Stadtteil Sachsenhausen Teil 2 „Dribdebach“

„Dribdebach“ – Sachsenhausen. Die ganz traditionellen Frankfurter bezeichnen übrigens Dribdebach als das eigentliche Frankfurt und Hibdebach als die „falsche“ Seite.

 

 

„Es gibt „Hibdebach“ und „Dribdebach“. „Bach“= Fluß Main.

Hibdebach ist der Teil nördlich des Mains, wo auch heute noch die meisten Frankfurter wohnen. „Dribdebach“ ließe sich vielleicht mit „drüben, jenseits des Flusses“ übersetzen.  Die ganz traditionellen Frankfurter bezeichnen übrigens Dribdebach als das eigentliche Frankfurt und Hibdebach als die „falsche“ Seite. Das wird aber heute nicht mehr so ideologisch gesehen. Gearbeitet wurde auf der anderen Mainseite – gelebt, geliebt und gelacht wurde in Sachsenhausen. So ist es auch heute. Und: Die höchste Dichte von guten Apfelwein-Wirtschaften gibt es in Sachsenhausen, also in Dribdebach.

Ursprunglich wird Sachsenhausen erstmals 1193 erwähnt. Es ist sicher viel älter und gehörte von Anfang an zu Frankfurt. Die Einheimischen sind stolz auf die dortigen Zeugnisse von Geschichte und Kultur. Schon Goethe frequentierte das Viertel der mittelalterlichen Ritterhöfe – Große und Kleine Rittergasse, Paradies- und Klappergasse – und der dort ansässigen Weinbauern, Gärtner, Küfer und Schiffer.

Er sprach in den Schenken gern dem Apfelwein zu und verlustierte sich mit der Bankierstochter Marianne von Willemer im Sommerhaus ihres Gatten an der Gerbermühle oder im romantischen Willemerhäuschen auf dem vom Stadtwald bekrönten Sachsenhäuser Berg.

Westlich vom mittelalterlichen Sachsenhausen (es reichte seinerzeit nur bis zur heutigen Wallstraße) entstanden im späten 19. Jahrhundert elegante Villen am Fluss und dahinter ein ganzes Areal vornehmer Mehrfamilienhäuser. In einem von ihnen – an der Schweizer Straße 3 – logierte lange Zeit der expressionistische Maler und Zeichner Max Beckmann. Bereits 1915 ließ er sich in Sachsenhausen nieder. Ab 1925 bis zum seiner fristlosen Entlassung durch die Nationalsozialisten im April 1933 leitete er an der Kunstschule des nahen Städel-Museums das Meisteratelier. Zwei der berühmtesten Stadtansichten des Künstlers entstanden in diesen Jahren: „Die Synagoge“ und „Der Eiserne Steg“ – heute beide im Städel.

Walter-von-Cronberg-Platz

Das innenstädtische südliche Mainufer beginnt im Osten mit dem Deutschherrnufer. Hier begann Ende 1990er Jahre die Umgestaltung des Mainufers vom großflächigen Parkplatz zu einem attraktiven Erholungsraum. Es erhielt Italien-Flair und heißt seitdem „Das Florentinische Viertel“. Beeindruckend wirken die geometrischen Grundstrukturen: Ein großes Oval in Westen (Colosseo), daneben ein alles überblickender Rundturm (Main Plaza Hotel), ein zentrales trapezförmiges Wohngebäude, viele Rechtecke, quadratische Solitärbauten am Mainufer und ein mit einem Dreieck als Grundfläche errichteter Bürobau (Main-Triangel) im Osten. Mittendrin befindet sich der Walther-von-Cronberg-Platz (Walther von Cronberg war einer der führenden Männer des Deutschen Ordens, geboren 1479 in Kronberg im Taunus).

Die Ideen der Stadtplaner treten aus den Gebäuden und Straßen hervor, streifen durch die Arkaden und verschwinden mitten auf dem Platz in einer der Fontänen. Der Brunnen ist eines der interessantesten Wasserbauwerke in Frankfurt. Er besteht aus 94 computergesteuerten Düsen, die sich – integriert ins Pflaster – auf Straßenniveau befinden. Damit ist er begehbar, befahrbar und für Kinder ohne Gefahr zum Plantschen geeignet. Somit wurde mit relativ einfachen Mitteln eine südländische Atmosphäre geschaffen.

Deutschherrenhaus und -kirche

An Anfang der Brückenstraße befindet sich die Deutschordenskirche von 1309 und das Deutsche Haus, einst der Sitz der Kommende Sachsenhausen des Deutschen Ritterordens und ursprünglich ein Spital, das sich „Deutsches Haus St. Marien in Deutschland“ nannte. Hier wurde 1212 Friedrich II. zum König gewählt. Kaiser, Könige und hohe Herren waren Gäste. Auch mittellose Reisende und Pilger fanden Unterkunft, flüchtende Verbrecher suchten hier Asyl und fanden es meist auch. Im Mittelalter war der Deutsche Orden der reichste Grundeigentümer der Stadt. 1338 beim Reichstag im Deutschen Haus verfügte Kaiser Ludwig, dass Rechte und Titel des Kaisers bereits mit der Wahl zum Deutschen König – auch ohne eine Krönung durch den Papst – verliehen seien. Vielfältig waren im Lauf der Geschichte die Nutzungen des Deutschen Hauses: Es diente als Lazarett, Truppenunterkunft, Magazin, Kaserne und Unterkunft für die Malerkolonie. Heute ist im Deutschen Haus das Ikonen-Museum untergebracht.

Fachwerkhaus in Alt-Sachsenhausen

Alt-Sachsenhausen empfängt seine Besucher mit malerischen Fachwerkhäusern und engen Kopfsteinpflastergassen. Die erste urkundliche Erwähnung Sachsenhausens im Jahre 1193 bezieht sich auf die Deutschordens-Kommende an der Alten Brücke. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Deutschorden gab es Ritterhöfe, die ab 1194 nachgewiesen sind. Alt-Sachsenhausen umfasste vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg das Gebiet zwischen Schulstraße, Wallstraße, Neuem Wall und Wasserweg.

Das älteste Fachwerkhaus von 1291/92 (Schellgasse 8) war ursprünglich Magazin und später Wohnhaus. 1988 wurde es restauriert und ist seit 1992 Sitz der „Freunde Frankfurts“ –  eines Vereins zur Pflege der Frankfurter Tradition. Die Große Rittergasse und die Kleine Rittergasse erhielten ihren Namen wegen der früher dort zahlreich anzutreffenden Ritterhöfe. Sie wurden von Dienstmannen des Kaisers bewohnt.

Kuhhirtenturm

Am westlichen Ende der Großen Rittergasse befindet sich der 1490 erbaute Kuhhirtenturm – der letzte erhaltene von ehemals sieben Türmen der Sachsenhäuser Befestigung. In diesem Turm wohnte von 1923 bis 1938 der bekannte Frankfurter Komponist Paul Hindemith, der an der Frankfurter Oper als Konzertmeister wirkte und als bedeutender Vertreter der musikalischen Moderne gilt. Hier komponierte er auch seine Oper „Cardillac“ und den Zyklus „Das Marienleben“. Nach einer Teilzerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde der Turm wiederaufgebaut und mit der Jugendherberge „Haus der Jugend“ verbunden. Anhand von originalen Exponaten und Reproduktionen historischer Dokumente sowie ausführlichen Erläuterungen zeichnet eine Ausstellung im Kuhhirtenturm ein detailliertes Bild von Leben und Werk des Komponisten Paul Hindemith in dem mittelalterlichen Gebäude. Im Dachzimmer, in das Hindemith einst einen Flügel hieven ließ, veranstaltet das Hindemith-Institut Frankfurt regelmäßig Kammerkonzerte, durch die sich wie ein roter Faden das Werk dieser bedeutenden Künstlerpersönlichkeit des 20. Jahrhunderts zieht.

Fraa Rauscher

„Die Fraa Rauscher aus der Klappergass…“ Ein Faschingslied von dem Frankfurter Grafiker Kurt Eugen Strouhs und dem Redakteur und Schriftsteller Bert Häuser.

Frau Rauscher lebte in 19. Jahrhundert in der Klappergasse. Der Brunnen, der ihrer Person nachempfunden ist, ist aus Sachsenhausen nicht mehr wegzudenken. Der Wasserstrahl trifft nicht nur Touristen, auch Sachsenhäuser werden beim gedankenlosen Vorbeischlendern von Zeit zu Zeit „erwischt“ und „erfrischt“. Immer wieder ein netter Spaß. Fraa (süddeutsch für Frau) Rauscher ist eigentlich eine Anspielung auf den Namen des noch gärenden Apfelweins (hessisch: „Ebbelwoi“), der in dieser Form als „Rauscher“ bezeichnet wird. Rauscher entsteht durch die alkoholische Gärung, wenn nach dem Pressen der Saft der Äpfel den Prozess ausgehend vom „Süssen“ (Apfelsaft) durchschreitet und dann zum Apfelwein wird. Die Zeit zwischen Saft und Wein ist die Zeit des Rauschers. Vorsicht: bei zu viel Genuss vom Rauscher kann es zu Durchfall kommen (insbesondere in Verbindung mit „Zwiwwelkuche“ (hochdeutsch: Zwiebelkuchen). Das „Die Fraa Rauscher aus die Klappergass“-Lied handelt von einem übereifrigen Beamten in einer kuriosen Geschichte aus dem Jahr 1866. In dieser Gasse findet sich das älteste Steinhaus Sachsenhausens von 1464 – „Steinern Haus“ genannt. Eine Tafel an der Hauswand weist darauf hin.

Die Paradiesgasse ist seit dem 14. Jahrhundert bekannt. Sie erhielt ihren Namen nach dem Ritter Siegfried zum Paradies. Hier findet jedes Jahr anlässlich des Brunnenfestes der Gickelschmiss und die Verbrennung der Brunnenfestsymbole Babett und Balser statt.

Am Anfang der Darmstädter Landstraße stehen die beiden Affentorhäuser, die 1811 nach dem Abbruch der Stadtmauer an der Stelle des alten Affentores im klassizistischen Stil errichtet wurden. Die dreistöckigen quadratischen Wachhäuschen unter flachem Giebeldach sind streng antikisierend erbaut und architektonisch spiegelbildlich beiderseits der Stadtpassage angeordnet. Im EG weisen sie jeweils eine Vorhalle auf. Beide Bauteile waren früher durch einen Zaun und ein Tor verbunden. Mit der preußischen Annexion Frankfurts in Jahr 1866 sind die Zollanlagen endgültig überflüssig geworden.

Die Häuser wurden ursprünglich als Wachgebäude genutzt. Das Affentor war vor der Niederlegung der Wälle das wichtigste Eingangstor nach Frankfurt von Süden her. Heute befinden sich darin soziale Einrichtungen.

Die AusstellungsHalle Schulstraße 1A wurde im April 1999 eröffnet.

In Zusammenarbeit mit dem Verein „Kunst und Kultur e. V.“ – seit März 2001 Mitglied der Arbeitsgemeinschaft deutscher Kunstvereine (AdKV) – wird seitdem ein gemeinnütziges Kultur- und Bildungsprogramm realisiert. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf der Durchführung von Einzel- und Gruppenausstellungen von Künstler*innen, die in Frankfurt am Main leben und in den klassischen Disziplinen Malerei, Handzeichnung, Bildhauerei und künstlerischer Fotografie arbeiten. Das Programm wird ergänzt durch Lesungen, Theater, Musik- und Filmaufführungen, Diskussionsrunden, Tischgesellschaften und Perfomances. Die Räume stehen auch freien Kuratoren, Galerien, Vereinen und privaten bzw. städtischen Institutionen (z. B. für Architekturwettbewerbe) zur Verfügung. Als begleitendes Bildungs- und Vermittlungsprogramm werden Künstlergespräche und Führungen angeboten.

Zum gemalten Haus

Die Schweizer Straße ist eine Wohn- und Geschäftsstraße, die Einkaufsmeile und pulsierender Mittelpunkt von Sachsenhausen. Die Nr. 3 auf der östlichen Seite weist eine Gedenktafel auf, die an den Maler Max Beckmann erinnert, der hier vorübergehend wohnte und arbeitete. Der Schweizer Platz, von dem sieben Straßen abgehen – ein pulsierendes Herz des Stadtteils – wird gerne mit Plätzen in Paris verglichen. Weiter südlich begrenzen Gründerzeit-Häuser aus der Zeit um das Jahr 1900 eine mit Robinien bestandene Allee.

Zwei traditionelle Apfelweinwirtschaften – „Zum gemalten Haus“ (Nr. 67) und „Wagner“ (Nr.71) – sowie zahlreiche Bistros, Eisdielen und Restaurants bieten an blank geputzten Holztischen die Möglichkeit zum Genuss Sachsenhäuser Spezialitäten und des erfrischenden „Ebbelwois“ an.

Der Diesterwegplatz vor dem Südbahnhof ist ein städtebauliches Juwel. Die gesamte Platzanlage ist ein sehenswertes Ensemble. Neben dem imposanten Bahnhofgebäude von 1913 beeindruckt besonders das repräsentative Gebäude der Post an der Ecke Hedderichstraße/Diesterwegstraße. Der Südbahnhof ist heute ein Bürgerhaus mit vielen Veranstaltungen und ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt. Im November 1938 wurden vom Südbahnhof aus über 2500 jüdische Bürger deportiert. Auf dem Platz vor dem Südbahnhof findet jeden Freitag ein beliebter Wochenmarkt statt.

Sachsenhäuser Berg

Sachsenhäuser Warte

Auf dem Sachsenhäuser Berg wurde in den Jahren 1470/71 die Sachsenhäuser Warte gebaut. Ein Wachturm, der damals vor Angriffen warnen sollte und heute als uriges Lokal mit charaktervollem Innenhof dient. Nicht durch Zufall wurde eben jener Ort für den Turm gewählt – es handelt sich dort oben um den höchsten Punkt aller nach Süden führenden Straßen. Doch nicht nur die schöne Aussicht oder den Apfelweingenuss hat der Berg zu bieten. Exklusive Villen am Lerchesberg beheimaten Frankfurter Lokalprominenz und die Binding-Brauerei sorgt ebenfalls für den unverwechselbaren Charme. Zwar ist der Henninger-Turm eines der sichtbarsten Wahrzeichen Sachsenhausens, aber die Binding-Brauerei ist nach wie vor ein großer Image-Träger des Stadtteils. Auch sie war es, die 1873 andere Brauereien aufforderte, die Bierpreise zu senken. Und nicht zuletzt kann man darauf verweisen, dass viele große Biersorten dank ihres Expansionsstrebens nun zu Frankfurt gehören: Jever, Radeberger, Schöfferhofer – ihre Liste ist lang.

Henninger Turm

Einst war der Henninger-Turm ein leuchtendes Symbol für die Henninger-Brauerei. Der Turm, der 1961 eingeweiht wurde und bis 1974 das höchste Gebäude der Stadt war, speicherte als Silo rund 14.275 Tonnen Gerste und Malz. Seit 2002 ist der Turm für Besucher geschlossen und – Gott sei’s gedankt – er wurde nicht abgerissen. Er ist nicht nur Wahrzeichen Sachsenhausens und bildet ganz alleine die Skyline des südlichen Teils der Stadt. Er ist auch ein Wahrzeichen ganz Frankfurts. Im oberen Bereich befand sich früher ein Drehrestaurant. Innerhalb von 30 Minuten drehte sich der Kopf des Turmes einmal um die eigene Achse. Man konnte auf diese Weise die Schönheit Frankfurts in ihrer Gänze bewundern. Leider bietet sich nun diese Möglichkeit nicht mehr. Bedauerlich ist auch, dass das Radrennen „Rund um den Henninger-Turm“ seit 2008 unter einem anderen Namen („Eschborn–Frankfurt“) geführt wird.

Stadtwald

Sachsenhausens Brüder vom Deutschen Orden bekamen den Wald 1221 vom staufischen Kaiser Friedrich II. geschenkt. Der Wald fungierte früher als königliches Jagdrevier und war wegen des heilenden Wassers des Königsbrünnchens bekannt. Vier Quellen sprudeln aus dem Erdreich und münden in den Luderbach. Neun Weiher, 25 Schutzhütten, 1600 Ruhebänke und sieben Spielplätze bietet der Frankfurter Stadtwald auf einer Länge von 16 km und einer Breite von 3 km. Sein Baumbestand umfasst hauptsächlich Kiefern, Buchen und Eichen, deren Früchte bereits im Mittelalter der Schweinemast dienten, woran Gemarkungsnamen Oberschweinstiege und Unterschweinstiege hindeuten.

Jakobiweiher

 Jacobiweiher (Oberschweinstiegschneise) ist eine schöne Miniaturausgabe des schweizerischen Vierwaldstättersees im Frankfurter Stadtwald. Er wurde 1932 vom städtischen Forstamt unter der Leitung von Bernhard Jacobi durch Stauen eines kleinen Bachs angelegt und ist seitdem eines der beliebtesten Naherholungsziele im Frankfurter Süden. Seine Form mit vielen Verzweigungen erinnert an das große Original in den Alpen. Ein Rundgang um den See lohnt sich – an jeder Biegung öffnet sich ein neuer Ausblick. Trauerweiden, hohe Buchen, Inseln, eine Holzbrücke: Idylle pur. Der Jacobieweiher ist auch hervorragend als Radfahrerziel geeignet. Zu empfehlen ist die Route gegen den Uhrzeigersinn, dann landet man am Ende bei der Gaststätte Oberschweinstiege. 1889 erhielt der Förster eine Schankgenehmigung. Der Biergarten unter den großen Baumkronen ist herrlich und ein Getränk an frischer Luft absolut empfehlenswert.

Goethe Turm

Am Nordrand des Stadtwalds erhebt sich der 2020 neu errichtete hölzerne Goetheturm über den Stadtteil Sachsenhausen. Ein jüdischer Kaufmann und Mäzen war der einzige Sponsor des ursprünglich 1931 erbauten Turms, eines beliebten Ausflugsziels der Frankfurter. Nach einem Brandanschlag 2017 brannte er vollständig nieder. Mit seinem Wiederaufbau wurde Anfang November 2019 begonnen.

Ende Juli 2020 stand der neue Turm, der im folgenden Jahr für das Publikum eröffnet wurde. 196 Stufen führen hinauf zu einer Aussichtsplattform in 43,3 m Höhe. Der neue Goetheturm unterscheidet sich optisch von seinem Vorgänger nur durch die hellere Farbe. Auch der Neubau besteht größtenteils aus Holz (Edelkastanie aus Südfrankreich und Nordspanien sowie Eiche aus dem Schwarzwald) und wurde von Holzbau Amann errichtet. An einigen Schnittstellen wurden Stahlelemente eingebaut, die den Turm widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit machen und die Instandhaltung erleichtern sollen. Bis zur Jahrtausendwende galt der Riese im Stadtwald als höchstes begehbares Holzbauwerk.

Bis zu seiner Zerstörung waren der Goetheturm und sein nahes Umfeld ein beliebtes Ausflugsziel insbesondere für Familien. Er war von Anfang April bis Ende Oktober tagsüber geöffnet. Am Fuße des Goetheturms liegt der drei Hektar große „Spielpark Goetheturm“ mit einer Riesenrutsche und einem Planschbecken. 2006 wurde im Waldspielpark ein Irrgarten mit Grüngürtel-Tieren angelegt. Außerdem befindet sich dort ein Gartenlokal. Der Frankfurter Dichterfürst soll bei Spaziergängen an dieser Stelle gerastet haben.

Mitten im Stadtwald liegt das am 21.05.1925 eröffnete Waldstadion. Im Juni 2002 wurde mit einem Umbau für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 begonnen. Seit 01.07.2020 ist die Deutsche Bank neuer Namenssponsor.

StadtWaldHaus (Kuhpfadschneise).

StadtWaldHaus

Um einen Eichenstamm herum gebaut ist das StadtWaldHaus mit Lehrpfaden, Tiergehege und Volieren. Durch ein Bullauge kann vom Hausinneren aus der Lauf der Jahreszeiten in einem Teich beobachtet werden. Ein künstlicher Bach verläuft durch die Ausstellungsräume. Dargestellt wird das Tierreich im Wald, vom Buntspecht über den Dachs bis zu einem 227-Kilo-Keiler. Dem Wuchs der Bäume, ihrem Wurzelwerk und seiner Funktion im Sauerstoff-Kohlendioxid-Kreislauf wird besonders viel Wert beigemessen. Mit Mikroskopen können Kleinlebewesen im Wasser beobachtet werden. Das StadtWaldHaus versteht sich als ein forst-ökologisches Informationszentrum. Das Haus selbst wurde nach ökologischen Gesichtspunkten erbaut. Die Fasanerie bietet interessante Vogel-Volieren mit Fasanen, Mäusebussarden, Turmfalken und Uhus. An mehreren Stellen des Stadtwaldes trifft man auf skurrile Skulpturen nach Entwürfen des Frankfurter Zeichners und Autors F.K. Waechter: etwa eine Eule im Norwegerpullover, Monstereicheln oder einen „Pinkelbaum“.

Der Flughafen – ein Verkehrsknotenpunkt auf Sachsenhäuser Gemarkung

Flughafen Frankfurt am Main

Das Herzstück der Anlage ist das Terminal 1 (seit 1972) für Abflug und Ankunft internationaler und nationaler Flüge. Konstruktiv stellt sich das Terminal als eine Stahlbetonkonstruktion mit stützenlos überspannter Schalterhalle dar. Die Fassade ist als hängende Verglasung mit Aluminium-Hochprofilen konzipiert. Das Luftpostgebäude der amerikanischen Luftwaffe ist noch heute Umschlagstelle von Kurier- und Feldpost (seit 1967). Die Flugzeugwartungshalle (Hangar 5) kann sechs Großraumflugzeuge oder vierzehn Jets auf einmal aufnehmen (seit 1970). Das Lufthansa Cargo Center (LCC 1982), die größte Gepäckförderanlage der Welt (seit 1984), das Frankfurter Airport Center (FAC, seit 1988) und verschiedene Parkhäuser künden von der Prosperität des Flughafens.

Die zweite „Herzkammer“ – das Terminal 2 – wurde am 24.10.1994 eröffnet. Es ist mit dem Terminal 1 (Terminal Mitte) durch eine automatisierte Hochbahn – die „Sky Line“-  verbunden, die alle 90 Sekunden fährt. Zur Infrastruktur dieser stadtähnlichen Anlage gehören ein Krankenhaus, religiöse Einrichtungen, ein Bahnhof und ein Hotel, mehrere Supermärkte, Restaurants und andere Dienstleister. Am Terminal 3 werden illegal eingeführte Tiere in einem Tierheim untergebracht.

Frankfurt ist der Heimathafen der Lufthansa, die den größten Verkehrsanteil der Flugbewegungen hält. Jede zweite Maschine trägt den Kranich am Leitwerk.

Goethe und Sachsenhausen

Willemer-Häuschen

Goethe ist aus Sachsenhausen nicht wegzudenken. Der Goetheturm war eine regelrechte Muse für einen der größten Söhne Frankfurts. Er spazierte zu diesem Turm und von oben schaute er auf die Stadt herab und holte sich Inspiration. Unweit vom Goetheturm entfernt, findet sich das Willemer Häuschen. Vom klassizistischen Willemer-Häuschen (Hühnerweg 74), dem achteckigen, turmartigen Gartenhaus des gleichnamigen Bankiers auf dem Mühlberg, bewunderte Goethe 1814 mit Jacob Willemer und dessen junger Frau Marianne die Freudenfeuer anlässlich des Jahrestags der Völkerschlacht von Leipzig. Wie er später selbst sagte, hatte er von dort einen schönen Blick auf die ganze Stadt. Auch die Goetheruh erinnert an den Dichter und Denker von Frankfurter Geschlecht.

Die Textorstraße ist eine der Straßen in Sachsenhausen, die auf keinen Fall wegzudenken sind. Vielleicht ist es daher auch kein Zufall, dass sie den Namen des Frankfurter Geschlechts trägt, aus welchem Goethes Mutter, die gute Frau Aja, stammt.

In der Gerbermühle (heute Restaurant) – dem Sommersitz der Willemers – feierte Goethe seinen 66. Geburtstag. Marianne Willemer verewigte er im Buch „Suleika“ seines Spätwerks „West-östlicher Divan“.

Denkmal für das jüdische Kinderhaus in der Hans-Thoma-Straße 

Dreidel

Ein Dreidel ist ein Kreisel mit vier Seiten, der in einem Spiel von europäisch-jüdischen Kindern während des achttägigen Lichterfestes Chanukka gedreht wurde. Zumeist wurde um Süßigkeiten gespielt. Die Spieler drehten ihn reihum und die nach oben ausgerichtete Seite zeigte den Gewinn an. Ein Dreidel diente als Vorlage für ein Denkmal für ein jüdisches Kinderhaus im Stadtteil Sachsenhausen.

Durch seine Größe und lebendige Materialität wird der Dreidel im Stadtraum zum magischen Objekt. Und wer sich durch die haptische Qualität eingeladen fühlt, neugierig wie ein Kind ihn näher zu erkunden, wird entdecken, dass jemand mit bloßem Finger Namen in seine Oberseite eingeritzt hat.

Seit dem siebzigsten Jahrestag der Deportation der letzten Kindergruppe am 15. September 1942 gab es alljährlich eine Gedenkfeier auf dem kleinen Platz gegenüber dem Haus Hans-Thoma-Straße 24, der jetzt „Platz der vergessenen Kinder“ heißt. Initiiert wurde sie 2012 von Mitgliedern der Maria-Magdalena- und der Dreikönigsgemeinde. Pfarrer Volker Mahnkopp hatte schon damals begonnen, sich mit der Geschichte des jüdischen Kinderhauses zu befassen, das 1919 vom Verein der weiblichen Fürsorge israelitischer Frauen zur Förderung gemeinnütziger Bestrebungen gegründet wurde. Zunächst wurden jüdische Waisenkinder oder Kinder aus bedürftigen Familien vom Säuglingsalter bis zum sechsten Lebensjahr aufgenommen. Während der Nazizeit erweiterte man die Aufnahmekriterien auch für Kinder bis 14 Jahre.

Am 26. April erfüllte sich nun der Wunschtraum der Initiative und auf dem Platz wurde ein Denkmal für das Kinderhaus eingeweiht. „Das Denkmal wurde (…) gemeinsam mit der Stadt geplant und umgesetzt. Gestaltet hat es die in Schweden geborene Künstlerin Filippa Petterson. Sie hat die Skulptur eines Dreidels gewählt. Mit dem Dreidel, meist einem hölzernen Kreisel, spielten die Kinder beim jüdischen Lichterfest Chanukka. Wir gedenken damit der vielen Kinder und derer, die sich um ihr Wohl sorgten, und die von den Nationalsozialisten in die Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert und dort ermordet wurden. Wir zeigen auch, dass in unserer modernen Stadt kein Platz für Antisemitismus ist,“ sagte Feldmann, der auch der Schirmherr der Aktion ist.

„Dieses Kunstwerk und der neu gestaltete Platz schaffen einen Ort der Erinnerung. Der Dreidel mag symbolisch nicht nur für den kostbaren Schatz der Kindheit stehen. Zusammen mit dem Platz erinnert er auch an ein Haus, in dem viele Kinder wie auf einer Insel im braunen Meer lebten und wo versucht wurde, ihnen trotz schwierigster Umstände ein liebevolles Zuhause zu bieten,“ stellte Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig fest. Auch Marc Grünbaum, der Kulturdezernent der Jüdischen Gemeinde, und Ortsvorsteher Christian Becker erinnerten an die Geschichte des Hauses und bekräftigen die Aussage, dass sich die Geschichte nicht wiederholen dürfe.

Zum Abschluss der Feierstunde trugen Schüler der benachbarten Schiller- und Carl-Schurz-Schule die Namen der deportierten Kinder vor.

Text: yal

Fotos: yal, dov

Oktober 2021

 

 

 

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