Blick auf den neuen Rebstockpark MG 8876Das gut hundert Hektar große Gelände war einer der ersten Flughäfen Deutschlands und ist heute geprägt vom Volkspark am Rebstock mit Weiher, dem 1982 eröffneten Erlebnisbad und einem neuen Wohnviertel.

 

 

Das Rebstockgelände liegt an der Südwestgrenze Bockenheims zwischen Rödelheim im Norden und dem Gallus im Süden. Im Westen grenzt es an Griesheim und Nied und im Osten an die Kuhwaldsiedlung. Seit 1987 fahren einmal monatlich auf einer 2,5 Kilometer langen Strecke die Schmalspur-Feldbahnen des Frankfurter Feldbahnmuseums durch den Park.Das Rebstockgelände hat seinen Namen von einer Frankfurter Händlerfamilie, zu deren Land- und Waldbesitz der Hof Rebstock am Markt neben dem Kaiserdom St. Bartholomäus und das Hofgut Rebstock gehörte. Es wurde im Jahre 1300 erstmals urkundlich erwähnt. Seit Mitte des 14. Jahrhunderts stand das Gut im Besitz des 1353 gestifteten St. Katharinen- und Weißfrauenstiftes.

 

Denkmal Zeppelin Landung MG 8847Anlässlich der Internationalen Luftschiff-ausstellung (ILA) 1909 landete dort am

31. Juli Graf Zeppelin mit seinem Luftschiff LZ 5 (Zeppelin II). In der 1920 errichteten Kuhwaldsiedlung östlich des Rebstock-geländes erinnert ein Denkmal aus Muschelkalk an dieses Ereignis. Die zu Bockenheim gehörende Siedlung wurde im Volksmund aufgrund ihrer abgeschiedenen Lage auch als „Stadt-Dorf“ oder „Insel“ bezeichnet. Die noch von Stadtplaner Ernst May entworfenen ein- bis zweigeschossigen Häuser bieten mit ihren Satteldächern ein traditionelles und idyllisches Erscheinungsbild.

 

 

Die Kuhwaqldsiedlung von oben MG 8873

Der Zuschnitt vieler Grundstücke erlaubte große Rasenflächen und Gärten, die auch zur Selbstversorgung geeignet waren. Aufgrund der Nachbarschaft zum alten Flugplatz und zu den Bahngleisen wurde die Kuhwaldsiedlung durch Bombenangriffe 1944 sehr stark zerstört. Funde von „Blindgängern“, also nicht explodierten Bomben, beeinträchtigen bis heute Bauarbeiten am anliegenden Messegelände und dem Europaviertel.

 

 MG 8850Einst eine kleine Siedlung am Stadtrand mit einem Lebensmittelhändler, Friseurladen, Metzger mit eigenem Schlachthaus, Gasthaus mit Kolleg und Kegelbahn haben heute nur eine Apotheke, zwei Gaststätten und ein Kiosk das Einzelhandelssterben überlebt. Das Gemeindeleben ist hier dennoch sehr lebendig.

 

Im Jahre 1910 wurde das Rebstock-Areal von der Stadt Frankfurt gepachtet. 1912 eröffnete die Deutsche Luftschiffahrts AG den Luftschiffhafen am Rebstock, Heimat des Zeppelins LZ 11 "Viktoria Luise". Flugpioniere wie Käthe Paulus (erste deutsche Berufsluftschifferin und Erfinderin des zusammenlegbaren Fallschirms), August Euler (erster Inhaber eines „Flugzeugführerscheins") oder Max Pruss (Überlebender Kommandant der "Hindenburg"- Katastrophe) waren hier tätig. Straßen im Wohnviertel "Rebstockpark" sind nach ihnen benannt und erinnern so an die Vergangenheit.

 

rebstock lz 127 bigNach dem Ersten Weltkrieg begann ab 1924 vom Flughafen Frankfurt-Rebstock aus ein planmäßiger Luftverkehrsdienst. Im Jahre 1925 starteten und landeten 2.357 Flugzeuge; insgesamt wurden rund 5.500 Passagiere befördert. Januar 1926 wurde die Deutsche Luft Hansa AG gegründet, und Frankfurt am Main wurde neben Berlin zum wichtigsten Standort Deutschlands für das neue Luft-Transportwesen. Fritz von Opel startete hier am 30. September 1929 mit dem Raketenflugzeug Opel-Sander RAK 1 zu einem vielbeachteten Flug. Später landeten auch Heinkel-Blitz-Flugzeuge und die Junkers G38, damals das größte Verkehrsflugzeug der Welt, am Rebstock.

 

Der Lufthafen konnte nicht erweitert werden; deshalb errichtete man 1936 einen neuen Flughafen im Stadtwald südlich von Schwanheim. Er löste den Lufthafen am Rebstock in seiner zivilen Funktion ab. Bis 1945 wurde der Rebstock-Flughafen noch vom Militär genutzt, Teile des Jagdgeschwaders „Richthofen“ waren hier stationiert. Im Rahmen der vergeblichen Bewerbung Frankfurts für die Olympischen Spiele 2012 wurde das Rebstockgelände als Standort für zahlreiche Spielstätten vorgeschlagen. Frankfurt konnte sich aber nicht in der nationalen Vorentscheidung durchsetzen.

 

Blick vom neuen Rebstockpark auf Wohnhäuser Am Rebstock MG 8882Stattdessen entstand durch den Bau des neuen Wohnviertels „Rebstockpark“ Wohnraum für ca. 4.500 Menschen und Arbeitsplätze für 5.500 Menschen. Im städtebaulichen Rahmenplan für das 27 Hektar große Quartier prägen gebrochene Fluchtlinien die raster-artig angelegten Baufelder und ein zentraler 7,5 Hektar großer Park, der "Neue Rebstockpark." 2003 wurde eine neue Straßenbahnlinie zur Verkehrsanbindung der nördlich benachbarten City-West und des Rebstockparks angelegt. Die Linie 17 führt im Bereich Rebstock vom Katharinenkreisel (früher: Opelkreisel) kommend über die neu gebaute, zentrale Leonardo-Da-Vinci-Allee.

 

Die zentrale Leonardo da Vinci Allee im Viertel Am Rebstockpark Bevor dieses Stadtviertel für veranschlagte 1,5 Milliarden Euro errichtet werden konnte, mussten große Hürden genommen werden: Direkt im Baugebiet lag in einer Kiesgrube eine in den 1950er Jahren von der Stadt betriebene Hausmülldeponie mit einem Abfallvolumen von etwa 120.000 m³. Diese Altlast wurde in den Jahren 2000/2001 vollständig entsorgt, bevor mit dem Bau der neuen Erschließungsstraßen begonnen werden konnte. Außerdem mussten auch die Reste des von 1958 bis 1968 betriebenen Forschungsreaktor FRF-1 des Instituts für Kernphysik der Frankfurter Universität entsorgt werden. Die schwach strahlenden Reste des Kernforschungsreaktors wurden 2005 und 2006 vollständig zurückgebaut.

 

Im Rahmen der Neugestaltung der Flächen wurden von verschiedenen Architekten überwiegend kompakte Gebäude errichtet und über Wohnbauträger vermarktet. Seit 2014  MG 8863wohnen hier ca. 4.000 Menschen. 2007 wurde die erste Kindertagesstätte in Betrieb genommen, die Eröffnung einer Grundschule folgte im Herbst 2014. Im nördlichen Teil des Rebstockparkgeländes, der für die überwiegend gewerbliche Nutzung und die Anlage eines Stadtteilplatzes  vorgesehen ist, sind bisher ein Hotel sowie ein Bürogebäude der Unfallkasse Hessen entstanden. Die Bewohner des neuen Quartieres beklagten anfangs die schleppende Errichtung der versprochenen Infrastruktur: Das Quartier hat keine gastronomischen Betriebe außer denen der Hotels, ein Lebensmittelmarkt wurde erst März 2016 eröffnet.

 

Text:rub

Fotos: Pet, Rebstock Projektgesellschaft mbH 

Januar 2019

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