RiederhöfeWas aussieht wie eine bescheidenene Hofeinfahrts-Rekonstruktion für ein Mittelalterevent entpuppt sich bei genauerer Betrachtung von lokalhistorischer Wichtigkeit

 

 

 

so steht der Interessierte verblüfft und verwirrt vor diesem mehr als 500 Jahre alten Relikt Frankfurter Geschichte dessen Geringschätzung seitens der Öffentlichkeit, in Zeiten wo andernorts Millionen ausgegeben werden um Verlorenes wiederherzustellen, mehr als verwundern muss. Erfährt man dann, dass erst bei den Luftangriffen von 1944 der große Hof getroffen wurde und ausbrannte. Die Ruinen aber durchaus wiederaufbaufähig waren, dennoch abgerissen wurden um einem Lagerhaus zu weichen, mag man sich fragen warum man in jenen Jahren so brutal vorging. Es ist beschämend zumal in früherer Zeit den Höfen mehr Aufmerksamkeit und Rücksicht gewidmet wurde. Wer sich also wundert daß die Hanauer Landstraße genau dortend einen Knick nach links macht, würde in Erfahrung bringen, daß dies auf Betreiben des Denkmalpflegers Emil Padjera, Autor des Buches "Die bastionäre Befestigung von Frankfurt a. M." geschah, der sich erfolgreich gegen den Abriss einsetzte.

 

Die aus einem Hof hervorgehenden ursprünglich vier Riederhöfe bildeten zusammen eines der wehrhaften Gehöfte in Frankfurt am Main. Vom Riederhof ist heute nur noch der spätgotische Torbau (1492) des Großen Riederhofs nahe dem Ratswegkreisel an der Hanauer Landstraße erhalten. Das romanische Herrenhaus des Großen Riederhofs war im frühen 20. Jahrhundert der älteste bezeugte und noch erhaltene Profanbau Frankfurts. Die Ursprünge gehen höchst wahrscheinlich in die Römerzeit zurück und es wird vermutet, das dort eine Villa Rustica stand. 1193 werden der Hof erstmals urkündlich erwähnt, als König Heinrich VI. den Riederhof dem Frankfurter Schultheißen Wolfram I. schenkte. Um diese Zeit herum muss eine 1795 abgerissene Kapelle dort errichtet worden sein, die größte Ähnlichkeit mit der Kapelle am Saalhof aufweist. Auch der Grundriss und die Dimensionierung der errichteteten Bauten deckte sich weitestgehend mit den romanischen Teilen der staufischen Burg im Zentrum der Altstadt am Ufer des Mains.   

 

Die Besitzung war zunächst königlicher Meierhof und kam im Jahre 1216 an das Kloster Aulisberg (Haina), das ihn 1230 an das Kloster Arnsburg verkauft. Graf Ulrich II. von Hanau erwirbt 1321 den Riederhof und verkauft ihn 1324 an den Frankfurter Bürger Albrecht zum Eßlinger. der älteste und lange Zeit einzige Hof war der Hof 1, der das romanische Haus und die Kapelle enthält. Spätestens seit 1397 war auch Hof 2, spätestens seit 1419 Hof 3 und spätestens seit 1488 Hof 4 vorhanden. Die Riederhöfe wurden in der folgenden Zeit zu Wehrhöfen der Frankfurter Äcker umgebenden Landwehr ausgebaut. Hof 1 und 2 wurden zum großen Riederhof, Hof 3 und 4 zum kleinen Riederhof zusammengelegt. Auf dem Riederhof 1 befand sich eine Warte, die die Hanauer Landstraße und das angrenzende Hanauer Gebiet überwachte. 1476 wurde die Bornheimer Landwehr fertiggestellt.

 

Zwischen 1485 und 1492 verkauften diese Besitzer die Riederhöfe an das Hospital zum Heiligen Geist.  Der Rieder Wart- oder Schnappenmann, versah schon ab 1553 zugleich die Stelle eines Hospitalförsters. Von den fünf Warten, die am Ende des Mittelalters die Stadt umgaben, war die Rieder Warte hinter dem großen Rieder Hofe an der Hanauer Landstraße die unbedeutendste, weil sie keinen Turm hatte; sie wurde in den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts abgebrochen.

 

 

 

 

  

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