.

Das essbare Bethmännchen

Wie bereits erwähnt, bestand das ursprüngliche Bethmännchen aus Brentenmasse: ein Marzipan aus Mandel, Ei, Puderzucker, Rosenwasser und Mehl. Ein gutes Beispiel für eines der ursprüglichen Rezepte ist das Gedicht über die Frankfurter Brenten von Eduard Mörike.
Das Bethmännchen selbst ist ein Marzipankonfekt, das aus einer Marzipankugel zu einem Kegel geformt wird. An diesem werden seitlich 3 Mandelhälften angebracht und anschliessend mit Eigelb bestrichen (glasiert) und gebacken.

Rezept für Frankfurter Bethmännchen (Variante der Innungsbäcker)
– 250g Marzipan-Rohmasse
– 3 Mandelhälften
– 1 Eiweiß
– 20g Puderzucker
– Rosenwasser

1. Zucker und etwas Rosenwasser in Marzipan einkneten und Kugeln/Kegel formen
2. Bestreichen mit Rosenwasser
3. Mandelhälften andrücken
4. Über Nacht trocknen lassen, dann mit Zucker-Eiweiß-Mischung bestreichen
5. Backen bei 200° bis Spitzen hellbraun sind

Die Familie Bethmann

Die Familie Bethmann war eine seit dem 18. Jahrhundert in Frankfurt ansässige Bankiersfamilie, von denen Simon Moritz von Bethmann (1768-1826) wohl das bedeutendste Mitglied der Familie war, der ein großzügiger Mäzen und Förderer des Frankfurter Kunst- und Kulturlebens war – wie auch später sein Sohn Moritz von Bethmann. Simon Moritz war ein bekannter Frankfurter Bankier, dessen Bankhaus Gebrüder Bethmann im 18. Jahrhundert nicht nur in Frankfurt von großer Bedeutung war, sondern auch in Europa.
Sein bürgerliches Verantwortungsgefühl Frankfurt gegenüber ließ ihn mehrfach die Stadt in Notlagen finanziell unterstützen und so erhielt er in der Folgezeit auch zweimal ein städtisches Mandat. Den Bürgern war er primär durch seinen Einsatz für die Stadt bekannt und beliebt:

Er war Mitbegründer der Musterschule (1803), des Philanthropins (1804) und der Weißfrauenschule (1813), unterstützte die Errichtung der Stadtbibliothek an der Obermainanlage und die Arbeit bürgerlicher Gesellschaften, die sich einem Bildungsauftrag verschrieben hatten (u. a. als Mitbegründer der Fft.ischen Gesellschaft zur Beförderung nützlicher Künste und deren Hülfswissenschaften, der späteren Polytechnischen Gesellschaft, 1816, und der SNG, 1817), aber auch die Anfänge des Sparkassenwesens, zeigte karitatives Engagement in der Notzeit von 1816/17 mit der Gründung eines Getreide-Vereins und engagierte sich für das Ffter Theater.”

– Quelle: frankfurter-personenlexikon.de

Simon Moritz von Bethmann starb 1826 an den Folgen eines Schlaganfalles. In der Stadt erinnern noch der Bethmann-Park, die Bethmannstraße und die Bethmannschule an ihn.

paw / Dezember 2023

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