Teaserbild2Die Nordweststadt ist administrativ kein eigenständiger Stadtteil, sondern steht auf den Gemarkungen der Stadtteile Heddernheim, Niederursel und zu einem kleinen Teil Praunheim. Politisch zählt sie zum achten Ortsbezirk. 

 

 

Aufgrund der großen Nachfrage nach Wohnungen in den 1950er Jahren stimmten die Stadtverordneten, dem Vorschlag der beiden Wohnungsbaugesellschaften Nassauische Heimstätte und Gewobag zu, zwischen Niederursel, Heddernheim und Praunheim eine Großsiedlung zu bauen. Schon damals waren Anrainer und Landwirte von den Frankfurter Expansionsplänen wenig begeistert.

 

 MG 3337Das 170 Hektar große Stadtviertel wurde für 25.000 Menschen konzipiert. Mit einem kulturellen und kommerziellen Stadtteil-zentrum sollten alle öffentlichen und privaten Einrichtungen für sie und die in der Nachbarschaft lebenden Bürger, insgesamt etwa 50.000, geschaffen wer-den. Die neuartige „Raumstadt“ wurde am Reißbrett entworfen. Sie besteht über-wiegend aus Gebäudegruppen mit Zeilenbauten, Hochhäusern und Reihenhäusern. Die Bauten sind konsequent rechtwinklig ausgerichtet und gut belichtet. Das städtebauliche Konzept berücksichtigt die vorgegebene Lage der überörtlichen Straßen und des Stadtteilzentrums.

 

1968 wurde die rund neun Kilometer von der Frankfurter Innenstadt entfernte Siedlung an die erste Linie der neuen U-Bahn angeschlossen. Errichtet wurden über 6900 Wohneinheiten gleichzeitig wurden auch mehrere Bildungs- und Kinderbetreu-ungseinrichtungen, Kirchen und Gemeinschaftstreffpunkte gebaut. Bis 1968 dauerte der Bau der Großsiedlung, Restarbeiten zogen sich bis 1971 hin.  MG 3332Alle Gebäude sind exakt in Nord-Süd - oder Ost-West-Richtung ausgerichtet und die Mehrfamilienhäuser haben überdurch-schnittliche Abstände vonei-nander. Die Freiflächen durchziehen die Betonwüste wie ein Netz – und das weckt mittlerweile Begehrlichkeiten. Das Wort Nachver-dichtung ist schon seit geraumer Zeit im Stadtteil im Gespräch. Grüner Mittelpunkt bleibt der unter Mithilfe von amerikanischen Soldaten geschaffene und 1971 eröffnete Martin-Luther-King-Park, dessen kleiner Weiher in einer ehemaligen Tongrube liegt.

 

Die ursprünglich weißen Putzfassaden der Häuser wurden ab 1978 nach einem Farbkonzept von Tassilo Sittmann farbig gestrichen, um Bewohnern und Besuchern eine bessere Orientierung zu bieten. Neben Kindergärten und Schulen blühte im neuen Stadtteil zunächst das Gewerbe: Bäcker, Metzger, Feinkostgeschäfte, Supermärkte und Wäschereien waren im Quartier vertreten. Das 1968 eröffnete Nordwestzentrum mit 150 Geschäften, Bürger- und Sozialrathaus, Schwimmbad, Bücherei Feuerwache und Polizeirevier schien zunächst eine Bereicherung für die Nordweststadt zu sein, aber nicht  MG 3350für seine Einzelhändler. Mit zunehmender Beliebtheit des Einkaufstempels mussten fast alle außerhalb des Einkaufzentrums schliessen, übrig blieben ein Metzger mit Halal-Fleisch-Angebot, eine Trinkhalle, ein Post-Kiosk und ein Friseur. Parallel zum Ladensterben änderte sich auch die Bevölkerungsstruktur. Die Erstbewohner wurden alt und starben. Deren Kinder zogen weg, und junge ausländische Familien siedelten sich in den 1980er Jahren an.

 

Heute haben mehr als 50 Prozent der Menschen in der Nordweststadt einen Migrationshintergrund. Im ehemaligen „Kleinen Zentrum“ wurde eine Moschee eingerichtet. Ende des Jahres 2019 fusioniert die 50 Jahre alte Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde mit den Nachbargemeinden des Planungsbezirkes, es gibt auch Über-legungen das 1969 errichtete Gotteshaus als ökumenisches Zentrum gemeinsam mit der katholischen Gemeinde zu nutzen. Lange Zeit galt die Norweststadt als „sozialer Brennpunkt“ der mit dem „Nordi-Rap“ sogar ein eigenes musikalisches Sub-Genre schuf. „Mordweststadt, Wildweststadt, Bad-Boy-Szene“ – die Synonyme für die Siedlung im Frankfurter Norden sind bis heute vielfältig.

Text:rub

Fotos: pet

03.05.2019

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok