Teaser GallsutheaterZum Themenkomplex 100 Jahre Erster Weltkrieg gab es in Frankfurt am Main u.a. eine Ausstellung im His­torischen Museum, eine szenische Lesung und ein Theaterstück im Gallustheater.

 

 

Ausstellung Gefangene Bilder im Historischen Museum

 

Derzeit wird hitzig diskutiert, ob nun der Islam nach Deutschland gehöre ... oder nur ein bisschen ... oder eben gar nicht. Wie eine skurrile Anekdote mutet da an, was wir in der Ausstellung über das Schicksal der Kolonialsoldaten im ersten Weltkrieg erfahren können:

 

Die erste Moschee in Deutschland wurde vor genau hundert Jahren, nämlich 1915 erbaut und zwar von – wer hätte das gedacht – deutschen Militärs in einem Kriegsgefangenenlager südlich von Berlin, das im Volksmund „Halbmondlager" genannt wurde. In diesem Lager waren muslimische Soldaten aus den französischen Kolonien interniert, die mit Verlockungen und Drohungen dazu gebracht werden sollten, für das mit Deutschland verbündete Osmanische Reich zu kämpfen. 

kolonialsoldatenDiverse Vergünstigungen wurden den Gefangenen versprochen: Neben freier Religionsausübung durfte auch kulturelles Leben gepflegt werden und es gab sogar eine Lagerzeitung in arabischer Sprache. Dass diese Propagandaschrift dann ausgerechnet „El Dschihad" (Glaubenskampf) hieß, entbehrt aus heutiger Sicht nicht einer gewissen Komik. Es ist dann wohl doch eher eine Frage der jeweiligen Allianzen, ob man heilige Kriege als wünschenswert oder als Gefahr betrachtet.

 

Viele der Soldaten waren jedoch nur bedingt motiviert, für die eine oder andere Seite zu kämpfen, denn sie waren oft zum Kriegsdienst für ihre jeweiligen Kolonialherren zwangsrekrutiert worden. Ein Soldat aus Algerien oder Mali hatte eben – außer der Religionszugehörigkeit – mit dem türkischen Sultan noch weniger gemein als mit dem französischen Mutterland. Die Kriegsfreiwilligen verstanden sich zudem als französische Patrioten, die keineswegs gegen ihre ehemaligen Kameraden in den Krieg ziehen wollten.

 

Zumindest entwickelte sich das Halbmondlager im Laufe der Kriegsjahre zu einer Touristenattraktion. Hier konnten die Berliner ihren Kindern wie im Zoo die Exoten aus Übersee präsentieren. In der Öffentlichkeitsdarstellung wurden die schwarzen Soldaten wie wilde Tiere angesehen.

 

Lesung Man hat mich zum Weißen gemacht und Theaterstück Welt Krieg Schwejk im Gallustheater

 

Eine Begleitveranstaltung zur Ausstellung war die szenische Lesung in deutscher und französischer Sprache mit begleitender Musik am 21. und 22.01.2015 im Gallustheater unter dem Titel Man hat mich zum Weißen gemacht. Schauspieler lasen aus Briefen der Kolonialsoldaten und ein Musiker aus dem Senegal spielte dazu auf einer afrikanischen Harfenlaute, der Cora.

 

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Als einziges Theaterstück in Frankfurt zum Thema 100 Jahre Erster Weltkrieg  wurde ebenfalls im Gallustheater Welt Krieg Schwejk nach der Romanvorlage „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk" von Jaroslav Hasek gezeigt.

 

Regisseur Ulrich Meckler interpretierte die Figur des Schwejk, der sich dem Wahnsinn des Krieges zu entziehen versucht, anders als wir ihn aus den Filmen mit Fritz Muliar und Heinz Rühmann kennen.

 

Statt der allseits bekannten, geistig eher beschränkt und betont harmlos daher kommenden Witzfigur ist dieser Schwejk ein Subversiver, der mit der Taktik der Übererfüllung von Befehlen diese bewusst boykottiert und konterkariert. Um die weibliche Seite des Protagonisten in einer ihm völlig fremden hypermännlichen Soldatenwelt zu zeigen, wird die Romanfigur im Stück von einer Schauspielerin (Nicole Horny) dargestellt. 

 

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