Frankfurts kulinarische Oase

Eine kleine kulinarische Oase, eingeengt zwischen zahlreichen Wolkenkratzern mitten in der Finanzmetropole Frankfurt: Das ist die Frankfurter Kleinmarkthalle, ein Ort an dem das Exotische zum Normalen wird.

Auf den ersten Blick ist die Frankfurter Kleinmarkthalle ein unscheinbar wirkender Zweckbau, zwar zentral gelegen, doch präsentiert sie sich dem Betrachtenden trotz ihres beachtlichen Umfangs merkwürdig zurückhaltend. Es wirkt schon fast so, als wolle sie sich zwischen all den Wolkenkratzern und anderen Gebäuden verstecken. Hier verbirgt sich, eingeengt zwischen zahlreichen Wolkenkratzern, eine kleine kulinarische Oase mitten in der Finanzmetropole Frankfurt. Ein Ort an dem das Exotische zum Normalen wird. Hier treffen Touristen aus aller Welt auf Alteingessene und Feinschmecker*innen auf Liebhaber*innen von deftiger Hausmannskost. Es soll Menschen geben, die um die halbe Welt reisen, nur um am Imbissstand von Ilse Schreiber heiße Fleischwurst zu essen. Zur Entstehungsgeschichte:

Die Geschichte der Frankfurter Kleinmarkthalle reicht bis ins Jahr 1871 zurück. In diesem Jahr beschloss der Magistrat der Stadt den Bau einer modernen Halle, die den damaligen Hygieneanforderungen gerecht werden sollte. Denn bis zu diesem Zeitpunkt war es üblich, dass die Bauern, Bäuerinnen und Händler*innen ihre Ware auf Marktplätzen im Stadtgebiet verkauften. Doch eine funktionierende Abwasserkanalisation gab es noch nicht, der Spatenstich hierzu erfolgte erst 1867, und es sollte noch Jahrzehnte dauern bis die Stadt über ein flächenmäßiges Abwassersystem verfügte. Die damals herrschenden katastrophalen hygienischen Verhältnisse machten aus vielerlei Sicht den Bau einer städtischen Markthalle unabdingbar. Der Bau selbst ging dann allerdings relativ schnell vonstatten. Zwischen 1877 und 1879 entstand zwischen der Fahrgasse und der Hasengasse eine moderne Halle auf neuestem technischen Stand. Nach zwei Jahren Bauzeit war es dann 1879 soweit: Frankfurt hatte endlich einen überdachten Ort, an dem Händler*innen unabhängig vom Wetter ihre Waren unter einem Dach anbieten konnten.

Historisches:

Ihren Namen verdankt die Halle wohl einer anderen Markthalle, welche erst knapp ein halbes Jahrhundert später öffnete – der Großmarkthalle. Bis zu deren Eröffnung kauften nämlich nicht nur die Frankfurter Bürgerinnen und Bürger ihre Waren dort, sondern auch der Großhandel. Weil letzterer naturgemäß in ungleich größeren Mengen einkauft als Endverbraucher, war die „alte“ Halle für den Großhandel zu klein geworden. Eine neue Halle musste her. Und so entstanden schon bald Pläne für den Bau einer neuen, größeren Halle, die dem Zweck entsprechend dann den Namen Großmarkthalle erhielt. In großen Teilen der Stadtbevölkerung hatte die alte Halle dann auch schnell den Namen weg, den sie noch heute trägt: Kleinmarkthalle. Nach einem größeren Umbau 1929 und ihrer nahezu vollständigen Zerstörung durch einen schweren Bombenangriff auf Frankfurt im März 1944 wurde zwischen der Hasengasse und Liebfrauenberg eine neue Halle gebaut und 1954 eröffnet. Diesen Standort besitzt die Halle auch heute noch. Heute ist die Kleinmarkthalle ein Sammelsurium von Angeboten an Lebensmitteln aus vielen verschiedenen Ländern. Wer danach sucht findet hier neben Fleisch, Gemüse, Kräutern und Obst auch einheimische Spezialitäten wie grüne Soße. Und wen der Hunger allzu arg packt, hat gleich vor Ort die Gelegenheit an einem der zahlreichen Imbissstände den Hunger zu stillen. Und selbst hier reicht das Spektrum von exotischen Speisen bis hin zu deftiger Hausmannskost. Es ist nicht zuletzt die Mischung von Verkaufsständen und Imbissständen, welche das besondere Flair dieser Halle ausmacht. Eine Übersicht über das Angebot hier:

Foto: Madison Inouye von pexels.com

Umbaupläne um die Jahrtausendwende

Mit den Jahren blieb es nicht aus, dass der Zahn der Zeit auch an der Bausubstanz der Kleinmarkthalle nagt. Bereits Ende der 90er Jahre wurde bekannt, dass die Halle dringend einer grundlegenden Sanierung bedarf. Als im Jahr 2005 der damalige Planungsdezernent Edwin Schwarz das denkmalgeschützte Gebäude abreißen und durch einen Neubau ersetzen lassen wollte, hagelte es von vielen Seiten Kritik. Vor allem in der Öffentlichkeit fand er mit diesem Vorhaben wenig Befürworter. Unstrittig blieb lediglich breitgefächert der Tenor, dass es mit der Halle so nicht weitergehen könne. Drei Jahre später, 2008, wurde für Umbau und Sanierung der Halle ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Es gab zwar einen Siegerentwurf, dieser wurde jedoch aufgrund von Finanzierungsproblemen und der baulichen Umsetzung rasch wieder verworfen. Umgesetzt wurden lediglich Verbesserungen beim Brandschutz sowie an den sanitären Anlagen. Dass darüber hinaus noch einiges mehr getan werden müsste, darüber besteht bei den Händler*innen und Verantwortlichen der Stadt gleichermaßen breiter Konsens. Von weiterreichenden Plänen wollen einige der Standbetreiber*innen aber schon nichts mehr hören.

Diversität statt Massenware

Foto: monicore von pexels.com

Der Beliebtheit bei den Frankfurter*innen wie auch Tourist*innen steht das alles kaum im Wege. Die Vielfalt des Angebotes und das pulsierende Treiben faszinieren die Besucher*innen auch heute noch. Täglich schlängeln sich die Menschen durch die engen Gänge und lassen sich durch die ganzen herumschwirrenden Düfte inspirieren. Die Konkurrenz durch die großen Supermärkte brauchen die Händler*innen aus vielen verschiedenen Ländern kaum zu fürchten: Ihr Warensortiment hebt sich hinsichtlich der Vielfalt spürbar vom Angebot der großen Ketten ab. Dennoch bleibt abzuwarten, wie sich die Halle in Zukunft entwickelt. Denn außer dem technischen Zustand der Halle macht einigen Betreibern noch ein anderer Umstand sorgen. Eine Entwicklung, die vielen Händlern überhaupt nicht gefällt und geradezu sauer aufstößt: Der Platz vor der Halle unweit des Liebfrauenberges hat sich seit der Einführung des samstäglichen Schlemmermarktes in den letzten Jahren immer mehr zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt. Ins Leben gerufen wurde er im Jahre 2006 um die freie Fläche vor der Halle zu beleben. Das Konzept ging auf, jedenfalls wenn die Belebung des Platzes die einzige Absicht der Initiator*innen gewesen sein sollte. Denn die Umsetzung hat mit der Zeit auch immer mehr ihre Schattenseiten deutlich aufgezeigt. Bei schönem Sommerwetter drängen sich viele Menschen auf wenig Raum und machen ein passieren des Platzes für Passant*innen nahezu unmöglich. Inwieweit der ansässige Weinhandel zu diesem Umstand beiträgt, mag jeder für sich selbst entscheiden. So wie sich auch die Betreiber der Halle, die HFM, und die Standbetreiber überlegen müssen, wie sie sich die Zukunft der Kleinmarkthalle vorstellen. 

Adresse:

Interessengemeinschaft Kleinmarkthalle e.V.

Hasengasse 5-7
60311 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten:
Montags bis Freitag von 08:00-18:00 Uhr
Samstags von 08:00-16:00 Uhr
Sonn- und Feiertag geschlossen