Eine heiße Sache

Müllheizkraftwerk Nordweststadt/ Foto: Mainova
MHKW Nordwest/Mainova

In der Müllverbrennungsanlage in Frankfurt-Heddernheim entsteht aus Abfall neue Energie. Schon von weitem sichtbar ist der 110 Meter hohe Schorn­stein der Anlage. Das bunte Graffiti auf dem gemauerten Kamin stellt den feuerspeienden Drachen Fessie dar, der als Maskottchen der Frankfurter Entsorgungsgesellschaft FES gilt.

Aus der Verbrennungsenergie, die im Müllheizkraftwerk (MHKW) erzeugt wird, entsteht Strom und Fernwärme. Betreiber des Müllheizkraftwerkes ist die MHKW Müllheizkraftwerk Frankfurt am Main GmbH. Zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit findet alle zwei bis drei Jahre eine technische Überprüfung der Anlage statt. Während dieser Zeit steht das Müllheizkraftwerk still.

Das Prinzip Heizkraftwerk

In einem Heizkraftwerk werden Strom und Wärme parallel erzeugt – das ist effizient und umweltschonend. Dafür wird zunächst ein Energieträger, also ein Brennstoff, verbrannt. In einem Heizkessel wird anschließend Wasser in Dampf umgewandelt.

Über ein Rohrleitungssystem gelangt dieser mit hohem Druck auf die Schaufeln einer Turbine, die wiederum einen Generator antreibt. Der so entstehende Drehstrom wird dann ins Stromnetz eingespeist.

Um unsere Kunden mit Wärme zu versorgen, kann der Dampf auch aus der Turbine ausgekoppelt werden. Diese Technik nennt sich Kraft-Wärme-Kopplung.

Mainova

Geschichte der Abfallentsorgung

Bild von Manfred Richter auf Pixabay

Blickt man auf die Geschichte der Abfallentsorgung zurück, so wurde zunächst auf die Eigenverantwortung der Bürger*innen gesetzt. Die Idee einer städtischen Müllabfuhr, die für die Reinigung der Straßen und Plätze verantwortlich war, entstand Mitte des 19. Jahrhunderts. Um aus der Abfallverwertung möglichst auch gewinnbringende Erträge zu erzielen, bauten die Entsorgungsunternehmen auf den Verkauf der Abfälle als Düngemittel an landwirtschaftliche Betriebe, Reststoffe wurden auf dazu eingerichteten Kehrichtlagerplätzen am Stadtrand deponiert. Die so entstandenen Abfalldeponien erzeugten jedoch nicht nur Geruchsbelästigung, sondern beanspruchten auch wertvollen Grund und Boden. Der Bau einer Müllverbrennungsanlage sollte Abhilfe schaffen. Durch diese neueste Entwicklung konnte der Hausmüll als Brennstoff für die Energieerzeugung verwertet werden.

Müllverbrennungsanlage Niederrad und „Monte Scherbelino“

In Frankfurt ist 1909 nach dem Vorbild der ersten europäischen Müllverbrennungsanlagen in Hamburg und in England zunächst die Müllverbrennungsanlage Niederrad entstanden. Der städtische Hausmüll und Klärschlamm aus dem benachbarten Klärwerk Niederrad wurden hier verwertet. Aufgrund des sinkenden Heizwertes des Frankfurter Hausmülls wurde die Anlage 1920 wieder stillgelegt. Daraufhin landete der Müll auf der Abfalldeponie „Monte Scherbelino“ im Frankfurter Stadtwald nahe der Stadtgrenze zu Offenbach. Diese blieb bis 1968 in Betrieb.

AVA, HKW und MHKW

Frankfurt am Main-Heddernheim, Schornstein mit Graffito, Müllverbrennungsanlage / Heizkraftwerk Nordwest/ Quelle: Wikipedia
Foto: Frankfurt am Main-Heddernheim, Schornstein mit Graffito, Müllverbrennungsanlage / Heizkraftwerk Nordwest/ Quelle: Wikipedia

Am 16. August 1968 ging die Abfallverbrennungsanlage (AVA) in Heddernheim in Betrieb, um die Großsiedlung Nordweststadt mit Strom und Fernwärme zu versorgen. Der bei der Verbrennung des Hausmülls in der Anlage erzeugte Dampf wurde in das benachbarte Heizkraftwerk (HKW) geliefert. Mit dem Dampf wurde Strom und Fernwärme für Frankfurt-Nordweststadt erzeugt. Nicht nur ein Teil des Frankfurter Mülls sondern auch Abfälle aus dem Main-Taunus-Kreis und der Stadt Bad Homburg wurden in der Anlage entsorgt.
Nach diversen Umbauten und Modernisierungsmaßnahmen erfolgte am 1. Oktober 2006 der Zusammenschluss der beiden Anlagen der AVA und des HKW. Es entstand ein Müllheizkraftwerk auf neuestem technischen Stand, das MHKW Frankfurt am Main. Laut Angaben der Gesellschafter FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH und der Mainova AG gilt das Müllverbrennungswerk als eine der modernsten und umweltfreundlichsten Anlagen in der Bundesrepublik. Durch die Erweiterung des Netzes können fortan 30.000 Haushalte mit Fernwärme versorgt werden.

Adresse:
MHKW GmbH
Heddernheimer Landstraße 157
60439 Frankfurt am Main

Auf Anfrage werden Führungen durch das Müllverbrennungswerk angeboten. Eine Anmeldung ist zwingend erforderlich. Auch für Frankfurter Schulklassen ab der 9. Jahrgangsstufe gibt es spezielle Führungen.

Quellen: Wikipedia, MHKW Frankfurt, Mainova, Fessie Feuerspei (Drache der FES – Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH)