Stoltze Denkmal„Es will merr net in mein Kopp enei, wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!“
Welcher Frankfurter kennt es nicht, dieses wohl berühmteste Zitat aus Friedrich Stoltzes 1880 veröffentlichtem „Frankfurt Gedicht“.
Friedrich Stoltze war ein Frankfurter Mundartdichter, Schriftsteller und Journalist, dessen Geburtstag sich 2016 zum 200. Mal jährt.

 

 

 

Friedrich Stolze wurde am 21.11.1816 in Frankfurt am Main, im Haus „Im Rebstock 4“, geboren.

 

Stoltzes Vater Friedrich Christian Stoltze (1783 - 1833), der als Gastwirt in der Frankfurter Altstadt den Gasthof „Zum Rebstock“ führte, war ein liberal eingestellter Bürger, dessen Wirtshaus als Treffpunkt freiheitlich-demokratisch gesinnter Bürger galt. Hausdurchsuchungen und Verhaftungen waren an der Tagesordnung und beeinflussten später das politische Denken Stolzes. Durch einen Neffen Johann Wolfgang Goethes (Friedrich Karl Ludwig Textor) genoss Stoltze eine gute Bildung. Er begann 1831 eine Kaufmannsausbildung bei G.C. Melchin im Haus zum „Rothen Männchen“ am Fahrtor.
Ein Besuch mit seinem Vater auf dem 1832 stattfindenden Hambacher Fest führte zu einer Begegnung mit Ludwig Börne (1786 - 1837). Sein liberales Denken nahm Stoltze zum Vorbild.

Sein literarisches und politisches Interesse führte er später auf seine herzliche Verbindung zu seiner Schwester Annett (1813-1840) zurück, die in Zusammenhang mit den Aufständischen des Frankfurter Wachensturms 1833 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde.

Im familiären Umfeld zählte sich Stolze und seine Mutter zur mundartsprechenden „Frankfurter Fraktion“, im Gegensatz zu seinem Vater und seiner Schwester, die sich der hochdeutsch sprechenden „Waldecker Fraktion“ anschlossen.
Nach dem Tod seines Vaters 1833 unterbrach Stolze, aufgrund der schlechten finanziellen Verhältnisse seiner Familie, seine Lehre, die er erst 1838 bis 1840 in Paris und Lyon bei einem Seidenmacher fortsetzte. Hier verfasste er das „Bundeslied der Deutschen in Lyon“, dass von Felix Mendelssohn Bartholdy vertont wurde.
Zurück in Frankfurt erschien 1841 Friedrich Stoltzes erster Gedichtband.
Infolge einer Romanze mit der Bürgerstochter Maria Christina Retting (1816 - 1846) wird 1842 sein unehelicher Sohn Carl Adolph Retting geboren. Da Christinas Vater das Verhältnis seiner Tochter zu einem Demokraten nicht billigen wollte, wurde das Kind klammheimlich geboren und wuchs bei Pflegeeltern auf.
Erst 1864, nach der Sicherung der bürgerlichen Existenz Friedrich Stolzes, nahm er den Namen seines Vaters an und hieß fortan Adolf Stoltze. Er wurde später, wie sein Vater, Schriftsteller und Journalist und erlangte mit seinem Schauspiel „Alt-Frankfurt“ lokale Berühmtheit. Es gilt bis heute als das beliebteste Theaterstück in Frankfurter Mundart.

Friedrich Stoltze wurde ab 1845 einer breiten Öffentlichkeit bekannt, als er Zugang zu einflussreichen Kreisen der Frankfurter Gesellschaft erhiehlt. Er konnte sich als freier Literat in Frankfurt niederlassen und bestritt seine Einnahmen u.a. als Gelegenheitsdichter, Hauslehrer und Librettist. Am 15. November 1848 konnte er so das Frankfurter Bürgerrecht erwerben. Voraussetzung zur Erlangung des Frankfurter Bürgerrechts war der Nachweis einer handwerklichen Tätigkeit oder eines Gewerbes. Ein Mindestvermögen von 5000 Gulden war ebenfalls Bedingung.
Das Bürgerrecht befähigte seinen Besitzer an der städtischen Gerichtsbarkeit und an politischen Entscheidungen teilzunehmen. 1848 verfolgt Stolze mit Interesse die Ereignisse der Deutschen Revolution und der Frankfurter Nationalversammlung. Als freiheitlich gesinnter Demokrat konnte er sich allerdings mit den Forderungen der Frankfurter Nationalversammlung für ein kleindeutsches Kaiserreich unter preußischer Führung nicht identifizieren.
Am 10. April 1849 heiratete er seine langjährige Bekannte Marie Messenzehl (1826-1884) in der Frankfurter Katharinenkirche. Die für die damalige Zeit unkonventionelle Eheschließung - Marie Messenzehl war katholisch, Friedrich Stoltze evangelisch - brachte 11 Kinder hervor, von denen vier als Kleinkinder starben.
Enttäuscht vom Scheitern der Deutschen Revolution und der Nationalversammlung verbrachte Stolze mit seinem Freund - und späteren Partner - Ernst Schalck einige Zeit in der Pfalz, von wo aus er von Freischärler-Aktivitäten berichtete.
Zurück in Frankfurt scheiterte sein Vorhaben eine politische Zeitung zu gründen. Der Grund dafür war die damalige reaktionäre politische Sichtweise. Stoltze verlegte sich daraufhin ab 1852 auf die Herausgabe der Zeitschrift „Frankfurter Krebbel- und Warme Broedscher Zeitung “, in der er das aktuelle Zeitgeschehen humorvoll kommentierte.
Bis 1879 entstanden 44 Ausgaben, die eine breite Zustimmung in der Bevölkerung fanden.
Immer wieder kam Stoltze als Journalist und Satiriker aufgrund seiner liberalen Gesinnung mit der Obrigkeit in Konflikt.
Sein Eintreten für eine republikanische Demokratie setzte sich auch in seiner 1860 gegründeten Wochenzeitschrift „Frankfurter Latern“ fort. Vor dem Einmarsch der Preußen 1866 in Frankfurt floh Stoltze wegen seiner Bismarck- und preußenfeindlichen Äußerungen für drei Monate ins Süddeutsche - und Schweizer Exil.
Die „Frankfurter Latern“ wurde von den preußischen Besatzern für fünf Jahre verboten und konnte erst wieder 1872 bis zum Tod Friedrich Stolzes 1891 erscheinen. In den Jahren des Verbots gründete Stolze mehrere Zeitungen, von denen der „Wahre Jakob“ (1867 - 1871) die bekannteste war. Sie wurde trotz preußenkritischer Äußerungen nicht zensiert.
Stolze blieb Zeit seines Lebens seiner liberalen Einstellung und seiner demokratischen Gesinnung treu. Er blieb ein kritischer Chronist seiner Zeit. Friedrich Stoltze, der trotz vieler Reisen Frankfurt immer als seinen Lebensmittelpunkt ansah, starb am 28. März 1891 ebendort. Sein Grab befindet sich auf dem Frankfurter Hauptfriedhof.
Als populärster Frankfurter Dichter und Schriftsteller nach Goethe hinterließ er zahlreiche Dichtungen, sowohl in hochdeutscher wie mundartlicher Sprache. Bis heute werden seine Stücke in Frankfurt aufgeführt und rezitiert.

Die Dauerausstellung zu Leben und Werk Friedrich Stoltzes ist im Stolze-Museum der Frankfurter Sparkasse
auf der Galerie im Kundenzentrum der
Frankfurter Sparkasse, Neue Mainzer Straße zu sehen.

 

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Die Ausstellung: „Strich im Kopf“ - Zeichnungen von Friedrich Stolze
ist noch bis zum 4. März 2016, ebenfalls auf der Galerie im Kundenzentrum der
Frankfurter Sparkasse zu sehen.

Öffnungszeiten: Mo, Di, Mi und Fr 9 Uhr bis 16 Uhr Do 9-18 Uhr, Eintritt frei

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