Noten Klaviertrio bearb

Clara Schumanns Leben hat viele Facetten: Musikalisches Wunderkind, Klaviervirtuosin, Ehefrau, Witwe, Mutter, Kompo­nistin, Heraus­geberin, Musikpädagogin, Gastgeberin eines Salons.

 


All dies lässt sich in der Ausstellung „Clara Schumann – Eine moderne Frau im Frankfurt des 19. Jahrhunderts“ verfolgen. Denn zu ihrem 200jährigen Geburtstag ehrt das Institut für Stadtgeschichte die Musikerin Clara Schumann, geb. Wieck. Ihre letzten Lebensjahre hat diese für das 19. Jahrhundert erstaunlich moderne Frau in Frankfurt verbracht, wo sie das kulturelle Leben der Stadt mitgestaltet hat.


In der Schau erfährt man, wie Clara Schumann oft gezwungen war, mehrere Rollen gleichzeitig auszufüllen, um ihren Weg in einer von Männern dominierten Welt zu finden. Selbst für heutige Maßstäbe sind ihre Stärke und ihr Mut beeindruckend, mit denen sie ihr von Schicksalsschlägen geprägtes Leben gemeistert hat. Heute würde man sagen, sie sei darin pragmatisch und lösungsorientiert vorgegangen und hat es verstanden, sich ein funktionierendes Netzwerk zu schaffen. So hat sie sich den Rat des Frankfurter Psychiaters Heinrich Hoffmann wegen ihres kranken Sohnes Ludwig eingeholt. Auch ihre vielfältigen Tätigkeiten in der Musikbranche sind heute noch wegweisend. Ihr Weg vom gefeierten Wunderkind zur geachteten Starpianistin ist damit längst nicht abgeschlossen gewesen. Nach dem Tode Robert Schumanns hat sie die Werke ihres Mannes herausgegeben und als Musikpädagogin „Erste Klavierlehrerin“ am neu gegründeten Dr. Hoch’s Konser­vatorium in Frankfurt gearbeitet. Dort hat sie einen Zirkel bedeutender Kunstschaffender gegründet. In die­sen musik­alischen Abendgesellsch­aften haben auch ihre Schüler wichtige Netzwerke geknüpft.


Ihr Leben hat 1819 in Leipzig vielversprechend begonnen. Die kleine Clara ist von ihrem Vater musikalisch in mehreren Instrumenten unterrichtet worden und schnell hat sich ihre außergewöhnliche Begabung gezeigt. Früh hat sie ihre Liebe zum Klavier entdeckt und bald hat sie als ein Wunderkind gegolten, das in den gesellschaftlichen Salons in ganz Europa bewundert und gefeiert worden ist. Eine Jugendliebe zu Robert Schumann, den sie mit 16 Jahren kennengelernt und mit 21 geheiratet hat, hat diese Lebensphase schnell beendet. Mit der heimlichen Verlobung und anschließender Flucht ist es ihr gelungen, der strengen Aufsicht des besitzergreifenden Übervaters zu entkommen. Dieser ist gegen die Beziehung seiner Tochter zu dem neun Jahre älteren, noch weitgehend unbekannten und dazu mittellosen Komponisten gewesen.


Auf die anschließende Heirat haben nur wenige glückliche Ehejahre gefolgt. Sie hat in dieser Zeit acht Kinder bekommen und obwohl sie immer noch Konzertreisen unternommen hat, ist sie zunehmend in ihrer neuen Rolle als Mutter und Gattin gefordert worden. Zudem hat sich der Gemütszustand ihres Mannes zu verdüstern begonnen. 1854 ist er in selbstmörderischer Absicht in den Rhein gesprungen und hat sich nach diesem Vorfall nicht mehr erholt. Einige Monate später hat Clara ihr achtes Kind auf die Welt gebracht, während Robert in eine psychiatrische Anstalt gebracht wurde, wo er zwei Jahre später gestorben ist. Nun ist sie gezwungen, den Haushalt alleine zu führen und für den Unterhalt der ganzen Familie zu sorgen. Sie hat ausgedehnte Konzertreisen unternommen, wenn sie diese auch zunehmend als beschwerlich und anstrengend empfunden hat. Auch zu dieser Zeit ist sie von weiteren Schicksalsschlägen nicht verschont geblieben. Vier Kinder werden noch vor ihrem Lebensende gestorben sein, ein Sohn ist geisteskrank geworden.


Nach so vielen künstlerischen Triumphen und menschlichen Tragödien hat sie sich 1878 in Frankfurt niedergelassen und mit Hoffnung auf eine Stabilisierung damit das letzte 100 DM Schein baarb Kapitel ihres Lebens eröffnet, das noch fast zwei Jahrzehnte dauern werden wird. Zu dieser Zeit hat sie sich als Musikpädagogin am neu gegründeten Dr. Hoch's Konservatorium betätigt, das zur renommierten Musikschule für viele später berühmte Musiker und Komponisten werden wird. Es ist vom Vermögen eines Stifters gegründet worden, der einer seit Generationen in Frankfurt ansässigen Familie angehört hat. Die Musikakademie ist eine musikalisch-künstlerische Ausbildungsstätte für alle Altersstufen geworden und besteht bis heute. Die Deutsche Bundesbank hat deren Bedeutung auf der letzten 100-DM-Banknote gewürdigt, indem sie auf der Rückseite das ursprüngliche Gebäude in der Eschersheimer Landstraße 4 dargestellt hat. Heute steht an dieser Stelle das Gebäude des ehemaligen Volksbildungsheims, in dem sich ein Multiplex-Kino (CineStar Metropolis) befindet. Auf der Vorderseite der ab 1990 bis 2001 ausgegebenen Banknote ist Clara Schumann abgebildet gewesen.


In Claras Haus in der Myliusstr. 23 im Westend haben regelmäßige Treffen mit befreundeten Adligen und Künstlern stattgefunden, die das kulturelle Leben im damaligen Frankfurt geprägt haben. Auch Johannes Brahms hat sie dort besucht. Er hat sie als junger Mann bei Besuchen des Schumann-Ehepaars kennengelernt und ist alsbald in schwärmerischer Liebe zu der 14 Jahre älteren Clara entbrannt, die sie aber auf dieser Ebene nicht erwidert hat. Gegenseitige Achtung und tiefe Freundschaft haben aber ein Leben lang Bestand gehabt. Zu den weiteren Besuchern hat auch Franz Liszt, mit dem Clara sehr lebhafte Diskussionen über die prinzipielle Werktreue von musikalischen Werken geführt hat, gehört. Als Liebling der Salons hat er weltmännisch die Kompositionen als Anlass und Ausgangspunkt für die Demonstration eigener Virtuosität am Klavier genutzt, sie aber als Herausgeberin der Werke ihres Mannes und Bewahrerin der absoluten Werktreue die Auffassung vom Primat des Komponisten gegenüber dem Interpreten vertreten.


Clara Schumann ist 1896 an einem Schlaganfall gestorben. Damit hat sie ihren Gatten um 40 Jahre überlebt. Von einem schwarzen Wagen ist ihr Sarg durch die Mylius- und die Lindenstraße zum Bahnhof gefahren, dann verladen und mit der Bahn nach Bonn gebracht worden, wo sie neben ihrem Mann bestattet worden ist. Johannes Brahms hat drei Hände voll Erde in die Gruft geworfen – ein knappes Jahr später ist auch er gestorben.
Büste Clara Schumann bearbDer Aufbau der sehenswerten Ausstellung im Karmeliterkloster spiegelt das Leben der Protagonistin in mehreren Stationen wieder. Mit Hilfe von Bildern und Gegenständen wird jede ihrer Lebensphasen dargestellt. Über Kopfhörer können Musikstücke aus der jeweiligen Schaffensperiode angehört werden. Parallel dazu wird die Entwicklung der Stadt Frankfurt in damaliger Zeit dokumentiert. Ein Exponat sticht besonders hervor: eine imposante Büste zeigt Clara Schumann als eine reife Frau, die viel erlebt und erlitten hat, melancholisch, vergeistigt, dennoch voll innerer Kraft und mit Augen, die nach innen schauen und zurückblicken.

 

Die Ausstellung kann kostenfrei noch bis zum 26. Januar 2020 besucht werden.

 

INSTITUT FÜR STADTGESCHICHTE IM KARMELITERKLOSTER
Münzgasse 9
60311 Frankfurt am Main

 

Öffnungszeiten:
Mo-Fr 10 – 18 Uhr
Sa,So 11 – 18 Uhr

 

August 2019
(pis)

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