Salzgrotten – Wellness für Lunge und Geist

Salzgrotten – Wellness für Lunge und Geist

Wer sehnt sich nicht danach dem chaotischen Alltag der Großstadt für eine Weile zu entfliehen, um Körper und Geist eine wohltuende Auszeit zu gönnen? Eine unscheinbare und dennoch äußerst effektive Möglichkeit dafür bieten sogenannte Salzgrotten, die auch mitten in Frankfurt zu finden sind. Künstliche Salzhöhlen deren besondere Atmosphäre und gesundheitsfördernde Eigenschaften den ein oder anderen überraschen dürften.

Die Wände und Böden bestehen aus Tonnen Salzkristall, typischerweise vom Toten Meer oder aus dem Himalaya. Das warme gedämpfte Licht schmiegt sich sanft an die zur Entspannung einladenden Sitzgelegenheiten und greift der entschleunigenden Stimmung spielend unter die Arme. Ein dezenter Salzgeschmack im Mund lässt erahnen, dass die Luft hier salziger ist als die Stadtluft. Ein weiterer angenehmer Atemzug, die Luft wirkt reiner und das ist sie auch. Wer ein feines Näschen hat, erkennt vielleicht die leicht mineralisch-salzige Note in der Luft. Wer schon einmal an der Meeresküste war, dem kommen wahrscheinlich Erinnerungen an einen zurückliegenden Urlaub auf. So oder so ähnlich könnte die Ankunft in der Salzgrotte wirken. Aber wie kam es dazu, dass diese künstlichen Salzhöhlen zur Steigerung des Wohlbefindens hergerichtet werden?

Einblick in die Historie

Wer sich etwas mit Salz beschäftigt, dem wird schnell klar, dass es sich hierbei um mehr als nur Natriumchlorid handelt. Neben dem weniger namhaften Kochsalz oder Tafelsalz, wären da zum Beispiel noch das klassische Meersalz, das rosa Himalaya-Salz (die rosa Färbung rührt von Eisenoxid Spuren) und das ganz besondere keltische Salz, auch „Celtic Sea Salt“ genannt, mit über 80 Spurenelementen zusätzlich zum Natriumchlorid. Dabei wird das keltische Salz auf besondere Art gesammelt und ist im Gegensatz zu den anderen gängigen Salzarten etwas feuchter. Wer damit kocht, beziehungsweise eine Speise würzt, trägt somit zu einer ausgewogeneren Mineralstoffzufuhr bei.

Wenn man noch etwas tiefer gräbt, war Salz für die Menschen seit je her auch mehr als nur ein Lebensmittel. Laut Wikipedia sprechen Mythen und Sagen dem Salz die Eigenschaft zu, vor dem Bösen zu schützen. Mit Linien aus gestreutem Salz vor Türen und Fenstern oder sogar um das ganze Haus wurde demnach bösen Geistern und schlechter Energie der Einlass verwehrt. So sind heute noch Brot und Salz Geschenke zum Einzug in ein neues Haus, oder in eine neue Wohnung. Es soll den Beschenkten nie an Lebensmitteln mangeln.

Kostbarkeit, Haltbarkeit und Reinigung werden dem sogenannten Weißen Gold schon in der Bibel als Eigenschaften zugestanden. Der in der Heiligen Schrift auftauchende Begriff „Salzbündnis“, ist Symbol für einen unauflöslichen, ewigen Bund Gottes.

„Alle Abgaben der heiligen Gaben, die die Söhne Israel dem Herrn darbringen, habe ich dir, deinen Söhnen und deinen Töchtern mit dir zur ewigen Ordnung gegeben; ein Salzbund für ewig ist es vor dem Herrn für dich und deine Nachkommen mit dir.“

4. Mose 18,19

„Wisst ihr nicht, dass der Herr, der Gott Israels, das Königtum über Israel dem David auf ewig gegeben hat, ihm und seinen Söhnen durch einen Salzbund?“

2. Chronik 13,5

Schon die alten Ägypter vor rund 4.000 Jahren haben Natronsalz nicht nur bei der Mumifizierung, sondern auch für Wunden und Infektionen genutzt. Die Griechen und Römer wussten ebenfalls um die heilende Wirkung von Salz und haben es unter anderem zur Behandlung von Hautproblemen sowie gegen Hals- & Ohrenschmerzen verwendet. Auch salzige Bäder und Solen gab es übrigens schon bei den Römern und der berühmte Paracelsus (1493-1541) war wohl einer der ersten Ärzte, der die Sole im 16. Jahrhundert bei Hautkrankheiten verordnete.

Das älteste Salzbergwerk der Welt in Hallstadt (Österreich) ist 7.000 Jahre alt
& in Hallstadt meißelten die Menschen schon im 14. Jahrhundert vor Christus

Dabei liegen die Ursprünge der künstlichen Salzgrotten nicht ganz so weit zurück, wie die Mythen und Sagen um Salz – und doch recht weit in der Vergangenheit. Im 19. Jahrhundert fiel nämlich auf, dass Atemwegserkrankungen wesentlich seltener bei Bergleuten auftraten, die in Salzminen arbeiteten. Woraufhin der polnische Arzt Feliks Boczkowski im Jahr 1843 die erste Salzgrotte speziell zur Gesundheitsförderung in der Wieliczka Salzmine eröffnete.

In den 1980ern wurden in der ehemaligen Sowjetunion die ersten künstlichen Salzgrotten errichtet, die das Klima und die Umgebung der gesundheitsfördernden Salzminen erfolgreich für therapeutische Zwecke nachahmten. Das allerdings oberirdisch. Deutschland zog in den 2000er Jahren nach, beispielsweise mit einer der ersten Salzgrotten in Hamburg Bramfeld, die 2008 eröffnet wurde. Wie die Onlineseite des Nachrichtensenders NTV berichtet, gibt es in Deutschland mittlerweile über 300 Salzgrotten. Demnach scheint die Akzeptanz gut bei der Bevölkerung angekommen zu sein.

Weitere interessante Fakten:

  • Bei einer Ausgrabung in Pioana Slatinei-Lunca (Rumänien), wurden frühe neolithische Salzgewinnungsanlagen identifiziert, die auf etwa 6.000 v.Chr. datiert werden.
  • Salz war im Mittelalter so wertvoll, dass es als Weißes Gold bezeichnet wurde und den Wohlstand ganzer Regionen wie zum Beispiel Salzburg begründete.
  • Das größte Salzbergwerk der Welt liegt in Goderich, (Ontario, Huronsee). er ist so tief wie der CN-Tower (Canadian National Tower) hoch ist (553 Meter).
  • Um 300 n. Chr. wurden römische Soldaten neben Geld auch teilweise mit Salz bezahlt.
  • Im 12. Jahrhundert wurde Salz in West-Afrika 1:1 mit Gold aufgewogen.
  • Heutzutage kostet eine Tonne Salz um die 100 US-Dollar.

Mögliche Wirkung der Behandlung

Wie wirkt sich die Zeit in der Salzgrotte auf die Besucher*innen aus? „Maritimes Klima“ lautet das Stichwort. Eine Temperatur von 20-25 Grad Celsius, eine Luftfeuchtigkeit von etwa 50 Prozent und die hohe Salzkonzentration, simulieren das Klima an einem großen Meer oder in einer Salzmine. In erster Linie soll der Gast die Wirkung beim Atmen und auf der Haut spüren. Das schon angedeutete Kribbeln auf der Haut ist ein Hinweis auf das besonders salzhaltige Mikroklima, in das die Besucher*innen eintauchen dürfen. Die Hautzellen werden aktiviert und die Durchblutung angeregt. Da Salz hygroskopisch ist, beziehungsweise Feuchtigkeit zieht, verbindet sich das Salz aus der Luft mit der Feuchtigkeit auf der Haut. Dabei wird die Haut mit wertvollen Mineralien versorgt, was entzündungshemmend wirkt. Bei diesem Vorgang werden Giftstoffe und überschüssige Feuchtigkeit aus der Haut gezogen. Gleichzeitig wird Mineralien die Möglichkeit geboten, in die Haut zu gelangen. Dabei bildet sich ein nicht sichtbarer „Salzmantel“, der bei der Regeneration der Haut helfen soll. Je nachdem wie viel Haut die Besucher*innen unbedeckt lassen, können all diese kleinen Vorgänge ein leichtes Kribbeln bewirken.

Hilfe für die Atemwege

Über die Atemwege dürfte das spezielle Klima schon etwas deutlicher zu spüren sein. Die besonders reine, salzhaltige Luft wirkt nämlich schleimlösend, schreibt die Krankenkasse AOK auf ihrer Website. Die kleinen Salzpartikel mit ihren hygroskopischen Eigenschaften finden demnach ihren Weg in die Atemwege und ziehen somit Wasser in den Schleim. Durch diesen Vorgang könnte sogar zäher Schleim gelockert und leichter abgehustet werden. Zusätzlich wirkt die Luft entzündungshemmend auf die Atemwege. Dadurch schwellen die Schleimhäute in Nase, Rachen und Bronchien ab, was den Besucher*innen beim Durchatmen helfen kann. Sogar Linderung bei Asthma, Bronchitis und Allergien vermag der Aufenthalt bei regelmäßigeren Aufenthalten in der Salzgrotte zu verschaffen. Der Hals dürfte sich dagegen durch die Feuchtigkeit ziehenden Salzpartikel trocken anfühlen.

Es sei an dieser Stelle betont, dass diese Empfindungen gewollt sind und zu den gesundheitsfördernden Eigenschaften der Salztherapie führen. Je nach Gesundheitsstatus kann es noch zwei Stunden nach der Behandlung zum Abhusten von gelöstem Schleim kommen.

Wirkung auf das Nervensystem

Eine weitere nicht zu unterschätzende Eigenschaft der Salzgrotten ist es, das Nervensystem zu regulieren. Laut Umfrage des Instituts of Rural Health in Lublin (Polen) besuchen ganze 73 Prozent der Befragten die Salzgrotten um die beruhigende Wirkung auf den Geist zu genießen. Dabei unterstütze die gemütliche Atmosphäre in warmem Licht, oft mit sanften Klängen hinterlegt, diese geschätzte Wirkung.

Natürlich sind all diese Wirkungen individuell in ihrer Intensität und jeder Salzgrotten-Gast erfährt den Besuch auf seine ganz eigene Weise. Es gibt viele Studien, die einem jedoch zu bestätigen scheinen, dass der Aufenthalt einen positiven Effekt hat.

Viele Salzgrotten nutzen spezielle Beleuchtung und Musik, um eine entspannte Atmosphäre zu schaffen, die oft für Wellness-Zwecke genutzt wird.

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Salz unter der wissenschaftlichen Lupe | Foto: FotoRichter / Pixabay

Wissenschaftlich bewiesen

Diese positiven Auswirkungen auf den Menschen wurden bereits zuvor beobachtet, jedoch wurden sie durch wissenschaftliche Studien erst im Jahr 1989 bestätigt. Belegt ist zum Beispiel, wie gut die Luft gereinigt und Krankheitserreger aus der Luft gebunden, beziehungsweise ihre Stabilität beeinflusst wird. Da wundert es einen nicht mehr, dass die Luft in der Salzgrotte so wohltuend wirken kann. Nachgewiesene Mikroelemente in der Salzgrottenluft und wichtig für die eventuelle gesundheitsfördernde Wirkungen sind den Analysen zufolge: Jod, Kalzium, Magnesium, Kalium, Natrium, Kupfer, Selen & Brom. Interessant sind auch die Ergebnisse einer weiteren Untersuchung, die 2017 abgeschlossen wurde. Diese habe entzündungshemmende, entwässernde und generell positive Auswirkungen auf Neugeborene bis vier Monate alte Kinder nachgewiesen.

Halotherapie? „Halos“ Griechisch für „Salz“ → Hallstadt (AT), Hallein (AT), Halotherapie

Insgesamt sei festzustellen, dass sich der klinische Zustand der Patienten in den meisten Fällen verbessere, da Besuche in Salzgrotten und die Halotherapie als Begleittherapien bei chronischer Bronchitis sowie zur Unterstützung der Genesung nach Operationen anerkannt sind. Den Wissenschaftlern zufolge ist die entzündungshemmende Wirkung vielseitig zu nutzen. So zeigt sich laut einer Analyse aus dem Jahr 2012 bei Athleten eine Verbesserung des bereits hervorragenden Atemindexes bis hin zu ausgezeichneten Werten. Daraus folgt, dass die Salzgrotte, beziehungsweise der Einfluss der Halotherapie auf Haut, Atemwege und Geist erholsam ist.

Eine vorherige Rücksprache mit dem Arzt ist dennoch ratsam, da es ein paar Krankheiten gibt, mit denen der Mensch sich nicht in das besondere Klima der Salzgrotte begeben sollte. Dazu zählen unter anderem schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Offene Wunden sollten der Salzhaltigen Luft lieber auch nicht ausgesetzt werden, das könnte etwas brennen. Wenn der Arzt sein Einverständnis gegeben hat, steht dem wohltuenden Erlebnis für Körper und Geist eigentlich nur noch die Entscheidung im Raum, welche Salzgrotte man denn am Ende für sich auswählt. In Frankfurt sind das drei Adressen, die Salzgrotten-Interessierte ansteuern können:

Salzgrotte am Ostend
Im Stadtteil Ostend in der Windeckstraße 25 finden Besucher*innen die erste in Frankfurt eröffnete Salzgrotte mit dem schlichten Namen Salzgrotte am Ostend. Auf deren Website können Interessierte einen ersten Eindruck von den Räumlichkeiten einholen. Die Preise liegen bei Kindern ab drei Jahren bei acht Euro und starten bei Erwachsenen bei 16 Euro. Geöffnet ist von Dienstag bis Samstag, Termine sind telefonisch zu vereinbaren.

Salzheilgrotte
Im Stadtteil Nordend-West in der Eschenheimer Anlage 23a befindet sich die Salzheilgrotte. Dort bezahlen Senior*innen ab 65 Jahren 14 Euro und einzelne Erwachsene 19 Euro für einen 45-minütigen Aufenthalt. Termine sollten ebenfalls telefonisch während den Öffnungszeiten arrangiert werden. Weitere Informationen für den anstehenden Besuch sind auf deren Homepage abrufbar.

Salzspiel
Die dritte Anlaufstelle befindet sich am Südbahnhof in der Hedderichstraße 43B im Stadtteil Sachsenhausen. Das Salzspiel ist eine kindgerechte Alternative. Mindestens ein Erwachsener und ein Kind zahlen dort für einen Aufenthalt 19 Euro. Für jeden weiteren Erwachsenen werden zehn Euro berechnet, für jedes weitere Kind sechs Euro. Kindergärten und Kitas genießen einen Sonderpreis: Erzieher zahlen zwölf und drei Euro pro Kind. Alles weitere Wissenswerte steht auf der Homepage des Betreibers.

Fazit: Im Großen und Ganzen scheint der Besuch in einer Salzgrotte für die meisten Menschen angenehm nachzuwirken. Bei schwereren Erkrankungen ist es empfehlenswert, sich vorher mit dem Arzt abzusprechen. Um dem chaotischen Alltag der Großstadt eine Weile zu entfliehen, könnte die Salzgrotte jedoch eine sehr gute Anlaufstelle zur Erholung sein. Beruhigende Klänge, gedämpftes Licht, saubere Luft und eine knappe Stunde fernab von High-Tech & Terminstress durchatmen – eine Art der Entschleunigung, in dessen Genuss Körper & Geist in der heutigen Zeit viel zu selten kommen.

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