Nied, ein Stadtteil von den Kelten bis zu Nidda

Nied

Die erste römische Siedlung in Nied geht auf die Chattenkriege des Kaisers Domitian zurück. Bereits 83 n. Chr. erreichte das kleine Fischer- und Bauerndorf einen beschiedenen Wohlstand, indem es eine Militärziegelei der Chatten unterhielt und Öllampen für sich und die Römer herstellte. Mit dem Fall des Limes um 230 n. Chr. verliert sich zunächst die Spur des Dorfes und wird erst 1218 wieder urkundlich erwähnt.

Um 3000 v. Chr. gab es entlang der Flüsse Main und Nidda jungsteinzeitliche Siedlungen, darunter auch Nied, wo einst die Kelten lebten. Der Name Nied stammt aus der keltischen Sprache und verdankt seinen Ursprung dem Fluss Nidda, der im Vogelsberg entspringt und durch Frankfurt, bevor er in Nied und Höchst in den Main mündet.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Nied mehrfach zerstört, unter anderem durch die Truppen des Herzogs Christian von Braunschweig. Im Juni 1622 fand hier die Schlacht von Höchst statt, in der die Katholische Liga unter Johann T’Serclaes von Tilly und Gonzalo Fernández de Córdoba auf die Protestantische Union traf (die Straßennamen Tillystraße und Schwedenpfad erinnern daran).

Der Stadtteil Nied ist wie einige andere Stadtteile seit dem 1. April 1928 der 37. Stadtteil von Frankfurt am Main – westlich von Frankfurt gelegen – mit 19.973 Einwohnern und einer Gesamtfläche von 3,708 km². Durch die beiden westlich angrenzenden Flüsse Nidda und Main bildet Nied als solches ein Mündungsdreieck zwischen den beiden Flüssen. Im Westen wird Nied durch die Höchster Bolongarostraße (direkt am JobCenter Höchst) begrenzt, im Norden schmiegt sich Nied an Sossenheim, im Osten an Griesheim (Lachener Graben) und südlich des Mains an Schwanheim. Der Stadtteil gliedert sich in die Stadtteile Nied-Nord und Nied-Süd.

Die katholische Kirche „Nied Kirche“ ist einer der zentralen Punkte in diesem Stadtteil, die Kirche liegt  direkt an der Mainzer Landstraße und gegenüber befinden sich der Rewe, die Shisha-Bar „Imperial Bar Lounge“, die Eiscafé Riviera, das Ali Ka Kebab Haus und ein Friseursalon. Die Straßenbahn Linie 11 Richtung „Fechenheim – Zuckschwerdtstraße“ und Linie 21 Richtung „Stadion – Nied Kirche“ fahren durch Nied über Mainzer Landstraße in Richtung Frankfurter Bahnhof und über die Zuckschwerdtstraße. Buslinie 51 Richtung „Industriepark Höchst Tor Ost – Niederrad Triftstraße“ und Buslinie 54 Richtung „Sindlingen Friedhof – Griesheim Bahnhof“ fahren über Mainzer Landstraße und Nieder Kirchweg über Nied Kirche. Die Buslinie 59 in Richtung „Unterliederbach Cheruskerweg – Griesheim Erzbergerstraße“ fährt über die Oeserstraße über den Bahnhof Nied in Richtung Höchst. Von dort erreichen sie die S-Bahn-Linie S1 in Richtung „Wiesbaden – Rödermark-Ober-Roden“ und die S-Bahn-Linie S2 in Richtung „Niedernhausen – Dietzenbach“ sowohl in den Stadtteil Höchst als auch in die Frankfurter Innenstadt.

Nied
Das Alte Rathaus Nied

Im ehemaligen Rathaus von Nied, das in barocker Tradition erbaut wurde, befand sich seit einiger Zeit eine Polizeistation. Für Menschen in Not ist der Verein Christen helfen Christen e.V. im Nieder-Kirchweg 7, unter der Telefonnummer: 069 – 38 01 30 90 erreichbar, dort stehen qualifizierte Personen den Bürger*in zur Seite, unabhängig von der Herkunft, Religion und politischen Überzeugung.

Der Heimat- und Geschichtsverein Nied e.V. in der Breunestraße 9a, in 65934 Nied beweist dies durch viele Ziegelfunde im Boden im gesamten damaligen Gebiet und entspricht der Gründungsidee des Ehepaares Henry und Emma Budge. Mehr als 200 Exponate sind hier zu sehen. Dazu gehören historische und alltägliche Gegenstände aus vergangenen Zeiten, die von vielen Bürgern der Region gesammelt wurden. Der Verein Bietet Führungen an und können nach Absprache unter der Telefonnummer: 069 – 39 45 39 sonntags von 14:00 bis 17:00 Uhr durchgeführt werden. Verschiedene Veranstaltungen können unter der Telefonnummer: 069 – 39 87 89 erfragt und im Voraus gebucht werden.

In der Mainzer Landstraße an der Haltestelle Birminghamstraße der Linien 11 und 21 ist das UFO des Jugendzentrums in Nied kein unbekanntes Objekt mehr. Im Gegenteil: Wer von Griesheim aus mit der Straßenbahn in den Stadtteil fährt, für den ist der eigenwillige Anbau fast schon ein Wahrzeichen. Und so arbeiten Jugendliche, Sozialarbeiter und Architekten an einem Modell für ein eingeschossiges Haus, das den UFO-förmigen Anbau integriert und dessen runde Form mit einem geschwungenen Dach aufgreift.

Von der Gesamtfläche Nieds von 381,7 Hektar sind allein 52,5 Hektar Wald. Dieser ist sowohl durch natürliches Wachstum als auch durch Aufforstung von brachliegendem Ackerland entstanden. An der Oeserstraße in Richtung Rebstock und Griesheim liegt die Niddaschule und die Eisenbahnersiedlung, in der sich auch der Lidl befindet.

Ein Teil der historischen Antsanvia-Handelsroute führt durch den Wald. Durch die beiden Flüsse Nidda und Main verfügt Nied über 27,3 Hektar Wasserflächen. Nidda-Altarme verstärken die Landschaftsstruktur im nördlichen Teil, der südliche Teil wird durch das ehemalige Wasserwerk Griesheim geprägt, und im nördlichen Teil fließt auch ein künstlich angelegter Bach durch den Wald. Eine Exkursion mit Einkehr am Selzer-Brunnen im Nieder Wald kann zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkundet werden, das Wasser ist zwar trinkbar, hat aber einen sehr hohen Gehalt an Schwefelwasserstoff.  Bereits im 16. Jahrhundert wird dieser Brunnen in der balneologischen Literatur gepriesen. Vor allem die Bärlauch Blüte ist für den Niederwald über die Grenzen hinaus bekannt.

Eine große Artenvielfalt weist auch der Grill’schen Altarmsee auf, mit 29.000 m² Wasserfläche einer der größten Altarme der Nidda. Verschiedene Libellenarten, der Eisvogel, Teichfrösche und Erdkröten, um nur einige Arten zu nennen, viele heimische Arten sind dort beheimatet. Selbst während der Laichzeit der einheimischen Erdkröte werden für die wandernden Amphibien Wanderzäune errichtet, um sie vor dem Autoverkehr zu schützen.

Als kulturhistorische, älteste betriebene deutsche Eisenbahnbrücke über die Nidda, die 1889 aus Sandstein erbaut wurde, ist noch voll funktionsfähig. Der Fluss ist auch bei Anglern sehr beliebt, da die Wanderwege der Fische flussaufwärts und flussabwärts gewährleistet sind, auch durch die felsigen Stromschnellen oberhalb der Nidda, die erst vor kurzem durch Umbau und Verbreiterung geschaffen wurden. Das alte Wehr musste dafür weichen.

Fotos: rus
Text: rus

Januar 2022