Erlenbach Teaser MG 3322Vor den einsamen Weiten der Wetterau hat Frankfurt Nieder-Erlenbach. Vom U-Bahn-Netz nicht bedacht, bringen lediglich Busse aus Berkersheim und Eschbach Besucher in den nördlichsten Stadtteil Frankfurts.

 

 

Nieder-Erlenbach ist ein beschauliches Örtchen auf 833 Hektar. Im Jahr 779 wurde Nieder-Erlenbach im Lorscher Codex als „Arilbach“ (Erlenbach) erstmals erwähnt: Eine Frau Meginburc beschenkte das Kloster Lorsch mit ihrem gesamten dort gelegenen Eigentum.Ev.KircheErlenbach MG 3329 Das waren neben landwirt-schaftlichen Flächen, Wirtschaftsbauten und Wohnhäusern auch vier Leibeigene. Nieder-Erlenbach lag nach dieser Eintragung im Gau Wettereiba (Wetterau). Ab 1376 übte die Reichsstadt Frankfurt die Herrschaft in Nieder-Erlenbach aus; die Stadt konnte nach dem von Kaiser Karl IV. verliehenen Recht der Dorfherrschaft auch die Schultheißen und Schöffenämter besetzen. Die von Frankfurt eingesetzten Beamten nannten sich in der Folge (spätestens ab 1403) Burggrafen.

 

Alt Nieder Erlenbach MG 3342Dieser Stadtteil hat sich seit über 1.200 Jahren seinen dörflichen Charakter bewahrt - trotz immer engem Kontakt zur freien Reichsstadt am Main. Endgültig eingemeindet wurde der 5000-Seelen-Ort, dem der Erlenbach seinen Namen gibt, 1972. Mit finanzieller Hilfe aus dem Römer entstanden seitdem ein Bürgerhaus, eine neue Schule und ein Sportplatz. Frankfurt gesteht dem kleinen Ort einen eigenen Ortsbeirat zu. Ein Dutzend landwirtschaftlicher Betriebe und vier Gärtnereien sind die Hauptarbeitgeber, einige Aussiedlerhöfe haben sich rund um den Ort gruppiert. Trotz des bäuerlichen Umfeldes finden sich hier alte und große Anwesen Frankfurter Patrizier, etwa der ehemalige Herrensitz von Glauburg, in dem heute die private Anna-Schmidt-Schule untergebracht ist.

 

Ein Kulturdenkmal ist das einstige Hofgut der Frankfurter Patrizierfamilie von Lersner, zu dem neben dem Lersner Schloss Erlenbach MG 3336, einem Prachtstück der Barockzeit, auch die Charlottenburg genannten ehemaligen Wirtschaftsgebäude sowie Stallungen und Scheune gehören. Gebaut wurde das Haus 1768 von Heinrich Ludwig von Lersner. Seine Erben erweiterten das Gut, auf dem sie edle Pferde züchteten, Mitte des 19. Jahrhunderts um klassizistische Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Der letzte Eigentümer Kurt von Lersner besuchte den Hof nur noch sporadisch, bevor er ihn 1953 verkaufte. Ende der 90er Jahre erwarb ein Stuttgarter Bauträger das Gelände, um es zu einem modernen Wohnpark umzubauen. Das Schloß wurde in Abstimmung mit dem Denkmalschutz wiederhergestellt, saniert wurden auch der englische Park und der Weiher des knapp 20000 Quadratmeter großen Anwesens. Heute wohnen dort rund 150 Menschen in 96 modernen Appartements. Neu entstanden ist auch eine Tiefgarage mit 147 Stellplätzen unter dem Hof.

Bekannt ist Nieder-Erlenbach auch wegen der Apfelfeste und - Führungen auf dem Obsthof Schneider, bei denen der Eigentümer über die jahrhundertealte Kultur des Obstanbaus informiert.

Der Stadtteil ist Bad Vilbel oder Bad Homburg wesentlich näher als Frankfurt. Das zeigt sich auch in der Vorwahl, 0 61 01, die zu Bad Vilbel gehört. 

Text: rub

Fotos: pet

 

 

23.05.2019

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