teaser klein bearbeitetMit einer Sonderausstellung ehrt das Frankfurter Caricatura-Museum den Maler, Illustrator, Karikaturisten, Dichter und letzten noch lebenden Mitbegründer der Neuen Frankfurter Schule.


 

 

Hans Traxler wurde in Böhmen geboren, kam in den fünfziger Jahren nach Frankfurt, wo er neben der Betätigung als Karikaturist ein Studium der Malerei an der Städelschule aufnahm. Zusammen mit Chlodwig Poth gründete er 1962 die Satirezeitschrift „Pardon“, für die er fortan Beiträge verfasste.


Schon mit seinem ersten Buch, das er 1963 veröffentlichte, erlangte er einen größeren Bekanntheitsgrad. Es war eine Wissenschaftsjournalismus-Parodie, die auf ein enormes Medieninteresse gestoßen ist. Unter einem PseudonymPersönlicherStil klein bearbeitet berichtete er in „Die Wahrheit über Hänsel und Gretel“ über angeblich neue und bahnbrechende Erkenntnisse in der Märchenforschung, die das geschilderte Geschehen real in die historische Zeit des 30-jährigen Krieges verorteten. Unterlegt wurden die schriftlichen Ausführungen mit gestellten Fotos von angeblich stattgefunden habenden Ausgrabungen und archäologischen Artefakten. Die völlig frei erfundenen „Forschungsergebnisse“ haben für einige Zeit den wissenschaftlichen Literaturbetrieb gehörig durcheinander gebracht. Ein japanischer Gerichtsmediziner bat um Übersetzungsrechte und sogar 18 ausländische Verlage bewarben sich um eine Lizenzausgabe, weil sie eine wissenschaftliche Sensation witterten. Als sich herausstellte, dass die ganze Posse auf reinen Erfindungen basierte, wurde Traxler schließlich sogar von einem humorlosen Anwalt wegen „Betrugs“ verklagt – freilich erfolglos. Das ganze Geschehen sollte als Vorlage für viele groteske Aktionen dienen, die in Zukunft von Mitarbeitern des Magazins „Titanic“ durchgeführt werden sollten.


Nach Erlangung der öffentlichen Aufmerksamkeit durch diese Aktion war Traxler ein langjähriger Mitarbeiter des engadin kleinSatiremagazins „Pardon“ und im Jahre 1979 Mitgründer des Nachfolgers „Titanic“. Dort war sein bleibender Beitrag die Kreation der – „Birne“ genannten Karikatur-Figur, die den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl persiflierte. Ab den 1980er Jahren verfasste Traxler zahlreiche Beiträge auch für die „ernsthafte“ Presse. Seine Bildergeschichten und Zeichnungen erschienen beispielsweise im Zeit-Magazin, in der FAZ und der Süddeutschen Zeitung.


Traxler ist ein ebenso guter Zeichner wie Texter. Beide Elemente bilden eine untrennbare Einheit. Die dargestellten Vorkommnisse bestehen meistens aus mehreren Bildern, die erst als Ganzes eine sinnvolle Abfolge bilden und eine zusammenhängende Geschichte erzählen. Das Erzählerische wird durch die gereimten Texte unterstrichen, die jedes Bild kommentieren und begleiten und Traxler als einen ausgezeichneten Dichter ausweisen. Neben urkomischen Bemerkungen finden sich auch hintersinnige Lebensweisheiten, die still und wohldosiert daherkommen.


Einen zentralen Platz in der derzeitigen Ausstellung nimmt eine autobiographische Bildergeschichte ein – gerade erst in diesem Jahr erschienen – die sich mit der Kindheit des Autors während der Nazi-Zeit und während des Krieges beschäftigt. Nach vielen komischen Verwicklungen und Turbulenzen in dieser doch gar nicht so ausgelassenen und fröhlichen Zeit endet sie mit der Sentenz: „Da war meine Kindheit zu Ende“ – eine endgültige Einsicht in die Tragik des Lebens.


Die Vielseitigkeit Traxlers ist beeindruckend. Neben elche kleinBleistift-Porträts von Kollegen und einigen Aquarellen sind in der Ausstellung auch mehrere Impressionen vom Oberengadin zu sehen, die er in Öl in freier Natur gemalt hat. Er betätigte sich auch als Buchillustrator. Vor dem Museum ist dauerhaft eine Elch-Skulptur angebracht – das Maskottchen und Erkennungszeichen der satirischen Neuen Frankfurter Schule. Auch sie ist sein Werk.


Die Ausstellung blickt auf ein langes und erfülltes schöpferisches Leben, einen Künstler, dessen Zahl an veröffentlichten Werken schier unüberschaubar ist und würdigt einen der letzten Grandseigneurs seines Fachs. Die Ausstellung ist noch bis zum 22. September geöffnet.

 

 

CARICATURA MUSEUM FRANKFURT
Museum für komische Kunst
Weckmarkt 17
60311 Frankfurt am Main

 

Öffnungszeiten:
Mo – geschlossen
Di – So 11 – 18 Uhr
Mi – 11 – 21 Uhr

 

September 2019
Text: pis
Fotos: bek

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