Menschen sind seit jeher von Bernstein fasziniert, wegen seiner einzigartigen Schönheit, seines mythischen Alters und seiner unergründlichen Geheimnisse. Erlebnisraum-Frankfurt zeigt dieses Phänomen in seinen verschiedenen Facetten.

Ein vertrauter Anblick seit drei Jahrzehnten: Im Rahmen der Frankfurter Rhein-Main-Edelsteintage kommen die Besucher*innen jeden Januar und Oktober in großen Mengen in die Jahrhunderthalle nach Höchst. Die zahlreichen Mineralien, die unzähligen glitzernden Ketten, Korallen und das esoterische Zubehör werden dann an den Ständen bestaunt. Nach dem Motto: Prunk überall, wohin man schaut. Das heißbegehrte Objekt der Begierde und die damit immer wieder aufkommende Frage vor Ort lautet jedoch: An welchem Stand liegt diesmal das honigfarbene „Gold der Ostsee“ aus? Gemeint ist der Bernstein, der während der Messetage nur von ausgewählten Ausstellern angeboten wird. Kein Wunder. Die Menschen sind seit jeher wegen seiner einzigartigen Schönheit und seines mythischen Alters geradezu verzaubert. Auch fühlt sich der Stein sinnlich und warm an, und ist überraschend leicht. Man will ihn berühren, auf der Haut tragen, als Handschmeichler betasten.
Fenster der Vergangenheit
Selbst der Terminus hat es in sich: Gemäß der Expertenseite ambertop.de wird im Niederdeutschen brennen als börnen und Stein als Steen bezeichnet, was zu Börnsteen führte, das dann falsch übersetzt zu Bernstein wurde. Im Altdeutschen wurde aus Bernstein Agtstein oder Ait Stein, abgeleitet vom altdeutschen Verbaiten, was brennen bedeutet. Im Holländischen wird Bernstein Barnsteen oder Brandsteen genannt, im Schwedischen Bärnsten, im Polnischen Bursztyn. Auf den Punkt gebracht: Die Bedeutung ist überall dieselbe. Natürlich ist der Charmeur aus Stein auch in der antiken Mythologie und bei vielen Göttersagen verewigt, die ihn zum Thema hatten. So beziehen sich mythologische Geschichten über Bernstein oft auf die Legenden der litauischen Figuren Júraté und Kastytis, in denen Bernstein als die Tränen der Meer-Königin betrachtet wird, sowie auf die antike griechische Sage der Heliaden. Sie erzählt, wie die Tränen von Phaëtons Schwestern, die um ihn weinten, zu Bernstein wurden, nachdem Zeus ihn vom Sonnenwagen gestürzt hatte. Eine weitere Legende erzählt von der Bernsteinhexe aus Usedom, die angeblich die Menschen vor einer Hungersnot rettete, indem sie eine Bernsteinader fand.

Zwischen Küste und Kiesgrube
Angesichts der tränenvollen Dramatik kann der Weg bis zum Fund nur steinig sein. Besonders nach kalten und stürmischen Nächten werden die hellbraunen Bröckchen an den Küsten angespült. So findet sich Bernstein hierzulande hauptsächlich an der Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern, besonders an Hotspots auf den Halbinseln Fischland-Darß-Zingst, Rügen und Usedom. Auch an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste und an der Nordseeküste gibt es Fundorte, insbesondere auf den Ost- und Nordfriesischen Inseln. Darüber hinaus kann Bernstein auch im Binnenland in Kiesgruben und manchmal sogar an Baustellen gefunden werden. Die ältesten bekannten Bernsteine haben laut dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) ein Alter von 400 Millionen Jahren. Baltischer Bernstein, der an den Stränden von Ostsee und Nordsee angespült wird, entstand vor etwa 40 bis 50 Millionen Jahren aus dem Harz subtropischer Nadelwälder.
Warm auf der Haut

Das aus dem Nadelbaumharz gewonnene Fossil hat über 60 Sorten, daher kann es neben Gelb, Gold und Goldbraun auch einen roten oder milchig weißen Farbton haben. Cognacfarbener Bernstein ist der berühmteste und wohl auch der beliebteste. Er ist übrigens ähnlich wie Gold oder Silber nicht besonders hart und setzt sich vorwiegend aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff zusammen. Manko nur: Der Stein ist nicht so leicht zu erkennen, wenn er nicht gerade nass ist und nicht im Sonnenlicht schimmert. Selbst wenn man ein Sieb und einen Eimer zur Verfügung hat, ist es kaum machbar, jeden gelblichen oder bräunlichen Stein am Strand zu prüfen. Vor allem dann, wenn der Strand nur so von Steinen aller Art wimmelt. Auch sind die meisten Stücke sehr klein und haben im Schnitt einen Durchmesser von ein bis zwei Millimetern. Im Berliner Museum für Naturkunde kann der größte noch existierende Bernstein bestaunt werden. Mit einer Länge von fast 50 Zentimetern und einem Gewicht von über neun Kilogramm ist es dementsprechend recht groß. Ein solcher Fund ist natürlich sehr selten.
Tipp für angehende Profi-Sammler: Da Bernstein aus organischem Material entstanden ist, fühlt er sich warm auf der Haut an. Diese Gegebenheit erleichtert es, Bernstein von anderen mineralischen Steinen zu unterscheiden. Falls der- oder diejenige dann immer noch nicht sicher ist, ob ein Fundstück Bernstein ist, sollte damit leicht gegen einen Zahn klopfen, rät t-online. Ein sanfter Klang weist auf Bernstein hin – die gelben Feuersteine, die ihm ähnlich sehen, erzeugen einen deutlich härteren Ton. Die Echtheit kann auch mit Wasser, das einen hohen Salzgehalt aufweist, überprüft werden. Denn Bernstein schwimmt an der Oberfläche. Auch ein Wolltuch kann für einen Test verwendet werden: Beim Reiben erhält trockener Bernstein eine elektrostatische Aufladung, die ihn Papierschnipsel und Ähnliches anziehen lässt.
Das Geheimnis um das Bernsteinzimmer
Exkurs: Die Kunstgeschichte und der fossile Stein sind eng miteinander verbunden. Denn jeder kennt es, das legendäre Bernsteinzimmer. Die Geschichte des Zimmers beginnt in Preußen. König Friedrich I. beauftragte den Dänen Gottfried Wolffram, für sein Schloss in Charlottenburg ein Bernsteinzimmer zu gestalten. Wolffram wurde später von den Danzigern Ernst Schacht und Gottfried Turow abgelöst, die die Bernsteintafeln für die Wandverkleidung 1711 fertigstellen. 1716 schloss Zar Peter der I., der Große, in Berlin ein Bündnis mit Fridrichs Sohn und Nachfolger Friedrich Wilhelm I. gegen den schwedischen König Karl XIII. Zur Besiegelung des Paktes schenkt der preußische König dem Zaren das Bernsteinzimmer. In 18 Kisten verpackt wurden die Bernsteintafeln im April 1717 mit Pferdewagen nach Sankt Petersburg geschafft. Dort blieben sie, bis Zarin Elisabeth I. sie 1755 in den Katharinenpalast der Stadt Puschkin (dem ehemaligen Zarskoje Selo) bringen ließ. Der für die Bernsteinvertäfelung vorgesehene Raum war größer als das ursprüngliche Zimmer in Berlin, deshalb mussten zehn weitere Tafeln im gleichen Stil in Auftrag gegeben werden. 1763 war das Bernsteinzimmer fertiggestellt. Dort blieb es fast zwei Jahrhunderte. Die Wehrmacht erbeutete im Jahr 1941 während des Zweiten Weltkriegs das Bernsteinzimmer und baute es anschließend im Schloss Königsberg wieder auf. Nach der Demontage im Jahr 1944 verschwand es spurlos und gilt seitdem als verschollen; sein Verbleib ist bis heute ungeklärt.

„Zeittafel zum Bernsteinzimmer:
1941: Am 18. September, weniger als drei Monate nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion, rückt die Wehrmacht auf Leningrad vor und nimmt den Vorort Puschkin ein, das ehemalige Zarskoje Selo mit seinem Katharinenpalast. Mitte Oktober wird das Bernsteinzimmer binnen 36 Stunden demontiert und nach Ostpreußen geschafft. Alfred Rohde, ehemaliger Direktor der Königsberger Kunstsammlungen, lässt das Meisterwerk im Obergeschoss des Schlosses ausstellen.
1944: Nach einem Brand wird das Bernsteinzimmer im Frühsommer vorsorglich erneut in Kisten verpackt und übersteht so mehrere britische Luftangriffe, die das Königsberger Schloss in eine Ruine verwandeln. Am Jahresende begibt sich Rohde nach Sachsen und Thüringen, um die Kunstschätze dort in Sicherheit zu bringen. Offenbar findet er geeignete Lagerstätten. Doch für den geordneten Abtransport ist es bereits zu spät.
1945: Großoffensive der Roten Armee, die Königsberg im Januar einkreist und damit auch die Verbindungen nach Westen kappt. Im April fällt die Stadt an die Sowjets. Alfred Rohde stirbt im darauffolgenden Winter an Hungertyphus. Das Geheimnis, wo sich zu diesem Zeitpunkt die Kisten mit dem Bernsteinzimmer befinden, nimmt er mit ins Grab.
1949: Die Sowjetunion setzt eine Sonderkommission ein, die sich mit der Suche des Bernsteinzimmers beschäftigen soll. Sie wird 1983 aufgelöst, ohne ihre Bestimmung erfüllt zu haben.
1968: Der ehemalige Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) Leonid Breschnew, ordnet die Sprengung der Reste des Königsberger Schlosses an. Der Schlossturm war bereits 1953 abgerissen worden. Die erhalten gebliebenen Kellergewölbe unter dem Schloss beflügeln jedoch bis heute die Fantasie von Jägern des verlorenen Schatzes.
1979: Die Sowjetregierung beschließt, das Bernsteinzimmer im Katharinenpalast originalgetreu wieder aufzubauen. Dafür wird eigens die Bernsteinwerkstatt Zarskoje Selo gegründet. Ihre Meister können sich nur an 86 Fotografien und einigen erhaltenen Einzelstücken orientieren, müssen alte Techniken erst wiedererlernen. Kenner sind jedoch der Meinung, dass die 2003 fertiggestellte detailgetreue Nachbildung, die als „Achtes Weltwunder“ gilt, viel schöner und strahlender ist als das Original.„
Quelle: Moskauer Deutsche Zeitung
Zurück ins Heute. In den letzten Jahren erlebt das fossile Sammlerstück ein echtes Comeback – was den Euro steigen lässt. Genauer gerechnet können die Preise für den Edelstein von unter einem Euro bis über 150 Euro pro Gramm reichen, wobei besonders seltene Arten wie blauer oder weißer Bernstein oft höhere Margen erzielen. Dabei hängt der Marktwert von mehreren Faktoren ab: Herkunft, Größe, Farbe, Klarheit, Qualität, Einschlüsse und Bearbeitungszustand.
Doch einen Augenblick! Ein Artikel in der spanischen Tageszeitung El País beweist eindeutig, dass diese sieben Kriterien nicht für jedes Steinchen gelten. Wie das Blatt berichtet, wurde in Rumänien einer der größten Bernsteine überhaupt gefunden. Sein Gewicht beträgt nahezu 3,5 Kilogramm und laut den Experten liegt sein Alter zwischen 38 und 70 Millionen Jahren. Das Kuriose an dem Fund: Der Stein befand sich offenbar über Jahre im Besitz einer älteren Dame, die ihn nicht gerade standesgemäß verwendete. Genauer gesagt wurde der Brocken als Türstopper genutzt. Selbst Einbrecher sollen ihn übersehen haben. Oder sind über ihn gestolpert. Nachdem die Eigentümerin 1991 verstorben war, untersuchte ein Angehöriger den braun-roten Klumpen zum ersten Mal genauer. Als auch er keine Lösung mehr wusste, bat er einen Experten um seine Einschätzung. Und diese hatte es wirklich in sich: Dieser Türstopper ist einer der größten jemals gefundenen Bernsteinstücke überhaupt. Wert: Rund eine Million Euro.

älter, größer, wertvoller
Es geht aber auch kleiner. Für einen unbearbeiteten Rohbernstein mit einem Gewicht bis zu 50 Gramm wird üblicherweise 3,50 Euro verlangt. Für ein kleineres Stück mit einem Gewicht von zehn bis 20 Gramm verlangen Händler wie Bersteindirekt.de im Schnitt zwei Euro. Kostete ein Kilo Rohbernstein noch vor einigen Jahren um die 300 Euro, so liegt der heutige Preis bei 3.500 Euro. Je nach Größe und Qualität kann ein Kilo sogar die 10.000-Euro-Marke erreichen. Besonders Bernsteine mit Inklusen, also mit seltenen Einschlüssen wie Insekten oder Pflanzen, steigen im Wert, denn sie stellen für Sammler einen besonderen Reiz dar. Der Händler Bernsteinwelt.de verlangt für ein kleineres Stück mit fossilem Schaben und einem Gewicht von 0,58 Gramm knapp 65 Euro, für ein 2,4 Gramm schweres Stück sogar etwas über 447 Euro. Populär ist auch der sogenannte Butterscotch-Bernstein, der ein milchig-braungelbes Aussehen zeigt. Auch für diese Art des Bernsteins wird entsprechend viel verlangt. Beispielsweise kostet eine 67 Zentimeter lange Bernsteinkette mit einem Gewicht von 258 Gramm satte 10.400 Euro. Grundsätzlich gilt: Je älter und je größer, desto wertvoller.
Fazit: Leider gibt es auch beim Bernstein immer wieder Fälschungen, also Vorsicht beim Kauf. Gut zu Wissen: Bernstein brennt und duftet dabei angenehm harzig. Wenn man ihn reibt, lädt er sich elektrisch auf. Auch kann Bernstein im Salzwasser schwimmen. Im Zweifel also den Edelstein bei einem Juwelier oder auf der Fachmesse prüfen lassen. Denn wie viel Omas ererbte Bernsteinkette oder das Mitbringsel aus dem Urlaub wert sind, ermitteln die Experten mit Lampe, Lupe und Goldwaage direkt vor Ort. Dabei ist ein Zertifikat oder ein Herkunftsnachweis Pflicht! Wer sonst nicht aufpasst, bezahlt echtes Geld für Fälschungen. (okm/2025)
Titel-Foto: andychoinski / pixabay
86. Frankfurter Rhein-Main-Edelsteintage
30.01.2026 – 01.02.2026
Jahrhunderthalle Frankfurt
Pfaffenwiese 301
65929 Frankfurt am Main
Tel: 069 / 360 1236 (myticket)
Geöffnet 11:00 bis 18:00 Uhr




