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Vor 200 Jahren war Leitungswasser ungekocht ein gesundheitliches Risiko. Firmen und Fabriken richteten Verkaufsstellen für Wasser und Getränke ein: Die Geburtsstunde der Frankfurter Wasserhäuschen.

 

 

Bleirohre und Verunreinigungen im Leitungswasser waren für viele Frankfurter ein unzumutbarer Zustand. Viele Menschen erkrankten daran. Nachdem es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelang Mineralwasser (hessisch: Bitzelwasser oder Kliggerwasser) in Flaschen abzufüllen und so zu verschließen, dass der Gasdruck erhalten bleibt, entstanden die ersten Frankfurter Wasserhäuschen. Nach dem ersten Weltkrieg wurde wegen Wassermangel das Sortiment vor allem um Tabak, Schokolade, Obst und Zeitungen erweitert. Viele Kriegsinvaliden und Unterschichtler fanden damit eine Arbeit oder machten sich selbständig. Jedoch endete dies im Dritten Reich. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zur Renaissance und Wiederaufbau vieler dieser Anlaufstellen aus den Trümmern zerstörter Häusern. Da die Wasserhäuschen zu dieser Zeit keinen Ladenöffnungszeiten unterlagen, entstanden zeitweise bis zu 800 Buden.

 

Selbst abends und am Wochenende konnte man sich dort u.a. mit Lebensmittel versorgen, da die Tankstellen fast ausschließlich vom Kraftstoffverkauf lebten. Somit waren Wasserhäuschen in der Nachkriegszeit für dieWH mit Vespa Bevölkerung beliebt und notwendig, von der Obrigkeit aber meist gehaßt, da Lärm, fehlende Toiletten und „Stammgäste“ (meist alkoholisiert) die Anwohner und Geschäftsleute dazu brachten, über die Behörden gegen die Besitzer und deren Konzessionen für eine Verlängerung vorzugehen. Auch passten Sie nicht in das städtebauliche Konzept. Somit starben nach und nach die „Kleinode“ und Treffpunkte in den verschiedenen Stadtteilen. Was früher "unsere" Wasserhäuschen oder Kioske waren, sind heute Supermarkt-Konzerne.

 

Aktuell gibt es noch etwa 200 von Brauereien und Getränkeverlage verpachtete, teilweise architektonisch auffällige und einfach schönen Gebäuden, die im Frankfurter Stadtbild ihre Berechtigung haben und auch nicht wegzudenken sind. Heute sind sie Meeting Point, Einkaufsstätte, Zeitungskiosk und Tabak-Traffic sowie für den kleinen Snackimbiss ein Muss, aber auch die Kinder bekommen dort immer noch ihre „Knolle-Dudd“ für ein paar Cent.

 

Zu guter Letzt möchten wir sie noch auf eine bemerkenswerte Website aufmerksam machen: eine liebevolle, von "Wasserhäuschen"-Fachleuten gestaltete Seite über dieses Thema. Auf "Linie 11 -  Wir lieben Wasserhäuschen e.V." finden Sie einen Verein, der sich zur Aufgabe gestellt hat, Historisches zu bewahren und in die heutige Zeit zu verbinden. Solche "Denkmäler", so wie die Institution der Wasserhäuschen, sind ein Stück unserer Heimat. Nur wer dies nutzt, sichert das Überleben dieser Kleinode.

  

Bilder: xn-wasserhäuschen-hfb.eu / Archiv Radeberger Gruppe

 

Text: hom

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