Kubb Spiel, Wikingerschach, Schwedenschach

Grafik: Skowronek

Falls man im Volkspark an einem sonnigen Tag Leute sieht, die mit Stäben auf Hölzer werfen, spielen diese höchstwahrscheinlich Kubb an der frischen Luft.

Kubb ist ein geselliges Rasenspiel und ein rundenbasierter Wurfsport, bei dem Holzklötze mit zu werfenden Holzstöcken umzustoßen sind, wobei sich zwei Mannschaften an den Stirnseiten eines großen Spielfeldes, dem so genannten „pintch”, gegenüberstehen. Kubb wird im deutschsprachigen Raum auch Wikingerschach, Wikingerspiel oder Schwedenschach genannt. Wahrscheinlich hat es einigen Spielern und Kubb-Fans gefallen, dem Spiel den Spitznamen „Wikinger Schach” zu geben, der dem ganzen einen Hauch von Wikinger-Zeitalter gibt. Es ist zu Beginn der 90er Jahre vor allem in nordskandinavischen Ländern wieder sehr belebt worden. Oft wird die Behauptung aufgestellt, Kubb soll in der einen oder anderen Form angeblich auf die Wikinger zurückgehen und sich als Wurfspiel auf der schwedischen Insel Gotland noch lebendig hielt, obwohl es dafür keine wissenschaftlichen Beweise gibt. Erst ab Beginn des 20. Jahrhunderts sind kubbähnliche Spiel in der Fachliteratur nachgewiesen. Seinen Ursprung hat das Spiel in Frankreich, aber wahrscheinlicher in Mesopotamien oder im Alten Ägypten. Ob tatsächlich die Wikinger die Ersten waren, die das erste Mal gespielt haben sollen, gehört wahrscheinlich der Sagenwelt an. Tatsächlich sind kubbähnliche Spiele historisch nachweisbar, jedoch erst ab dem 20. Jahrhundert, wie zum Beispiel: „Kägelkrig” (Kegelkrieg) , „Kyykkä” (finnisches Kegeln) und „bunnock”, die jedoch in der benachbarten Kulturlandschaft Kareliens und weiter entfernten Gebieten ihren Ursprung haben. Stöckchenspiel oder Bauernkegel sind weitere verschiedene Bezeichnungen für das Wurfspiel.

Die Popularität

Die erste schriftliche Erwähnung des Wortes Kubb wird auf das Jahr 1931 datiert. Zur Bekanntheit und Beliebtheit dieses Spieles in Deutschland trug Stefan Raab in seiner Spielshow „Schlag den Raab” bei, in der er live gegen eine Kandidatin Kubb spielte. In Schweden soll das Kubb Spiel wie erwähnt schon von den Wikingern gespielt worden sein. Auf der Ostsee-Insel Gotland spielte man seit dem Mittelalter mit „vedkubbar” (altschwedisch für Birkenholzklotz), woraus sich der heutige Name „kubb(ar)” ableitet. Es heißt im schwedischen Gotland-Dialekt nichts anderes als Holzklotz, Holzblock oder Holzquader. Die offiziellen Kubb-Weltmeisterschaften finden seit 1995 jährlich in Rone auf der schwedischen Insel Gotland statt, dabei gibt es keine Altersbeschränkung. Übrigens hat das Team aus Deutschland in den Jahren 2013 – 2016 jedes Mal die Weltmeisterschaft gewonnen. Zuletzt erhielt Deutschland den Weltmeistertitel im Jahr 2022. Seit 2011 findet in Berlin alljährlich die Kubb-EM statt. Das Spielfeld kann mit einem Schlachtfeld verglichen werden, wie beim Schachspielen. Es symbolisiert eine Schlacht, in der zwei verfeindete Gruppen für ihren König kämpfen. Wurfspiele sind immer Geschicklichkeitsspiele.

Das Kubb Spiel besteht aus

Eine Kubbspiel-Ausrüstung besteht aus 23 Holzteilen.

  • ein König mit einem Kronenmuster auf der Oberseite verziert (großer Kubb)
  • zehn Holzklötze, eckförmige Kubbs
  • sechs runde Wurfhölzer
  • sechs Pflöcken (Begrenzungsstäbchen, Feldmarkierungsstifte) zur Feldbegrenzung, vier zur Bezeichnung der Ecken des Spielfelds und zwei zur Markierung der Mittellinie, wobei die Markierung der Mittellinie oft fehlt, weil handelsübliche Kubbspiele kommerziell typischerweise mit 21 Objekten beliefert werden.

Kubbspiel-Gegenstände sind nicht für Kinder unter 36 Monaten geeignet.

Grafik: Skowronek

Spielvorbereitung

Vor jedem Spiel, oder sonstigen sportlichen Aktivitäten, gilt es stets mit einer kurzen allgemeinen Aufwärmung anzufangen, speziell beim Kubb-Spiel, um vor Muskelgewebe- und Handgelenkverletzungen zu schützen. Die Lockerung der Armmuskulatur und die Mobilisation der Schultergelenke ist mit folgenden Gymnastik-Übungen zu empfehlen: 1. Finger auf die Schultern legen und langsam die Ellbogen in Brusthöhe öffnen und schließen, 2. beide Arme gegengleich pendeln und 3. Schulterkreisen. Generell ist ein großer Vorteil von Kubb, dass die Spieleranzahl sehr variabel ist: von zwei bis maximal zwölf Spielteilnehmern, aufgeteilt in zwei Mannschaften (eins-sechs Spieler), ist alles möglich. Kubb eignet sich somit hervorragend für größere Gruppen von Spielern. Zwei Spielmannschaften A und B, zu je drei Spieler*innen, treten in dem klassischen Spiel gegeneinander an. Mit den vier Pflöcken wird ein Spielfeld von fünf x acht m oder acht x zehn m auf einer ebenen Fläche, also einem geraden Untergrund, gekennzeichnet (Die bevorzugte Spielfeldgröße beträgt fünf m x acht m). Gespielt wird auf einem Rasen, natürlich kann Wikingerschach auf verschiedenem Untergrund gespielt werden, wie beispielsweise auf weichem Sandboden. Man beachte, der Untergrund sollte nicht zu hart sein, da das Spielmaterial aus Holz sonst beschädigt wird. Die Spielfeldgröße von fünf x acht m ist kein Muss und ein Maßband benötigt man nicht, diese Größe kann je nach Fähigkeiten der Spieler*innen, oder wenn Kinder mitspielen, frei gewählt werden. Die kürzere Seite ist die sogenannte Basislinie. Jedes Team platziert ihre fünf Kubbs (in gleicher Distanz auf die beiden Grundlinien), wobei die beiden äußeren Kubbs mindestens eine Wurfstocklänge von den Begrenzungsstäbchen des Spielfeldes platziert werden müssen. Kubbs, die auf den Grundlinien stehen, werden Basis-Kubbs genannt. Der König wird im Zentrum des Spielfeldes aufgestellt. Dieser bildet parallel zu den Grundlinien die Mittellinie (Der König darf ruhig auch Königin genannt werden, wenn auf die Gendersensibilität beim Spielen Wert gelegt wird).

Spielziel

Nachdem alle gegnerischen Kubbs umgeworfen wurden, gewinnt die Mannschaft das Spiel, welche als Erste den (Wikinger-)König im Zentrum trifft und zu Fall bringt. Ziel des Spiels ist es mit den Wurfstöcken alle Kubbs (inkl. König) in der gegnerischen Hälfte umzuwerfen. Fällt ein Spieler versehentlich vorher den König, hat das gegnerische Team sofort gewonnen. Jedes Team kann aus bis zu sechs Spieler*innen bestehen. Die Spieldauer dauert maximal. 25 Minuten. Um die Spieldauer zu verkürzen verkleinert man das Spielfeld oder verringert die Anzahl der Basis-Kubbs. Die Spieldauer muss im Freizeitspiel nicht begrenzt werden.

Die Spielregeln:

Wer fängt an?

Das Team, das beim Schnick-Schnack-Schnuck (best of three) gewinnt, darf die Seite wählen, oder das Spiel beginnen. Man kann auch ermitteln welches Team beginnen darf, indem zwei Spieler stellvertretend für ihr Team zeitgleich einen Wurfstock von der Grundlinie aus in Richtung König werfen. Wer näher dran ist, dessen Team darf anfangen. Aber Achtung: der König darf berührt, aber nicht umgeworfen werden, sonst verschafft sich die gegnerische Mannschaft das Vorrecht das Spiel zu eröffnen.

Die erste Spielrunde?

Zu Beginn des Spiels teilt Team A die sechs Wurfhölzer untereinander auf. Die beiden Teams positionieren sich gegenüber voneinander, mit beiden Beinen innerhalb der Feldmarkierungen hinter ihrer jeweiligen eigenen Grundlinie stehend. Dasjenige Team, welches zuerst einwerfen darf, versucht nacheinander mit den sechs Wurfhölzern möglichst viele gegnerische Basis-Kubbs umzustoßen. Dabei gilt ein Kubb als umgeworfen, wenn seine Längsseite die Bodenfläche berührt. Beim Werfen gilt folgende Regel: der Kubb-Spieler steht beim Werfen hinter der eigenen Grundlinie beidbeinig innerhalb der Feldmarkierung stehend. Team A beginnt die Basis-Kubbs von Team B zu treffen und sie umzuwerfen, dabei dürfen die Wurfstöcke abwechselnd oder hintereinander geworfen werden.

Wie werden die Wurfstöcke korrekt geworfen?

Man darf die Wurfstöcke nicht wie beim Pfeilwurfspiel von oben anfassen und werfen. Es wird ausschließlich am Stabende angefasst und nur gerade von unten nach vorne geworfen. Die Wurfhölzer dürfen ausschließlich an einem Stockende gehalten werden und nicht in der Mitte des Stockes. Sogenannte Helikopter-und Schleuderwürfe und sonstige kreative Schleuderkünste sind nicht zulässig und werden sofort als ungültig erklärt. Der Wurfstock darf sich in der Luft drehen, aber nur vertikal, nicht horizontal und darf sich nicht mehrfach im Flug drehen, wie bei einem Hubschrauber, sonst ist der Wurf ebenfalls ungültig! Während des Spielablaufes ist unbedingt darauf zu achten, dass keine Spielteilnehmer*innen und Zuschauer*innen von den Wurfhölzern getroffen werden, egal ob versehentlich oder absichtlich. Es wird immer von unten geworfen, dass heißt konkret: der Wurfholzstab wird unter der Hand geworfen, wobei das Ende des Wurfholzes in die Wurfrichtung zeigt. Jede*r Spieler*in eines Teams muss in jeder Runde einen Wurf machen. Ein Mitglied jeder Mannschaft wirft das Wurfholz von der Grundlinie so nahe wie möglich an den König.

  • Jedes Team bekommt pro Durchgang sechs Wurfhölzer. Team A versucht von der Basislinie (Grundlinie) aus, die Basis-Kubbs der gegnerischen Mannschaft B zu treffen und umzuwerfen. Die Kubbs sollten möglichst nahe an die Mittellinie geworfen werden, da dadurch die Distanz zum Umwerfen kürzer ist.
  • Wenn alle Wurfhölzer geworfen sind, werden die umgeworfenen Kubbs von Team B über die Mittellinie in die gegnerische Spielhälfte geworfen und dort aufgestellt, wo sie landen (sog. Feld-Kubbs). Die Feld-Kubbs dürfen dabei in x-beliebiger Richtung aufgestellt werden. Wenn ein Kubb beim Hineinwerfen außerhalb der gegnerischen Spielfläche landet, muss er nochmals geworfen werden. Verfehlt man diesmal die gegnerische Spielhälfte, wird dieser Kubb zum Straf-Kubb, welchen der Gegner dort aufstellen darf, wo er will, jedoch nicht näher als eine Wurfholzlänge zum König und den Begrenzungsstäbchen. Berühren sich zwei Feld-Kubbs beim Hineinwerfen, dürfen diese zu einem Turm aufeinander gestellt ( Turmregel ) werden, dies erhöht die Wahrscheinlichkeit mit einem Wurf beide umzuwerfen.
  • Team B muss jetzt zunächst die hineingeworfenen Feldkubbs umwerfen, bevor sie auf die Kubbs an der Grundlinie von Team A werfen darf (diese sind die Basis-Kubbs). Sollte ein Kubb auf der Grundlinie umgeworfen werden, bevor die übrigen Kubbs umgeworfen sind, wird dieser Kubb wieder aufgestellt.
  • Gelingt es der Mannschaft B nicht alle Feldkubbs zu treffen, darf die gegnerische Mannschaft A zu einer imaginären Linie durch den vordersten Feldkubb vorgehen und von dort auf die Basiskubbs werfen. Wenn Mannschaft B in der nächsten Runde alle Feld-Kubbs umwirft, muss Mannschaft A zu der Grundlinie zurückgehen und wieder von dort werfen. Ein nützlicher Tipp: die Feld-Kubbs sollten alle auf eine Fläche zusammengeworfen werden, damit bei der nächsten Runde die Trefferquote höher liegt.
  • Mannschaft A muss nun alle getroffenen Feld-Kubbs und zusätzlich neu getroffenen Basis-Kubbs in die gegnerische Hälfte werfen und es geht weiter wie zuvor. Das Spiel wiederholt sich bis eine der Teams alle gegnerischen Kubbs umgeworfen hat. Mit den verbliebenen Wurfhölzern darf jetzt versucht werden den König zu treffen. Zu keinem Zeitpunkt vorher darf der König getroffen werden, sonst hat das Team verloren, welche ihn getroffen hat. Wird der König also zu Fall gebracht, ohne dass es sich um den letzten Wurf handelt, hat das werfende Team verloren. Sind alle Feld- und Basis-Kubbs abgeräumt, muss der König getroffen werden. Auf den König wird rückwärts durch die Beine geworfen um den König mit dem Rücken zum Spielfeld hin zu treffen. Um die Spannung und Schwierigkeit zu steigern, können Linkshänder ihre Würfe mit rechter Hand machen und die Rechtshänder mit linker Hand. Die Altersempfehlung beträgt 6-99 Jahre.

Alternatives Wikinger Schach für drinnen

Diese Spielvariante ist für nasskalte und schnelldunkle Jahreszeiten bestens geeignet und wird genauso wie Wikinger Schach für draußen gespielt. In kurzer Spielregelabfassung gilt wie folgt:

  • zehn leere Klopapierrollen oder zehn kleine Dosen
  • eine größere Papprolle oder Dose
  • sechs Socken

Zuerst müssen die Socken einzeln aufgerollt werden und zu Kugeln zusammengesteckt werden. Die Dosen oder Papprollen müssen nicht angekritzelt oder beklebt werden, man kann mit dem Spiel sofort loslegen. Die zehn kleinen Dosen stellen die “Bauern” und die große Dose stellt den “König”. Man braucht einen freien Platz in einem geräumigen Zimmer. Ein*e Spieler*in setzt sich auf die eine Zimmerseite und der*die andere Spieler*in auf die andere Zimmerseite. In die Mitte des Spielfeldes wird der König gestellt, und Jede*r stellt fünf Bauern in einer Linie vor sich auf. Nun muss der Spieler die Bauern des anderen Mitspielers abwerfen. Dafür hat jeder die sechs Socken. Wenn man einen Bauern (oder mehrere) getroffen hat, muss der*die Gegner*in die getroffenen Bauern zu dir in das Feld werfen und du darfst sie in deinem Feld aufstellen. Dann ist der*die Gegner*in mit den sechs Socken an der Reihe und muss erst diese Bauern erneut abwerfen. Wenn diese Bauern getroffen wurden, werden sie aus dem Spiel genommen. Wenn bei diesem Spielzug die Bauern auf der Linie getroffen werden, darf man sie wieder hinstellen. Erst wenn es im Feld keine Bauern gibt, darf man die auf der Linie abwerfen. Erst wenn alle Bauern abgeworfen sind, darf der König abgeworfen werden. Natürlich darf dieser nicht vorher umfallen, sonst ist das Spiel verloren.

Viel Spaß beim Wikingerschach !

Schlagwörter: