teaser lieselchristWer kannte sie nicht? Die Volksschauspielerin, als „Mamma Hesselbach“ oder Mutter des Frankfurter Volkstheater? Vor über zwei Jahrzehnte verstarb sie. Wir möchten gerne an ihr früheres Leben erinnern.

 

 

Liesel Christ wurde am 16. April 1919 in Frankfurt am Main geboren. Als erstes Kind des Werkmeisters Ludwig Karl Christ und seiner Frau Maria hatte sie 12 Halbgeschwister. Schon früh wurde sie durch Aufführungen zum Kinderstar der Frankfurter Theaterszene. Mit einer Sondergenehmigung konnte sie schon als 14-jährige mit dem Studium an der Hochschule für Musik und Theater in Frankfurt beginnen (Mitschüler waren Agnes Fink und Siegfried Lowitz) und nach Abschluss wurde sie an verschiedenen Bühnen engagiert, wie Koblenz, Heilbronn, Görlitz und Breslau. Liesel Christ heiratete am 4. Juni 1942 den Opernsänger Fritz Dahlem, bekam ein Kind, lies sich aber 1944 wieder scheiden. Nach Kriegsende kehrte sie mit ihrer Tochter Gisela nach Frankfurt zurück. Dort führte sie eine Beziehung zum späteren Verleger der Frankfurter Rundschau, Karl Gerold, und gebar ihr zweites Kind Bärbel im Oktober 1945. In Frankfurt arbeitete sie zunächst mit Kollegen wie Wolf Schmidt (ihrem späteren Partner als „Babba Hesselbach“) an einem Tournee-Programm und später auch im Rahmenprogramm des Ufa-Stars Lilian Harvey. 1953 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Landesbühne Rhein-Main und avancierte zum Publikumsliebling.

 

HESSELBACHS Letzte KlappeIhren größten Coup landete Liesel Christ 1959 in der Rolle der „Mamma Hesselbach“ in den beliebten Fernsehserien „Die Firma Hesselbach“ (bis Folge 24) und „Die Familie Hesselbach“ (bis Folge 51). Sie verkörperte den Prototyp der deutschen Hausfrau und Mutter. Sie war in weiteren Fernsehserien wie „Tatort“ und „Ein Fall für Zwei“ zu sehen. 1976 im erfolgreichen HR-Dreiteiler „Der Winter, der ein Sommer war“ mit Günter Strack und Christian Quadflieg (Roman von Sandra Paretti). Darüber hinaus spielte sie weiter Theater, unter anderem mit Hans-Joachim Kulenkampff. 1971 erfüllte sie sich einen langjährigen Herzenswunsch und gründete in Ihrer Heimatstadt ihre eigene Mundartbühne „Das Frankfurter Volkstheater“ (erster Vorhang am 18. Juni 1971 mit der Frankfurter Lokalposse von Carl Maiß „Der alte Bürgerkapitän“). Nach mehreren Umzügen fand das Theater dann seinen endgültigen Platz im Cantate-Saal neben dem Goethe-Haus im Großen Hirschgraben. Liesel Christ setzte mit Ihrer Art große Weltliteratur in die lokale zeitgemäße Frankfurter Mundart umzusetzen Maßstäbe. Die Erfolge gaben ihr Recht, viele Inszenierungen zeichnete der HR auf und auch in Auslandsreisen überzeugte sie ihr Publikum. Ihr letzter Bühnenauftritt war 1995 in „Die fünf Frankfurter“. Parallel zur Theaterarbeit spielte Liesel Christ in zahlreichen Fernsehrollen, u.a. mit Günter Strack die Rolle der Küsterin Agnes Bebel in „Mit Leib und Seele“.

 

Liesel Christ war eine engagierte Frau, was soziale und kulturelle Belange für Ihre Heimatstadt Frankfurt anging. Das „Frankfort-Telefon“ (im Wechsel mit Frank Lehmann) war vonLiesel Christ Portrait 1981 bis zu Ihrem Tode ein humorvoller Telefonansagedienst in Mundart (mit rund 800.000 Anrufen aus aller Welt). Sie war immer wieder für Frankfurt zu haben, unterstützte wo immer sie konnte (u.a. Aufbau der Alten Oper und dem Waldstadion 1974 zur WM), war Vorstand der „Freunde Frankfurts“ und arbeitete am Stoltze-Museum mit (Neue Mainzer Straße 49). Überall, wo es um Sozlales und um Menschen ging, war sie zu finden: für die Senioren, für krebskranke Kinder und für Gehörgeschädigte oder bei kirchlichen Events. Das war Liesel Christ.

 

Epilog: Liesel Christ starb nach einem schweren Sturz 1996 in Frankfurt am Main. Das Theater führten die beiden Töchter Gisela und Bärbel zusammen mit dem Regisseur Wolfgang Kaus im Sinne der Mutter weiter. Die Bühne feierte 2011 das 40-jährige Bestehen, schloss aber 2013 endgültig. Liesel Christ wäre sehr traurig gewesen um ihr Lebenswerk.

 

 Bider: HR

Text: hom      

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