MG 2128 TeaserbildDer Artikel handelt von der Frankfurter Verbindungsbahn bis zur Frankfurter Hafenbahn. Die Eröffnung des Ost­bahnhofs und des Osthafens war für die Freie Stadt Frankfurt ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor.

 

 

 

Vorgeschichte

Osthafen GleisplanFrankfurt wurde im 19. Jahrhundert von verschiedenen Eisenbahnlinien erreicht, die alle ihren eigenen Endbahnhof hatten. Der zunehmende Verkehr zwischen den beiden Bahnhöfen im Westen und dem Hanauer Bahnhof im Osten belastete die Verkehrswege in Frankfurt zunehmend. Speziell seit die Frankfurt-Hanauer-Eisenbahn 1854 einen Anschluss an die Ludwigs-West-Bahn bekommen hatte, nahm das Verkehrsaufkommen erheblich zu. Der Hauptbahnhof war noch nicht gebaut. Die Verkehrspolitik der Freien Stadt Frankfurt war zunächst einem historisch überkommenen Konzept verhaftet, nämlich die Verbindung der Bahnen zwischen Ost und West nicht zu fördern, sondern analog zu einem Stapelrecht die Wirtschaft der Stadt zu fördern, indem die Waren hier umgeladen werden mussten. Dies hatte zur Folge, dass der durchgehende Waren- und Personentransport nur nach zweimaligem Umladen oder Umsteigen möglich war. Also baute die Stadt Frankfurt die städtische Verbindungsbahn. 1859 eröffnete die Stadt eine sechs Kilometer lange Bahnstrecke vom Hanauer Bahnhof den Main entlang bis zu den Bahnhöfen im Westen der Stadt. Mit Eröffnung des Frankfurter Ostbahnhofs 1913 wurde diese Hafenbahn für die Verbindung der Bahnhöfe nicht mehr benötigt. Der Frankfurter Osthafen wurde ab 1908 gebaut und im Mai 1912 eröffnet. Dies bedeutete einen neuen Aufgabenbereich für die Verbindungsbahn. Der Generalbebauungsplan von 1909/1910 wies unbebaute Flächen östlich des bisherigen Stadtgebietes als Wohngebiet aus. Das unmittelbar nördlich an den Riederwald anstoßende Gelände wurde in Erbpacht an gemeinnützige Gesellschaften vergeben und für die Bebauung mit Arbeiterwohnhäuser vorgesehen. So entstand gegenüber des Osthafens der 1910 gegründete Frankfurter Stadtteil Riederwald als Arbeitersiedlung. Im Süden grenzt das Industriegebiet von Fechenheim mit dem Frankfurter Osthafen 2 an den Stadtteil. Heute betreibt die HFM Managementgesellschaft für Hafen und Markt mbH für Hafen und Markt mbH einen gewinnträchtigen Verkehr auf den Gleisen der Hanauer Hafenbahn und auf den eigenen Gleisen der ehemaligen Frankfurter Verbindungsbahn.

 

BW Osthafen-Bahnhof 

 MG 2132Die Hafenbahn hat zwei Bahnhöfe, an denen sie Waggons an die Deutsche Bahn übergibt: Am Übergabebahnhof Frankfurt Main-West und dem Osthafen-Bahnhof am Rangierbahnhof Frankfurt Main-Ost zwischen Ratswegbrücke und Frankfurt (Main) Mainkur. Unmittelbar nordöstlich der Lahmeyerbrücke, (früher Diesel­brücke), liegt auch das Betriebswerk, die einzige Werkstatt der Frankfurter Hafenbahn. Heute hat die Werkstatt Bahnbetrieb 35 Mitarbeiter in der Lokwerkstatt, Wagenwerkstatt und im Gleisbau/Signaltechnik. Die Personaldecke wurde dünner, weil die Arbeit schwer war und eine Wiederbe­setzungssperre die Einstellung von Azubis verhinderte. Die Angestellten lernten früher Achsenlager selbst herzustellen, Drehen, Fräsen, mit schwerem Werkzeug wurden die Zylinder-Motoren eingebaut, aufziehen eines neuen Radreifens: Der Reifen wird erhitzt und zieht sich beim Abkühlen um das Rad herum zusammen. Die Verbindung von stählernen Radreifen mit dem Radkörper geschieht meist durch Aufschrumpfen. Die Mitarbeiter sprechen gerne von „hier oben“, denn früher war die Verwaltung am Westhafen - also „da unten“. Durch den lukrativen Verkauf der Grundstücke an die Investoren von „Wohnen am Fluss“ zog die Verwaltung um und dadurch konnte der Osthafen saniert werden. Vormals war die Hafenbahn ein Eigenbetrieb der Stadt.

 

dsc02531In der Lokwerkstatt „parkt“ der Verein „Historische Eisenbahn e.V.“ Frankfurt seine Loks, darunter die Dampflok 01 118, welche als Sonderzug in ganz Deutsch­land unterwegs ist. Das Gleis über die Lahmeyerbrücke wurde bis zum 4. No­vember 2004 von der Hafenbahn bedient, um in das Industrie- und Gewerbegebiet im Riederwald und Seckbach zu fahren. Seit den Neunzigern des letzten Jahrhunderts hat die Frankfurter Hafenbahn eine Streckenlänge von 56 Kilometern, die von fünf Lokomotiven bedient werden. In den Spitzenzeiten hatte die Hafenbahn eine Streckenlänge von 144 Kilometern.

 

Gleisanlagen damals und heute

773 12 Hafen Frankfurt 18081980Das Gleisnetz der Hafenbahn wurde in den letzten Jahren deutlich reduziert, die Gleisanschlüsse im Industriegebiet in Frankfurt-Seckbach durch den Wegzug der ansässigen Firmen komplett abgebaut. Der Bahnhof des Osthafens liegt parallel zur Bahnstrecke Frankfurt – Hanau, etwa zwischen Cassellastraße und der Rats­wegbrücke. Er beherbergt die Werkstätten der Hafenbahn sowie ihren östlichen Übergabepunkt zu den Gleisen der Deutschen Bahn AG. Außerdem wird von hier aus der Frankfurter Oberhafen und der östliche Teil des Industriegebiets Osthafen bedient. Die ehemaligen Cassella-Farbwerke, die heutige AllessaChemie, werden ebenfalls über den heute einzigen Gleisanschluss angefahren. Ein weiteres Gleis führt unter der Hanauer Landstraße und unter dem Ratswegkreisel hindurch. Die gewerbliche Großmarkthalle, in der vorwiegend Obst- und Gemüse gehandelt wurde, hatte ein erhebliches Güterverkehrsaufkommen, das – ab den 1950er Jahren mit abnehmender Tendenz- zu einem erheblichen Teil auf der Schiene angefahren wurde. Der Güterbahnhof lag an der Städtischen Verbindungsbahn, die ihn sowohl an die Bahnstrecke Frankfurt-Hanau nach Osten als auch über den Bahnhof Frankfurt-Griesheim, an die Main-Lahn-Bahn nach Westen anschloss. Mit der Aufgabe der Großmarkthalle 2004 wurde der Bahnhof geschlossen und die Gleisanlagen anschließend abgetragen. Über diesen Anschluss wird der westlich des Oberhafens gelegene Osthafen bedient. Eines dieser Gleise wird auch unter der Honsell-Brücke hindurch bis in den Westen der Stadt geführt. Dies ist die Trasse der ursprünglichen Frankfurter Verbindungsbahn.

 

Text: Pet & rub

Bilder: Pet, Drehscheibe Historische Bahn, Bahnbilder.de

Datum: Januar 2019

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