Griesheim: Faszination Bunker

GriesheimDer große Hochbunker im Stadtteil Griesheim ist mit seinen Dachwohnungen von außen betrachtet bereits ein Anblick der besonderen Art. Dabei ist auch das Innere des historischen Gebäudes aus dem Zweiten Weltkrieg einen genaueren Blick wert.

Ein Bunker ist monumental, kalt, mythisch und fasziniert die Öffentlichkeit zugleich. Umso mehr noch, wenn schicke Wohnungen auf dem Dach eines dieser Kriegsrelikte thronen. So gesehen beim Hochbunker am Griesheimer Bahnhof. Noch vor 80 Jahren bot dieser Hingucker mit seinen 2,50 Meter dicken Wänden Schutz für etwa 1.200 Menschen vor zahlreichen Luftangriffen. Wie die Frankfurter Neuen Presse (FNP) berichtet, hatten viele Griesheimer diesem massiven Gebäude im Bombenhagel mehrfach die Rettung ihres Lebens zu verdanken. Bei jedem Alarm stürmte der ganze Stadtteil durch die vier Eingänge des Bunkers um dann stundenlang auf kargen Holzbänken ausharren zu müssen. Da die elektrische Notbeleuchtung oftmals ausfiel, wurde der Bunker im Inneren nur von wenigen Petroleumlampen beleuchtet. Eine weit verbreitete Angstpsychose konnte die Folge sein. Am Eingang des Griesheimer Bunkers findet sich deshalb die Mahnung: „Hier ist Ruhe und Selbstbeherrschung die erste Pflicht.“

Lagerraum statt Schutzanlage

Nach dem Krieg wurde der Bunker als Depot umfunktioniert. So landeten Exponate des Historischen Museums sowie Teile der Sammlung der Deutschen Nationalbibliothek in den ehemaligen Schutzräumen. Später dann diente der Betonklotz Am Brennhaus 20 als Lagerraum für Private. In den 70er Jahren wurde die Luftschutzanlage erneut aufgerüstet. Damals, in der Hochphase des Kalten Krieges, fürchtete die Bundesregierung einen atomaren Angriff der Sowjetunion. Ende der Achtziger investierte der Bund mit neuen Elektroleitungen letztmalig in die Modernisierung des Griesheimer Bauwerks. „Selbst viele Anwohner bekamen nichts von dem Ein- und Ausgehen der Handwerker mit“, weiß die FNP weiterhin zu berichten.

Wohnungen auf dem Dach

Als dann der Bunker 2008 unter dem Hammer kam, erhielt das Heidelberger Architekten-Büro Kuhlmann bei der Versteigerung den Zuschlag. Wie die hessenschau berichtet, stellte sich nach dem Kauf leider schnell heraus, dass ein Gesamtumbau zu aufwendig sei. So entschied man sich, ganz einfach oben zu bauen. 2014 war das Resultat bezugsfertig: Acht zweigeschossige Penthouse-Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von rund 860 Quadratmetern in 14 Meter Höhe. Erlebnisraum-Frankfurt.de berichtete in seinem Griesheimer Stadtteil-Porträt bereits darüber.

Graffiti an der Bunkerwand

Heute führen außen am Bunker entlang ein Fahrstuhl und eine frei schwebende Treppe hinauf zu den Luxuswohnungen. Wer läuft, kommt an den zahlreichen Malereien auf der Bunkerwand vorbei. Mit besonderer Vorliebe und Fokus auf Streetart und Graffiti finden Colour-on-the-Wall-Liebhaber hier ein umfangreiches Repertoire an Wandwerken. Beispiele davon sind auf der Website Vagabundler.com zu bestaunen.

Innenansichten per Video

Hinab zum Bunker war der Zugang der Öffentlichkeit noch bis vor vier Jahren verwehrt. Da im April 2020 der Innenausbau des Monuments begann und damit die kurze Möglichkeit von Innenbesichtigungen wieder endete, konnte der Griesheimer Stadtteil-Guide Sascha Mahl mit Unterstützung der Frankfurter Stadtevents die Highlights der Führung im Format eines Videos dauerhaft konservieren. Während dieser kostenlosen Internet-Führung hören und sehen Interessierte, was die Frankfurter während der Luftangriffe erlitten und erlebten und wie das Überleben im Hochbunker, der als Kirche getarnt war, organisiert wurde. Dauer des Videos: Rund 30 Minuten.

Tipp noch am Rande: Als die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) im Jahr 2005 gegründet wurde, hatte sie rund 400 Hochbunker im Besitz. Heute sind es nur noch knapp 80 Betonklötze, und einige davon finden sich, nachdem sie nicht mehr zum Katastrophenschutz gehören, als Verkaufsangebot in der Broschüre „Kulturgenuss im Bunker“ aus diesem Jahr (PDF-Download 3,14 MB) (DE)

Wann:
Video-on-Demand (Video auf Abruf):

Kontakt:
Frankfurter Stadtevents
Ludwigstraße 33–37
60327 Frankfurt am Main
Tel: 069 / 974 603 27
E-Mail: info@frankfurter-stadtevents.de

Sascha Mahl
Am Brennhaus 15
65933 Frankfurt am Main
Tel: 0151 / 649 673 08
E-Mail: mahl@frankfurt-griesheim.de

Anmeldung:
Erforderlich