0aTeaserBarfüßerHintenEin seltsames Wesen hat sich in der Kurt-Halbritter-Anlage in Rödelheim niedergelassen. Zwölf Füße tragen seinen Körper, zwei weitere Füße ersetzen Nase und Schwanz. 

 

 

0aBarfüßerFrontal


Allerlei wundersames Getier bevölkert den Frankfurter Grüngürtel. Am bekanntesten davon ist das Grüngürteltier, das an verschiedenen Stellen dort sein Unwesen treibt. Sein Schöpfer der Karikaturist R. Gernhardt beschreibt das seltene Tier, dass ausschließlich im Frankfurter Grüngürtel anzutreffen ist, als eine Kreuzung aus „Wuz, Molch und Star“. Ein Exemplar findet man an der kleinen Niddabrücke am Alten Flughafen, gleich drei dieser merkwürdigen Wesen haben sich am Tiroler Weiher im Stadtwald niedergelassen. An dem einen Ufer des Teiches gibt es an einer Sandsteintreppe zwei Grüngürteltiere mit Tirolerhut, gegenüber thront ein vergoldetes Exemplar dieser Gattung auf einer Säule. Am Quellenwanderweg zwischen Seckbach und Bergen kann man das „sprudelnde Grüngürteltier“, am Sossenheimer Obstpfad das „jonglierende Grüngürteltier“ entdecken. Auch bei den Obstwiesen am Main- ÄppelHaus und am Oberforsthaus im Stadtwald treibt es sich herum.


Doch nicht nur das Grüngürteltier bevölkert die Frankfurter Grünflächen, ihm zur Seite stehen im Riederwald die dicke Raupe, der Monsterspecht und die Eule im Norweger- pullover im Stadtwald, sowie der Eichhörnchenkönig am Stadtwaldhaus.


Den nichtsahnenden Wanderer überrascht in den Schwanheimer Wiesen der Struwwelpeter, eine Kopfweide mit großen, leuchtend gelben Augen. Im Schwanheimer Wald kann sich der Besucher auf den Monsterkindern niederlassen und sich ausruhen. Das sind drei aus Eichenholz geschnitzte, riesengroße Eicheln, die sich unter einem Eichenbaum befinden.


Weniger angenehm, im Sommer aber auch erfrischend, kann am Jacobiweiher die Begegnung mit dem Pinkelbaum werden. Dieser Spitzahorn ist mit einem Bronzerohr versehen, aus dem Wasser hervorschießt, sobald man sich ihm nähert. Wer nicht nass werden will, sollte sich also nur sehr vorsichtig diesem Baum nähern. "300 Jahre hat man mich angepinkelt - jetzt pinkle ich zurück" so beschreibt F.K. Wächter, der Schöpfer dieser komischen Kunstinstallation, die Motivation des Pinkelbaums.


In der Mainuferanlage bei der Gerbermühle bietet das von Hans Traxler entworfene Ich-Denkmal auch Otto-Normalverbrauchern die Gelegenheit selbst zu einer Denkmals- figur zu werden. Jeder kann sich auf den leeren Denkmalsockel mit der Inschrift „Ich“ stellen, sich in der gewünschten Pose präsentieren und sich wie eine berühmte Persönlichkeit fühlen.


Die vielfältigen Formen komischer Kunst, die man entlang der Wanderwege des Grüngürtels findet, sind von den Satire-Künstlern der sogenannten Neuen Frankfurter Schule geschaffen oder inspiriert worden. Der Name dieser Gruppe von Zeichnern und Schriftstellern spielt auf die Frankfurter Schule von Adorno, Horkheimer, Marcuse und anderen an, von deren kritischer Theorie der Gesellschaft sich die Generation der 68er inspirieren ließ. Die Werke dieser Künstlergruppe zu der F. W. Bernstein, F.K, Wächter, Hans Traxler, Chlodwig Poth, Eckhard Henscheid und Robert Gernhardt gehören, verschönern nicht nur die Frankfurter Grünflächen, sie sind auch der Sammlungs- schwerpunkt des Caricatura Museums für Komische Kunst im Leinwandhaus.


Barfüßer, so nannten sich katholische Ordensgemeinschaften, die es ablehnten innerhalb der Ordensmauern Schuhe zu tragen. Nackt sind auch die vierzehn Füße der Skulptur „Barfüßer“, die am 31.3.17 in Rödelheim eingeweiht wurde, eine Figur, die der "Tier- und Pflanzenwelt" des Satirikers Kurt Halbritter entsprungen ist. Der bereits 1978 gestorbene Kurt Halbritter war ein Wegbereiter der Neuen Frankfurter Schule und lebte zeitweise in Rödelheim. Der Kasseler Bildhauer Siegried Bottcher schuf aufgrund der Zeichnungen Halbritters die Bronzeskulptur „Barfüßer“, die jetzt am Niddaufer in der Kurt-Halbritter-Anlage in Rödelheim enthüllt wurde und die Vielfalt der komischen Tierwelt im Grüngürtel vergrößert. Das gutmütige Tier ist in gewisser Weise überaus menschlich. Seine Augen schauen verschmitzt und heiter den Spaziergänger an und verbreiten gute Laune. Seine Füße sehen aus wie menschliche Füße. Nur sind es ein paar mehr. Sechs paar Füße tragen den 2,60 Meter langen, massigen Körper. Dazu werden auch noch Nase und Schwanz durch Füße ersetzt. Auch seine Hände ähneln menschlichen Händen. Allerdings ersetzen diese bei der heiteren Figur die Ohren.

 

00KarteBarfüßer

 

Sie finden den Barfüßer, wenn sie vom Rödelheimer S-Bahnhof aus, der direkt rechts davon beginnenden Marquardstraße bis zur Nidda folgen und dann die Blaue Brücke überqueren, direkt am Ufer der Nidda in der kleinen Kurt-Halbritter-Anlage, die sich südlich an den Solmspark anschließt.

 

Text und Bilder: vol

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