Teaser Frankfurter BadBei der Besichtigung einer typischen Sachsenhäuser Altbauwohnung stand mitten in der riesigen Wohnküche eine historische Badewanne. Warum? Diese und weitere Kuriositäten möchten wir hier anschaulich beschreiben.

 

 

 

Das Frankfurter Bad – Baden und Waschen fand Ende des 19. Jahrhunderts meist in einem Zuber in der Küche statt. In der Küche spielte sich das gesamte familiere Leben ab und war zu dieser Zeit der MittelpunktFrankfurter Bad des Alltags, da dort meist einen Wasseranschluss vorhanden war. Die Toilette war meist im Zwischengschoss des Treppenhauses oder auch im Hof oder Garten, unbeheizt und schlecht belüftet. Somit war das Frankfurter Bad eine Form des damaligen Luxus und auch heute findet man dieses in vielen Altbauwohnungen noch. Freistehend, in Nischen oder Winkeln, auch in Speisekammern, wurde solch ein "Elementarteil" in der Küche verbaut. Manchmal offen oder auch nur mit einem Vorhang abgetrennt, war dies damals ein echter Fortschritt. Wer dann noch ein Wasserclosett in der Wohnung  sein Eigen nennen durfte, hatte schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts ein „modernes Heim“.

 

 

Frank. Küche kleinDie Frankfurter Küche – Die heutige Einbauküche, die in fast jeder Wohnung zu finden ist, geht zurück auf das 1926 von Ernst May initiiertes Projekt des „Neuen Frankfurts“. Mit der Frankfurter Küche entstand aus den Händen der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky die Urform eines modernen Küchenarbeitsplatzes: kompakt, alles schnell erreichbar, zeitsparend und Übersicht an einem Platz. Aus dem „Taylorismus“ (Optimierung von Arbeitsabläufen) sind in der heutigen Zeit Begriffe wie „taylor made“ (maßgeschneidert) und rationell (zweckdienlich) abgeleitet. Ziel war es damals, dass die Frau weniger Zeit in der Küche und dafür mehr für die Familie verbringen sollte. Aus der Standardküche, nur mit Ofen und Wasserstelle, wurde so die Frankfurter Küche. Eine oríginale Frankfurter Küche aus dieser Zeit ist in der Dauerausstellung im Museum für angewandte Kunst in der Präsentation „Elementarteile. Aus den Sammlungen...“ zu sehen.

 

 

Der Frankfurter Schrank – Ein besonders schöner und großer Schrank, der meist in den Dielen oder als Mittelpunkt des Wohnzimmers, nicht nur in Patrizierhäusern, zu finden war. Er07.06.2018 MAK 020 klein diente zur Aufbewahrung von Hauswäsche und Kleidern und war für viele das Prunkstück im eigenen Haushalt. Hochwertige schwere Hölzer, verbunden mit feinstem Schreinerhandwerk, aufwendiger Konstruktion (vollständig zerlegbar) und mit hochwertiger Schließtechnik wurden die ersten Schränke um 1650 gebaut und werden auch heute noch gebaut. Viele Arbeitsplätze wurden dadurch in Frankfurt und Umgebung geschaffen und ernährten so viele Familien. Heute kostet ein Frankfurter Schrank ein kleines Vermögen. Sehenswerte Modelle stehen u.a. im Römer, im Goethe-Haus oder im Höchster Bolongaropalast.

 

Bilder und Text: hom

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