Teaser Bockenheim1Bockenheim ist einer der ältesten Stadtteile Frankfurts. Begleiten Sie uns auf eine Reise durch das alte Bocken­heim.

 

 

 

 

Bockenheim wird durch die Bundesbank, den Biegwald, das MARKUS KRANKENHAUS, und die Bockenheimer Warte begrenzt. Somit gehören der "Ginnheimer Spargel" und die Deutsche Bundesbank zu Bockenheim. Hätten Sie das gewusst?

 

Bockenheim war schon immer ein Viertel der einfachen Leute und ist es teilweise heute noch, abgesehen von dem Quartier oberhalb der Franz-Rücker-Allee. Entlang der Zeppelin-Allee erstreckt sich eines der schönsten Villenviertel Deutschlands.

 

Der soziale Mittelpunkt war die Leipziger Straße, von den Bockenheimern liebevoll "Leipzschär" genannt. Die Trambahnlinie 3 fuhr noch gemütlich durch die City, um Ihrem Weg nach Rödelheim über die Leipziger Straße fortzusetzen.

 

Tagsüber pulsierte das Herz Bockenheims. Jede Menge Geschäfte und Gewerbebetriebe waren dort zu Hause. Mithin gab es ein ständiges Kommen und Gehen. Hausfrauen, Schüler, Rentner, Studenten und Jugendliche bevölkerten die Straße. Arbeiter schleppten Lasten und Kohleträger verrichteten ganzjährig ihr Werk. Die Arbeiter und Angestellten die allabendlich aus der Tram kamen hauchten der "Leipziger" zusätzliches Leben ein. Bockenheim war zwar gut versorgt mit Trambahnen, doch war der Weg in die City langwierig und teilweise mit Umsteigen verbunden, folglich blieb man in "Good Old Bockenem".

 

Alles was der Mensch zum Leben brauchte gab es in Hülle und Fülle im Viertel, vor allem aber "Uff d'Leipzscher". Metzger, Bäcker, Tante-Emma-Läden, Apotheken, im Einzelnen:

  • die Drogerie Schlick
  • die Kaffeerösterei Stern
  • das Zett Kaffee
  • Lebensmittel Stahl
  • Haushaltswaren Peikert mit einer Spielwarenabteilung
  • Hut Wende
  • Fisch Bader
  • Farben Feile
  • Foto Firle
  • Confiserie Eube
  • Samen Wüst
  • Hosen Hill
  • Fernseh Kreile
  • Radio Diehl
  • Sanitätshaus Knörr
  • Zigarren und Briefmarken Knaur
  • Zigaretten Mala
  • Uhren Weil

 

Außerdem gibt es Eisdielen, Elektrofachgeschäfte und mehrere Kneipen. Nicht zu vergessen ist auch das gute, alte Kaufhaus West, da war der Kunde wirklich noch König. In der Schwarzwald Stube gab es besten Schinken und wirklich gutes Bauernbrot, hausgemachte Suppen und Bauernwurst.

 

Im Italienischen Viertel befand sich das Spielwarengeschäft Riedel an dessen Fenster wir uns als Kinder die Nasen plattdrückten. Überhaupt war das Viertel um die Friesengasse etwas ganz Besonderes: Vom Noblen Villenviertel an der Zeppelinallee, etwa eineinhalb Kilometer entfernt, war hier Schmalhans Küchenmeister und Armut angesagt. Familie D'oro eröffnete dort ein Italienische Lebensmittelgeschäft. Winzig klein, war es doch etwas Besonderes. In den Gässchen wurde Bockemer Dialekt mit Italienischem Einschlag, beziehungsweise Italienisch mit Bockenheimer Singsang gesprochen.

 

Einmal quer durchs Viertel, landen Sie in der Adalbertstraße. Dort gab es sogar ein Regenschirm-, und ein Bürstenfachgeschäft. Auch die schon legendär zu nennende Fachdrogerie Walter Englert war und ist dort zu Hause.

 

Die Basaltstraße ist unscheinbar und dennoch rege frequentiert. Da ist zunächst mal die Metzgerei Schreiber zu nennen. Frau Schreiber betreibt heute noch einen weltbekannten Stand in der Kleinmarkthalle. Außerdem gibt es dort einen Bäcker, einen Schuster, ein Schreibwarenladen, einen Gemüsestand, zwei Friseure, zwei "Büdscher" oder "Wasserhäuschjer", eine Apotheke, ein Lebensmittelgeschäft, den "Titania Filmpalast" ein Möbelgeschäft und fünf Kneipen.

 

Die Bekannteste davon ist wohl das Basalt-Eck, Treffpunkt für Jung und Alt. Bei Arno und Lina waren sie alle: Generationen von Studenten, Theoretikern, Revoluzzern, Rentnern, Arbeitern und Jugendlichen.

 

Freitags war Shopping angesagt. Vornehmlich die Rentner trafen sich danach im "Walfisch" auf einen "Ebbelwei". Direkt gegenüber dem Kaufhaus West gelegen, hieß diese Wirtschaft im Volksmund nur "Wallfisch". Bei "Ebbelwei un Kartespiel" war "Bockemer Gemütlichkeit" angesagt, oder das was die Großväter darunter verstanden. Es wurde geknottert, gekrätscht und manchmal auch Krakelt. Über die Preise, die Politik, die lieben Ehefrauen, die Eintracht, die Jugend im Allgemeinen und die Langhaarigen Gammler im Besonderen. Wobei die Rolling Stones die Ausgeburt der Hölle darstellten. Anders bei den Beatles: Die Vier netten Jungs von nebenan mochte eigentlich jeder, einzig dass ihr Friseur sich wohl den Arm gebrochen hat, wurde bemängelt.

 

Wichtig auch die Friesengasse. Das liebevoll genannte Viertel "Klein Napoli" hatte einen besonderen Charme. Eine Besonderheit war das in der Konrad-Broßwitz-Straße gelegene "Ristorante Laterne". Es war der alte Luigi, der mir beibrachte was Anstand, Respekt und Ehre bedeuten und wie ich mich zu benehmen haben und nie mehr im Leben hab ich so eine Pizza gegessen wie bei Mama Davino. Bis zum Bürgersteig vollverglast, lag einem das Restaurant quasi zu Füßen. Einige Stufen hinab und man befand sich im Schankraum. Rechts der Tresen, Links zwei Tische, an denen ausnahmslos alte Italiener saßen. Daneben der Durchgang in die "Grotte". Mit Pappmasche gestaltete Wände in deren Einbuchtungen sich die Lampen befanden verzauberten den Raum in eine Höhle. Das indirekte Licht tat sein übriges dazu. Neben dem Durchgang stand die Jukebox, Röhrenbestückt versteht sich. Außer Beat gab es die neuesten Hits aus Italien und jede Menge alte Musik, Marke Napoli 1960. Eine Pizza von "Mama", eine Afri-Cola und dazu noch die napolitanische Musik, schön war's, vor allem dann wenn die Alten da waren und ewig fluchend Karten spielten.

 

Die urigste Kneipe ist Doctor Flotte, am Anfang der Leipziger Straße ist sie Treffpunkt für alle und jeden. Das Schönste jedoch war die Tatsache, dass - egal wo wir uns auch befanden - es überall ein Wasserhäuschen gab. Wie oft tobten wir durch die wunderschöne Zeppelinallee in der Marika Kilius Rollschuh laufen lernte? Mitten im Villenviertel gelegen, galten wir dort als „Persona non Grata“. So lernten wir schon als Kinder den Unterschied zwischen oben und unten kennen. Deren Kinder haben nie mit uns gespielt.

 

Am Ende der Allee befand sich ein Wasserhäuschen, was der Allee ein malerisches Entree verlieh. Gegenüber liegend erstrahlte und erstrahlt die Frauenfriedenskirche mit ihrer wunderschönen Madonna und man sah den Taunus gleich dazu. Wenn morgens die Sonne die Kirche im Glanze des Lichtes erscheinen ließ dann war das etwas ganz besonderes und ist es auch noch heute.

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok