BILD0397Gründonnerstag 2017, der letzte Donnerstag vor Ostern. Es ist 10° Grad kalt, bewölkt mit einzelnen Auflockerungen. Das ideale Wetter für 10 Blumen- und pflanzenbegeisterte Zeitgenossen um das Gemüt ein wenig aufzuhellen: Frühling im Palmengarten!

 

 

Unter der Führung der zwei Botanik-Experten Edwin Petrat und Roland Faul betreten wir durch den Haupteingang des Palmengartens in der Siesmayerstraße die Eingangshalle.
In der Halle, in der sich ein plätschernder Brunnen und mehrere Überseepflanzen befinden, bekommen wir von Herr Faul einen Flyer über den Palmengarten überreicht. Eine kleine Abhandlung über die Historie des Gartens bekamen wir ebenfalls zu hören.
So erfahren wir zum Beispiel, dass die Gründung des Palmengartens 1871 auf eine Privatinitiative Frankfurter Bürger zurückzuführen ist.
1868 wurde ein privater Verein gegründet, der die zum Kauf angebotenen subtropischen Pflanzen aus dem Besitz des Herzogs von Nassau übernehmen wollte.
Für den Kauf beauftragte man den Gartenexperten Heinrich Siesmayer, der das 22 Hektar große Gelände schließlich 1871 eröffnen konnte.
Nach diesem interessanten Auftakt begaben wir uns in die obere Etage des Gebäudes. Fleischfressende Pflanzen und Bromelien befinden sich hier in vier sogenannten Vitrinen (verglaste, nach oben offene Gewächshäuser). Wie uns Herr Petrat erläuterte, ist jede Vitrine für spezifische Pflanzenarten vorgesehen: fleischfressende Pflanzen finden sich in Vitrine 1, Gräser und Moose in Vitrine 2, Kakteen in Vitrine 3 und gemischte Pflanzen in Vitrine 4. Zwei Kulturräume zur Aufzucht von Pflanzen begrenzen auf der linken und rechten Seite das Stockwerk.
Vorbei an blühenden Tulpenbeeten geht es weiter zum Tropocarium.


BILD0431Trockene- und feuchte Tropen sind hier in zwei Gewächshäusergruppen aufgeteilt, so können verschiedene klimatisierte Temperaturzonen mit unterschiedlichem Pflanzen- und Baumbewuchs durchwandert werden.Vorbei an einem angelegten Weiher und einer Weltkugel in der Eingangshalle starten wir unsere Expedition im Halbwüstenraum. Meterhohe Palmen, Kakteen und Farne aus Südamerika und Afrika säumen unseren Weg. Naturgeschützte Pflanzen, wie zum Beispiel die echte Aloe, werden uns von Herrn Petrat fachkundig vorgestellt. Und dann, da ist sie: „Das ist eine meiner Lieblingspflanzen!“, ruft Petrat, und deutet auf einen Elefantenfuß. Diese Pflanze, auch Flaschenbaum genannt, gehört zur Gattung der Spargelgewächse und wird bis zu 180 Zentimeter groß. Sie verdankt ihren Namen ihrem Stamm, der im noch jungen Zustand an eine bauchige Flasche erinnert. Wir begegnen auch einem Köcherbaum, deren Äste, so erklärt uns Herr Petrat, „von Indios zur Herstellung von Pfeilen benutzt werden“.

Ein paar Meter entfernt erreichen wir auch das Lieblingsgewächs von Herr Faul. „Vor uns sehen wir den Schwiegermuttersitz!“, erörtert er und deutet auf eine Pflanze, deren Aussehen tatsächlich an ein überdimensioniertes, ovales Sofakissen erinnert. Allerdings an ein mit spitzen Stacheln gespicktes Sofakissen. Die zur Familie der Kakteengewächse gehörende Pflanze soll also besonders beliebte Damen zum Verweilen einladen.


Aber jetzt, Schwiegermütter beiseite, geht es erstmal in die nächste Klimazone.
Durch eine Glastür betreten wir die „Savannen- und Trockenwälder“.
„Die hier vorhandenen Bäume und Pflanzen kommen vor allem in Australien und Afrika vor“, erklärt Herr Petrat, vor einem imposanten Kalebassenbaum stehend. „Die Früchte dieses Baumes, der zur Familie der Trompetenbaumgewächse gehört, können im trockenen Zustand als Trinkgefäße genutzt werden. So erklärt sich der deutsche Name der Pflanze“, weiß Herr Petrat.
Vorbei an einer Faßpalme aus Madagaskar kommen wir zu einer ganz besonderen Baum-Spezies: dem Sandbüchsenbaum.
Herr Faul erklärt die Eigenart der Pflanze: „Wenn die Fruchtsamen dieses Baumes ausgereift sind, explodieren sie mit einem lauten Knall und können bis zu 40 Meter weit katapultiert werden. Die ca. 20cm großen Samen mit ihrem ätzenden Milchsaft sind für Mensch und Tier giftig und können als Pfeilgift eingesetzt werden.
Die hölzernen Früchte des Baumes werden aufgrund ihres delfinförmigen Aussehens gerne zur Schmuckerzeugung genutzt“.
Nicht nur in Saft und Kraft stehende Pflanzen sind hier zu sehen, sondern auch fossiles Holz und abgestorbene Kakteen. Sie geben dem Gewächshaus den Anschein eines Biotops.
„Abgestorbenes Kakteenholz ist außerdem eine Bereicherung für jedes Terrarium!“, empfiehlt Herr Petrat, selbst stolzer Besitzer eines solchen.
Bevor wir diese Klimazone verlassen, statten wir noch dem Leberwurstbaum einen Besuch ab.
Der Name des Baumes ist zurückzuführen auf die Form seiner Frucht, die an Leberwürste erinnert, für den Menschen aber schlecht verdaulich ist.
Der Stamm des Baumes allerdings, so erfahren wir von unserem Botanik-Experten, wird von Einheimischen zum Bau von Einbaum-Booten eingesetzt.
Als letzte Station in diesem Gewächshauskomplex gelangen wir zu den Dornwäldern.
Ihre Verbreitung finden die Wälder vor allem in Ost-West Madagaskar und in den Trockengebieten Afrikas. Hier sehen wir auch die echte Aloe wieder, die als Grasbaumgewächs unter diesen klimatischen Bedingungen prima gedeiht.
Auch die Ananas fühlt sich in diesen Gefilden heimisch und gelangt zur imposanten Größe.
Auf eine Kuriosität besonderer Art macht uns Herr Faul noch aufmerksam: „Hier stehen wir vor der Bismarck-Palme. Die Palme ist in ganz Madagaskar heimisch und wurde 1878 zu Ehren des damaligen Reichskanzlers Otto von Bismarck auf diesen Namen getauft“, erläutert er.

Bevor wir unser nächstes Ziel anvisieren erstmal raus ins heimische Aprilwetter,
dass seinem Namen alle Ehre macht: dichte Bewölkung folgt auf Sonnenschein, Kälte auf Wärme.
Unser kleiner Spaziergang führt uns zum Palmenhaus, vorbei am angelegten Rosengarten und dem Haus Rosenbrunn, einem neoklassizistischen Gebäude. Besonders mutige können sich in diesem romantisch anmutenden Bauwerk für den Bund des Lebens trauen lassen.
Am Palmenhaus angekommen, kommt uns zuerst ein betörender Duft entgegen: In der Galerie Palmenhaus findet eine farbenprächtige Azaleen-Ausstellung statt. BILD0409Begleitet wird die vorrübergehende Ausstellung von Bildern der Künstlerin Renalisa Bergman. Ihre Sumi – e genannte japanische Tuschekunst ziert die Wände der Galerie mit vorwiegend floralen Motiven.
Durch eine Glastür gelangen wir ins angrenzende Palmenhaus, eine Glas-Stahlkonstruktion, die zwischen 1867 und 1871 fertiggestellt wurde. Wie das Tropicarium ist das Palmenhaus ebenfalls in mehrere Klimazonen aufgeteilt.
Betritt man das Hauptgebäude mit seinen riesigen Palmen und Farngewächsen, erreichen wir über einen mit Steinplatten ausgelegten Teich eine konstruierte Grotte.
In der Grotte, die auch als Durchgang dient, befinden sich Aquarien mit Fischen aus verschiedenen Regionen Afrikas, des Amazonas, Mittel und Südamerikas und Asiens.
Vorbei an einem Seerosenteich geht es in die Mangroven und Küstenwälder. Und dann die Überraschung: „Puh, ist das schwül hier!“, oder „Das erinnert mich an meinen letzten Florida Urlaub!“, solche und ähnliche Kommentare hörte man aus unserer Gruppe.
Wen wunderts, in diesem subtropischen Klimabereich herrscht eine Luftfeuchtigkeit von ca. 93 Prozent.
Begünstigt wird die Schwüle noch von mehreren kleinen Tümpeln, die tropischen Gewächsen wie Farnen und Palmen, wie z.B. der Kokospalme, die ideale Bedingungen bieten.
Eine kleine „Abkühlung“ erwartet uns dann in den Bergregen- und Nebelwäldern, in der sich neben Pflanzen auch Tiere wohlfühlen. So tummeln sich in einem Teich Goldfische und in einer Voliere vergnügen sich Berglori, eine Papageien-Unterart.BILD0429
Die zur Familie der Papageien gehörenden Vögel, auch Honigpapageien genannt, finden ihre Verbreitung u.a. in Australien, Indonesien und Neuguinea.
Über die Tiefland Regenwälder mit Kakao-Baum- und Gewürzbestand (Karda- mon/Muskat) erreichen wir mit den Passat- und Monsunwäldern die letzte Etappe unserer Palmengarten-Exkursion.
Mit einem letzten Blick auf Zimtbaum und mexikanischem Blattpfeffer verlassen wir die angenehmen Klimazonen.
Draußen angelangt empfängt uns wieder der Frankfurter Frühling: 10° Grad kalt, bewölkt mit einzelnen Auflockerungen.


Text: sey

Fotos: pet

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