Menschen, die unter Herzrhythmusstörungen, übermäßigem Schwitzen, innerer Unruhe oder an Muskelschwäche leiden, könnten Probleme mit der Schilddrüse haben. Erlebnisraum-Frankfurt stellt in diesem Artikel einen kurzen Überblick über diese Krankheit, ihre Ursachen und die Einzelheiten der Behandlungsmethoden vor.
Zuerst die entscheidende Frage: Was genau ist die Schilddrüse und wo liegt sie? Die Schilddrüse ist eine schmetterlingsförmige Hormondrüse, die sich im vorderen Halsbereich unterhalb des Kehlkopfs befindet. Sie besteht aus zwei Hauptlappen, die die Luftröhre seitlich umschließen. Diese Hauptlappen sind an der Vorderseite des Halses durch eine schmale Gewebebrücke, dem sogenannten Isthmus, verbunden, was zu der charakteristischen Schmetterlingsform führt.
Der Aufbau der Kehle
- Der Kehlkopf
- Der Schildknorpel (Cartilago thyroidea)
- Die Schilddrüse
- Das Zungenbein
- Die Nebenschilddrüsen
- Der Musculus cricothyroideus
- Die Luftröhre
Aufgabe und Funktionsweise der Schilddrüse
Die wichtigste Aufgabe der Schilddrüse besteht in der Produktion der Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Diese beiden Hormone spielen eine wesentliche Rolle beim Stoffwechsel, dem Wachstum und bei der Regulierung der Körpertemperatur. Sie steuern auch den Energieumsatz und die Herzfrequenz. Sie wirken in praktisch allen Zellen des Körpers und sind von entscheidender Bedeutung für die körperliche Entwicklung und Lebensfähigkeit sämtlicher Wirbeltiere. Den Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zufolge gibt die Schilddrüse die Hormone kontinuierlich in den Blutkreislauf ab. In Situationen, in denen der Stoffwechsel mehr Energie benötigt, wie bei Kälte, im Wachstum oder während der Schwangerschaft, werden entsprechend mehr Hormone produziert.
Die Hormone Trijodthyronin und Thyroxin
Um die Hormone Trijodthyronin und Thyroxin produzieren zu können, ist die Schilddrüse auf Jod angewiesen. Genaugenommen braucht der Körper Jodid, das gebundene Jod aus der Nahrung, das zum Beispiel über Jodsalz aufgenommen wird. Der Großteil dieser Hormonproduktion wird durch den sogenannten thyreotropen Regelkreis geregelt. Dieser ist sehr komplex und wird daher an dieser Stelle nur kurz skizziert. Beteiligt sind hierbei drei Organe: Der Hypothalamus, die Hypophyse und die Schilddrüse.
Der thyreotrope Regelkreis
1. Der Hypothalamus, ein kleiner, aber wichtiger Teil des Gehirns, bekommt über verschiedene Wege Informationen über den Hormonspiegel des Körpers. Bei einem niedrigen Thyroxin- oder Trijodthyroninspiegel scheidet er das Hormon TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon) aus. Dieses Hormon stimuliert die Hypophyse.
2. Die Hypophyse, auch Hirnanhangdrüse genannt, reagiert auf diesen Stimulus mit der Freisetzung eines anderen Hormons, des TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon). Dieses Hormon gelangt über das Blut zur Schilddrüse.
3. Das TSH regt in der Schilddrüse die Jodaufnahme, die Produktion der Zwischenprodukte Monoiodtyrosin (MIT) und Diiodtyrosin (DIT) sowie die Herstellung und Freisetzung der Hormone Trijodthyronin und Thyroxin an.
Vereinfacht gesagt wird das aufgenommene Jodid im Körper zu elementarem Jod oxidiert und an die Aminosäure Tyrosin gebunden. Daraus entstehen zwei Zwischenprodukte nämlich Monoiodtyrosin (MIT) und Diiodtyrosin (DIT), die sich wiederum aneinander binden: Zwei DIT-Moleküle verbinden sich zu Thyroxin, und ein MIT- und ein DIT-Molekül werden zu Trijodthyronin. Aus diesem Prozess entsteht zu 90 Prozent das Hormon Thyroxin und zu 10 Prozent das Hormon Trijodthyronin.
Während der Produktion der beiden Hormone, werden diese nicht direkt ins Blut abgegeben. Stattdessen werden MIT und DIT zunächst im Kolloid gespeichert, einer gelatinösen Substanz in der Schilddrüse, die hauptsächlich aus dem Glykoprotein Thyreoglobulin besteht. An diesem Protein können die beiden Zwischenprodukte über Monate hinweg gebunden bleiben. Aus diesem „Vorrat“ werden sie zu Thyroxin und Trijodthyronin kombiniert und kontinuierlich in den Blutkreislauf abgegeben.
4. Im letzten Schritt hemmt ein hoher Spiegel an Thyroxin und Trijodthyronin die Produktion der Hormone TRH und TSH.
Erkrankungen der Schilddrüse
Erkrankungen der Schilddrüse sind sehr häufig und können in jedem Lebensalter vorkommen. „Bei etwa jedem dritten Erwachsenen in Deutschland bildet sich im Laufe des Lebens mindestens eine krankhafte Schilddrüsenveränderung. Die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter“, berichtet das Deutsche Schilddrüsenzentrum. Hauptursachen seien demnach entweder hormonellen Fehlfunktionen oder Veränderungen in Größe und Beschaffenheit der Schilddrüse, dazu kämen noch Mischformen dieser beiden Störungen hinzu.
Die drei in Deutschland häufigsten Erkrankungen der Schilddrüse sind:

Die Struma oder Knotenstruma, auch Kropf genannt, ist dem Online-Magazin Helios zufolge eine krankhaften Vergrößerung der Schilddrüse, die durch Jodmangel oder Knotenbildung im Gewebe der Schilddrüse entstehen kann. Sie führt nicht zwangsläufig zu Krankheitssymptomen, es können aber Schluckbeschwerden, Atembeschwerden und Ähnliches auftreten. Es existiert jedoch eine Variante, die toxische Knoten ausbildet und zu einer Schilddrüsenüberfunktion führt.
Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine autoimmune chronische Entzündung der Schilddrüse. Sie bildet sich schleichend und führt im späten Stadium zu Symptomen wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Gewichtszunahme oder einer Schilddrüsenüberfunktion.
Der Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung, die zu einer Überproduktion von Thyroxin und Trijodthyronin führt. Zu den Symptomen gehören Herzrasen, Gewichtsverlust, Schlafstörungen oder auch das krankhafte Hervortreten der Augäpfel.
Daraus resultierende Funktionsstörungen
Besonders die letzten beiden Erkrankungen führen zu den beiden häufigsten Funktionsstörungen der Schilddrüse, der Hypothyreose (Unterfunktion) und der Hyperthyreose (Überfunktion).
Laut Aussagen der St. Elisabeth Gruppe liegt dann eine Schilddrüsenunterfunktion vor, wenn die Schilddrüse nicht ausreichend Thyroxin und Trijodthyronin produziert. Gründe dafür können die krankheitsbedingte Zerstörung des Drüsengewebes, Jodmangel oder Operationen und Radiojodtherapien sein. Ein Mangel dieser Hormone verlangsamt den gesamten Stoffwechsel des Körpers.
Anfangs können die Symptome unauffällig bleiben, in späteren Stadien können infolgedessen Kälteintoleranz, Müdigkeit, Gewichtszunahme, Haarausfall, Verstopfung und psychische Probleme auftreten. Wenn man die Schilddrüsenunterfunktion nicht behandle, könne das zum lebensbedrohlichen Myxödemkoma und zu Herzproblemen führen.
Die gute Nachricht ist, dass sich eine unheilbare Hypothyreose gut steuern lässt. Jedoch müssen Betroffene lebenslang das synthetisch hergestellte Levothyroxin zu sich nehmen, mit dem die Beschwerden in den meisten Fällen vollständig verschwinden.
Bei einer Schilddrüsenüberfunktion bildet die Schilddrüse zu viel Thyroxin und Trijodthyronin. Als Folge dessen laufen viele Stoffwechselprozesse im Körper krankhaft beschleunigt ab. Ursache dafür sind in den meisten Fällen die Morbus Basedow- Erkrankung und die sogenannte funktionelle Autonomie, eine Erkrankung, bei der das Gewebe der Schilddrüse eigenständig Hormone bildet, ohne Zutun der Hypophyse.
Körperliche Symptome sind unter anderem Herzrasen, erhöhter Blutdruck, Gewichtsabnahme, eine sichtbar vergrößerten Schilddrüse oder die typischen, hervortretenden Augen.
Psychisch zeigen sich Nervosität, Gereiztheit, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen oder depressive Verstimmungen.
Bei Frauen können Zyklusstörungen vorkommen, während bei Männern Erektionsprobleme und eine verminderte Libido auftreten können.
Unbehandelt kann eine Schilddrüsenüberfunktion zu schweren Schäden führen, wie Herzschwäche, Osteoporose oder Muskelschwund.
Zum Glück lässt sich auch die Schilddrüsenüberfunktion relativ gut behandeln. Durch Gabe von Thyreostatika lässt sich die Bildung von Schilddrüsenhormonen bremsen. Wenn das nicht ausreicht, hilft eine Radiojodtherapie, die allerdings oft zu einer anschließenden Unterfunktion der Schilddrüse führt, die therapiert werden muss. In extremen Fällen wie Krebserkrankungen kann als letzte Maßnahme die Schilddrüse operativ verkleinert oder auch vollständig entfernt werden.
Wie das Fachmagazin MedMedia berichtet, treten Funktionsstörungen der Schilddrüse bei Frauen zehnmal häufiger auf, als bei Männern. Ähnlich verhält es sich mit Schilddrüsenkrebs: „Ganz allgemein sind Erkrankungen der Schilddrüse sehr häufig – Schilddrüsenkrebs dagegen ist selten, wobei Frauen dreimal häufiger von einem Schilddrüsenkarzinom betroffen sind als Männer“, berichtet das Swiss Medical Network. Die Gründe für dieses Missverhältnis sind noch nicht gänzlich erforscht. Die ÄrzteZeitung nennt als mögliche Ursachen hierfür unter anderem genetische Faktoren, wie das doppelte X-Chromosom bei Frauen, sowie hormonelle Einflüsse.
Nebenwirkungen von L-Thyroxin
L-Thyroxin ist bei korrekter Dosierung in der Regel gut verträglich und weist, wie Netdoktor berichtet, nur selten Nebenwirkungen auf. Es kann jedoch manchmal herausfordernd sein, die passende Wirkstärke zu bestimmen. Gerade in dieser Zeit können negative Effekte auftreten. Diese stimmen oft mit den Anzeichen einer Schilddrüsenüberfunktion überein.
Laut der Apotheken Umschau treten bei über zehn Prozent der Anwender*innen Herzklopfen, Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen auf. Bei bis zu zehn Prozent von ihnen kommt es zu Herzrasen und Nervosität. Eine Erhöhung des Hirndrucks sei selten, kann jedoch vor allem bei Kindern auftreten.
Zudem können sich zahlreiche Beschwerden durch die Einnahme von L-Thyroxin ergeben, die denen einer Schilddrüsenüberfunktion ähneln. Beispielsweise: Störungen des Herzrhythmus, exzessives Schwitzen, innere Unruhe, Schwäche der Muskulatur, Beschwerden im Magen-Darm-Trakt und Zittern. Der Wirkstoff kann bei Frauen im Alter das Risiko erhöhen, an Osteoporose zu erkranken sowie eine Gewichtsabnahme bewirken.
Fazit:
Die Schilddrüse hat zwar eine geringe Größe, doch ihre Auswirkungen auf Körper und Psyche sind tiefgreifend. Sie wirkt sich maßgeblich auf das psychische Wohlbefinden und die seelische Stabilität des Menschen aus. Eine gesunde Schilddrüsenfunktion sorgt für eine ausgeglichene Stimmung, erhöht die kognitive Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität. Menschen mit langanhaltender Müdigkeit, Depressionssymptomen, Konzentrationsstörungen oder Angstzuständen, Reizbarkeit und Schlafproblemen wird deshalb eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen empfohlen.
Anlaufstellen für Betroffene in Frankfurt:





