Teaser BILD0173Am 13. Januar 2017, traf sich die Stadtteil- und Kulturarbeit Gruppe der GFFB, zu einem Besuch beim Hessischen Rundfunk. Es gab spannende Einblicke und Hintergründe über das ganze Areal.

 

 

Im Foyer des Hauptgebäudes wurden wir von einer jungen Mitarbeiterin, Jenny, begrüßt, die uns gleich einen Abriss der Geschichte des HR als auch einen Überblick über die Gebäude im Dornbusch gab. Wir waren erstaunt zu hören, dass der älteste Gebäudeteil ursprünglich als Kunstakademie geplant war, im 2 Weltkrieg aber als Musterungsanstalt genutzt wurde. Viele von uns wussten, daß Frankfurt die Hauptstadt der neuen Bundesrepublik nach dem 2. Weltkrieg werden sollte, aber kaum einem war bewußt, dass der damalige Bürgermeister, Walter Kolb, noch vor der endgültigen Abstimmung schon mal ein Gebäude für den zukünftigen Bundestag bauen ließ, weil er völlig überzeugt war, Frankfurt würde die neue Hauptstadt werden, mit ihrer zentralen geographischen Lage und all der demokratischen Tradition in der Stadt (die Tradition der Paulskirche etc.). Aber der Rheinländer Adenauer wurde der erste Bundeskanzler und setze sich durch: der Parlamentarische Rat stimmte mit 29 zu 33 Stimmen gegen Frankfurt und Bonn wurde die „vorläufige“ Hauptstadt der jungen Demokratie. Der „Frankfurter Bundestag“ wurde in Folge Teil des Hessischen Rundfunks. Dort standen später die ersten Studios des HR. Erst später wurde der HR-Sendesaal gebaut, wo heute alle großen Konzerte aufgeführt werden. Gegründet wurde der HR im Dezember 1923 durch fünf private Gesellschafter in Frankfurt am Main als „Südwestdeutsche Rundfunkdienst AG (SÜWRAG) mit 100 Billi­onen (mit „B“) Reichsmark. Die erste Sendung kam aus dem Postscheckamt in der Frankfurter Innenstadt am 01. April 1924. Im Januar 1949 wurde der HR von den Ameri­kanern wieder in deutsche Hände gegeben und im September wurde die erste Hörfunk­folge der Familie Hesselbach ausgestrahlt. Im Juni 1950 gründet der HR mit den anderen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten (Nordwestdeutscher Rundfunk (NWDR), Südwest­funk (SWF), Bayerischer Rundfunk (BR), Süddeutscher Rundfunk (SDR), und Radio Bre­men (RB)) die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkan­stalten Deutsch­lands, die ARD. Jenny führte uns dann zum historisch ersten Sendesaal auf dem heutigen Gelände, das oben genannte, als Bundestag geplante Gebäude. Zwei leicht geschwungene Reihen golden schimmernder Säulen erwarten den staunenden Besucher in einen lichtdurchfluteten Vorraum zum Saal. Dieser Teil des HR ist denkmal­geschützt und die Architektur wirkt bis heute: die Besucher werden erfasst von dem Ehrfrucht einflößenden aber auch den Geist erhebenden Gefühl des damaligen Versuchs eines Neustarts der deutschen Gesellschaft nach einer furchtbaren Diktatur. Hier sollte nach dem Wunsch vieler Deutscher die junge Demokratie ihren öffentlichen Kristallisations­punkt haben, einen Ort, der einen Neuanfang der Deutschen in der Weltgemeinschaft möglich machen sollte. Die Geschichte nahm eine andere Wendung, der lange Eugen in Bonn wurde bis zur Wiedervereinigung der Sitz der Bundesversammlung und später Bundestag. Der Spiegel nahm sich damals der lang haltenden Korruptionsvorwürfe an.

 

BILD0185Danach führte uns Jenny in einen erstaun­lichen Raum: das „virtuelle Studio“ in dem seit einigen Monaten die Hessenschau produziert wird. Der Raum ist leer bis auf einen Tisch (und die Moderator/en). Alles andere wird auf eine grüne Wand per Computer projiziert. Es hinterließ uns mit einem seltsamen Gefühl wie sehr das Virtuelle die Wirklichkeit allmählich sich einverleibt. Ist das Virtuelle noch das Mittel oder schon die Sache selbst? Im Anschluss ging es in die Fernsehstudios. Dort wurde uns erklärt mit welchen Tricks und Möglichkeiten hinter den Kulissen von Unterhaltungs-sendungen wie Hessenquiz, Comedy Tower oder Dings vom Dach gearbeitet wird. Ein Geheimnis können wir verraten: Das Kochstudio hat keine Wasserleitung, das Wasser kommt aus einem Eimer, der vor der Show gefüllt wird.

 

BILD0182Besonders beeindruckend waren die hun­derte (!) von Gerätschaften wie Schein­werfer, Mikrophone und andere tech­nischen Geräte, die an langen schwarzen Stangen von der rund sieben Meter hohen Decke hängen. Wenn man den Blick nach oben richtet, fühlt man sich für einen kurzen Moment wie auf einem Schiff der Borg (Star-Trek).

 

 

BILD0199Abschließend  kam es noch zu einem echten Highlight: Wir wurden in die Rund­funkabteilung geführt und konnten bei einer Livesendung des HR3 mit Daniel Boschmann dabei sein. Er lud ins in sein Studio ein und erklärte während die Musik lief das Sendungskonzept und die vielen Knöpfe und Monitore, die ihn umgeben. Alles digital! Selbst die Musikauswahl wird ihm vorgegeben nach strengen (psycho­logischen) Kriterien der Medien-kontrolleure. Er gibt dem ganzen einen menschlichen Touch durch (An-)Moderierung der Beiträge, kurze Zuhörerinteraktionen, oder wie an diesem Tag, Live-Schalten: während unseres Besuchs mit den hessischen Straßen­meistereien, da an diesem Tag in Nordhessen ordentlich Schnee gefallen war; ansonsten hat der Moderator beim HR einem recht straffen Ablauf zu folgen. Letztlich haben uns zwei unserer Redakteure am Gelände des HR entlang geführt und einige weitere Ge­bäude im Dornbusch erläutert, die von der öffentlichen Straße aus zugänglich sind.

 

HRHaupteingang2Zunächst haben wir uns die beiden gestift­eten Skulpturen angesehen, die am Haupteingang gesetzt wurden. Eine Stahl­installation von Rudolf Valenta, die Große Herula (2000), die mit den Grundfarben rot gelb und blau sowie ein resultierendes grau in vier ineinander verschränkten Stahlkörpern (vermutlich) auf die aktuelle Gefahr der Vergrauung durch die Medien hinweisen soll. Auf der anderen Seite des Eingangs steht seit kurzem der Hessische Löwe (Wappentier Hessens), der zum 70 jährigen Bestehen des HR aufgestellt wurde. Anschließend liefen wir im Schneegestöber zu der zum Kicken einladenden Bertramswiese, und dem Bertramshof, der früher ein Bauernhof und ab 1888 eine recht bekannte Frankfurter Molkerei war. Heute sitzt dort unter anderem die DEGETO und der Kindergarten des HR. Danach ging es zum erstaun­lichen Haus der Chöre, das Probenraum für Chöre und Orchester ist. Ehrfürchtig und mit heiligem Schauer haben wir es von „außen“ betrachtet. Nach Auskunft der eigenen Website macht dieses Gebäude metaphysische Erfahrungen möglich. Zwei unserer Redakteure waren so beeindruckt, daß spontan beschlossen wurde, eine Besichtigung zu vereinbaren und darüber zu schreiben. Am Ende haben wir uns noch einmal den ver­unglückten Bundestagsbau von der Bertramstraße aus angesehen und die gegen­überliegende Albertkirche bestaunt, die heute die katholisch-koreanische Gemeinde beherbergt und 1938 gebaut wurde. Staunenswert ist die Architektur des Gotteshauses: der Einfluss des Nationalsozialismus auf die katholische Kirche lässt sich hier direkt ablesen.

 

Text: Pet & ktm

Fotos: Pet

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