RauscherWer Sachsenhausen kennenlernt, kommt nicht um den Namen „Fraa Rauscher“ herum. Nur wer war oder ist diese „Fraa Rauscher“? Hier eine kleine Exkursion in die Sachsenhäuser Vergangenheit.

 

 

Fraa (südhessisch für Frau) Rauscher ist eigentlich eine Anspielung auf den Namen des noch gärenden Apfelweins, hessisch „Ebbelwoi“, der in seiner jungen Form als „Rauscher“ bezeichnet wird. Rauscher entsteht durch die alkoholische Gärung, wenn nach dem Pressen der Saft der Äpfel den Prozess des „Süssen“ (Apfelsaft) durchschreitet und dann zum Apfelwein wird. Die Zeit zwischen Saft und Wein ist die Zeit des Rauschers. Vorsicht: bei zu viel Genuss vom Rauscher kann es zu Durchfall kommen (insbesondere in Verbindung mit „Zwiwwelkuche“, hochdeutsch Zwiebelkuchen).

Der Text des bekanntesten Frankfurter Ebbelwoi-Lieds handelt über den Beamteneifer in einer kuriosen Geschichte aus dem Jahr 1866. Es ereignete sich in der Frankfurter Klappergasse, als Frau Rauscher mit einer Beule am Kopf, auf der Straße liegend, angetroffen wurde. Ein übereifriger preußischer Polizist konstruierte daraus einen Kriminalverdacht und stellte bei seinen Ermittlungen die Frage, ob diese Beule durch Ihren Ehemann oder vom übermäßigen Genuss des Frankfurter Nationalgetränks kommt. Da dies am Folgetag im Polizeibericht der Frankfurter Zeitung abgedruckt war, sorgte es bei der Bevölkerung für große Belustigung. Und viele Jahre später inspirierte es den Frankfurter Grafiker Kurt Eugen Strouhs und den Redakteur und Schriftsteller Bert Häuser zu Text und Ton.

 

Hier der Originaltext:

Refrain:

„Die Fraa Rauscher aus de Klappergass, die hot e Beul am Ei,

ob’s vom Rauscher, ob’s vom Alde kimmt, des klärt die Bolizei.

 

Am Sonndag warn mer dribb de Bach, was hammer do gelacht,

so warn zwaa Eheleut beschleucht unn hawe Krach gemacht.

Uff aamal duds en dumpfe Schlag, die Fraa lieht uff de Gass

unn alle Kinner singe laut, des mecht en Heidespass:

Refrain...

 

En Griene hot den Fall geseh' un kimmt im Laafschritt aa.

Der Ehemann ruft ganz erschreckt, ich hab er nix gedaa!

Mei Alt, die kennt kaa Maß un Ziel, die hot zuviel gebaaft,

drumm hot der liewe Herrgott sie mit aaner Beul gestraft.

Refrain...

 

Jetzt gehts uffs Bolizeirevier, die Buwe hinerdrei.

Des is en intressanter Fall, des leucht doch jedem ei.

De Kommissar is ganz empeert un segt, des is doch doll.

Der Griene, wie sich des geheert, der gibt zu Protokoll:

Refrain...

 

Jetzt wärs genug, die Rauschern hat sich mit ihrm Mann versöhnt,

des kennt mer schon un is mer aach in solche Fäll gewöhnt,

doch so en beeser Zeitungskerl dut mehr als wie seine Pflicht,

am annern Dag stehts dick un braat im Bolizeibericht.

Refrain....“

 

Liedtext: Kurt Eugen Strouhs

Bild: Sven Rumbler

Text: hom

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