0aaInsel2Die geschichtsträchtigen Parkanlagen entlang der Nidda laden mit ihrem vielfältigen Baumbestand dazu ein, auf den Spuren von Goethe und Brentano spazieren zu gehen.  

 

 

00aaKarteParksTextDie Straße „Auf der Insel“ trennt den nördlich davon gelegenen Brentanopark vom Solmspark im Süden. Die beiden historischen Parkanlagen stehen heute unter Denkmalschutz. Sie sind mit den Buslinien 34 und 72 gut zu erreichen, welche die nahe gelegenen Haltestellen „Alt-Rödelheim“ im Norden und „Parkweg“ im Süden anfahren.


Im Brentanopark


Der 1770 angelegte Garten des preußischen Hofrats Brass wurde Anfang des 19. Jahrhunderts von der Kaufmannsfamilie Brentano erworben. Sie erweiterten die Fläche und gestalteten sie zum idyllischen Landschaftspark um. Übrig geblieben aus dieser Zeit ist noch ein kleines klassizistisches Gartenhaus, das sogenannte „Goethe- tempelchen“.


0aaPetrihaus2Beim Niddawehr befindet sich gegenüber auf der anderen Flussseite das Petrihaus. Der Kaufmann Georg von Brentano kaufte das 1716 erbaute Haus 1819 von dem Bäckermeister Petri und baute es, kombi- niert mit klassizistischen Elementen, zu einem romantischen Häuschen im Schwei- zer Stil um. Die Dichterin der deutschen Romantik Bettina von Arnim war eine Nichte Georg von Brentanos. Die Freundin von Goethes Mutter schwärmte für den Meisterdichter Goethe. Im Petrihaus versammelte sie gerne ihre Freunde, Künstler und andere Literaten um sich.


In dem 2002 vollständig renovierten Gebäude befinden sich heute im Erdgeschoss Veranstaltungsräume und im ersten Stock ein Brentano-Museum. Von Februar bis November können jeweils am letzten Sonntag des Monats die ehemaligen Wohn- und Arbeitsräume Georg von Brentanos besichtigt werden.Neben dem historischen Gebäude steht ein etwa 260 Jahre alter Gingko-Baum. Dieser sogenannte „Goethe-Ginko“ soll den Meisterdichter dazu angeregt haben, das Gedicht „Gingko Biloba“ aus dem "Westöstlichen Diwan" verfasst zu haben.

 

0aaSynagogeAm Eingang des Brentanoparks, am Ende des kleinen Inselgässchens befand sich die in der Reichsprogromnacht 1938 zerstörte Rödelheimer Synagoge. Bereits in den 70er Jahren sorgte eine Initiative von Frankfurter Bürgern und Kirchengemein- den dafür, dass an der Stelle, an der die Synagoge stand, ein Denkmal aufgebaut wurde, welches an das Schicksal der Rödelheimer Juden erinnerte. Die Skulptur aus rotem Sandstein wurde vom dem Künstler Christof Krause geschaffen und zeigt eine Gruppe nackter Menschen, die sich dicht aneinander drängen. Sie stellt Juden im Vernichtungslager auf dem Weg zu den Gaskammern dar. Im November 2015 wurde an dieser Stelle die Gedenkstelle Synagoge Rödelheim eingeweiht. Die Grundfläche der Synagoge wurde durch Pflasterung sichtbar gemacht. Dunkle Steinblöcke stehen für die Sitzreihen, ein Gedenkstein steht an der Stelle, an der sich früher der Thora-Schrein befand. 


In der Mitte des Brentanoparks befindet sich ein Kriegsopferdenkmal aus dem Jahr 1930. Auf dem Sockel stand ursprünglich eine Skulptur in typisch faschistischer Ästhetik, die einen nackten Speerwerfer darstellte. An deren Stelle befindet sich heute eine Stele aus fünf Blöcken. In den Stein gehauen sieht man eine Frauengestalt mit einer Schale in den Händen. Auf dem Sockel befindet sich die Inschrift: „DIE OPFER DER BEIDEN WELTKRIEGE UND DER GEWALTHERRSCHAFT MAHNEN ZUM FRIEDEN."


0aaPavillonUnter dem Stadtbaurat Ernst May wurde der Park modern umgestaltet. Im Bauhausstil erschuf der Architekt Eugen Kaufmann 1931 einen Unterrichtspavillon für einen damals neu angelegten Schulgarten. Eugen Kaufmann arbeitete unter Ernst May mit am Projekt „Neues Frankfurt“, u.a. bei der Planung der Siedlung Praunheim. Der jüdische Architekt betätigte sich zusammen mit Ernst May von 1931 bis 1933 als Stadtplaner in der Sowjetunion und emigrierte anschließend nach London.
Den heute denkmalgeschützten modernen Pavillon im Brentanopark ließ Ernst May durch einen sich halbkreisförmig davor ausbreitenden Rosengarten ergänzen. Er wird heute vom Rödelheimer Heimat- und Geschichtsverein genutzt. 


Im Norden des Brentanoparks befindet sich das größte Frankfurter Freibad, das Brentanobad. 1930 wurde es an einem Seitenarm der Nidda als Flussschwimmbad errichtet. Da die Wasserqualität der Nidda zu wünschen übrig ließ, wurde das Schwimmbad vom Fluss getrennt und mit einem großen Becken versehen. Mit 220 Meter in der Länge und maximal 50 Metern in der Breite ist es das größte Schwimm- becken Deutschlands.


Im Solmspark


0aaBurg3Südlich der Straße „Auf der Insel“ erstreckt sich auf der Niddainsel - zwischen der Nidda und ihrem Seitenarm, dem Mühl- graben - der nicht minder geschichts- trächtige Solmspark. Hier befand sich eine Wasserburg, die 1463 Besitz des Grafen zu Solms wurde. Über die Jahrhunderte hinweg war diese bedeutende Burganlage baufällig geworden und wurde 1802 dann abgetragen. Die Grafen von Solms-Rödelheim ersetzten sie durch ein klassizistisches Schloss, das 1859 fertiggestellt wurde. Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstörten 1944 das Anwesen. Die verbliebenen Ruinen wurden in den Nachkriegsjahren entfernt. Ein Projekt des Rödelheimer Heimat- und Geschichtsvereins hat den Verlauf der Schlossmauer mit gepflasterten Wegen wieder sichtbar gemacht. Die Lage des großen Turms der Schlossanlage wird durch eine niedrige halbrunde Mauer hervorgehoben, die innen mit Sitzbänken zum Ausruhen versehen ist. Die Gesamtanlage dieser Gedenkstätte entwarf der Architekt Horst Günter Kroneisen. Auf einem Sockel steht ein Bronzemodell der L-förmigem Schlossanlage im Maßstab 1 : 40.


0aaFlügelnuss2Nahe bei dem gepflasterten Schlossgrund- riss dominiert ein besonders imposanter Baum die Parkanlage. Die 1950 gepflanzte Kaukasische Flügelnuss zieht mit ihren vielen Ausläufern die Blicke auf sich. Das Prachtexemplar erstreckt sich mit seinen vielen Stämmen über eine Fläche von 250 qm. Im Juni bilden sich bis zu 40 cm lange „Fruchtketten“, die dieses Gewächs bis in den Winter hinein schmücken.



 

 Text und Bilder: vol