0aaTeaserUniformen2Lieben Sie Agatha Christie oder Sherlock Holmes? Ein absolutes Muss für alle Krimifans ist das leider weithin unbekannte „Kriminalmuseum“.

 

 

  

Als wir davon erfuhren, dass es in Frankfurt ein „Kriminalmuseum“ gibt, waren wir sofort neugierig und meldeten uns umgehend für eine Gruppenführung an. Dieses Museum der etwas anderen Art konnten wir uns nicht entgehen lassen.

 

Was umgangssprachlich „Kriminalmuseum“ genannt wird, ist genau genommen die „kriminaltechnische Lehrmittelsammlung des Polizeipräsidiums Frankfurt“, welche bereits 1920 gegründet wurde. Diese diente ursprünglich nur der Aus-und Fortbildung von Polizei und Justiz, ist jedoch seit 2002 auch der Öffentlichkeit zugänglich, allerdings nur im Rahmen von vorher angemeldeten Führungen.

 

Also los geht’s! Mit der U-Bahn fahren wir zur Haltestelle Miquel- /Adickesallee. Sobald man aus dem Untergrund hoch ans Tageslicht kommt, erblickt man sofort den massigen Gebäudekomplex des Polizeipräsidiums. Zwischen 1998 und 2002 wurde auf dem Gelände des PX Shopping Centers der amerikanischen Streitkräfte für 267 Millionen Euro dieses gigantische Bauwerk geschaffen, das einen kompletten Straßenblock zwischen vier Straßen vollständig ausfüllt. Der rechteckige Grundriss hat Kantenlängen von 240 mal 140 Metern. Durch die Strenge der langen, monotonen Fassadenfronten, die kaum aufgelockert werden, wirkt das Gebäude eher einschüchternd auf den Betrachter, der sich gegenüber von dieser Stein gewordenen Machtdarstellung eher klein vorkommt.

 

0aaGesichtsrekonstruktionAber wir lassen uns nicht verängstigen und betreten mutig das nüchterne Foyer des Polizeipräsidiums, wo wir dann von einer netten Dame freundlich empfangen werden, die sich uns als leibhaftige Kriminaloberkommissarin vorstellte und uns anschließend durch das Kriminalmuseum führte. Vorbei geht es an einer Vitrine mit dekorativen alten Uniformen. Dann müssen wir in den Untergrund, genau genommen ins erste von zwei vorhandenen Untergeschossen. Ein Problem für Gehbehinderte, besonders aber für Rollstuhlfahrer ist, dass es als Alternative zur Treppe nur einen zwar irgendwo vorhandenen, aber ziemlich weit entfernten Aufzug gibt. Wir versammeln uns dann unten in der sogenannten Rotunde, dem Vorraum zum eigentlichen Kriminalmuseum.

 

In der Rotunde wird auf Schautafeln die Geschichte der Frankfurter Polizei von den Preußen über die Kaiserzeit, Weimarer Republik und Nationalsozialismus hinweg bis in die Nachkriegszeit dargestellt und mit alten Uniformen illustriert. Unsere Kriminaloberkommissarin erzählt uns die Geschichte vom Polizeimeister Otto Kaspar. Erst 1978 erfuhr die Öffentlichkeit, dass dieser Mann in der Nazizeit viele Juden rettete, u.a. indem er die Geburtsurkunden umschrieb.

 

Dann geht es erst richtig los. Wir betreten den eigentlichen Ausstellungsbereich mit seinen Vitrinen und historischen Exponaten. Dabei begegnen wir auch aufsehenerregenden Frankfurter Kriminalfällen, wie dem Hammermörder, der 1990 sechs Obdachlose ermordete.

 

Die Ermordung der Edelprostituierten Rosemarie Nitribitt im Jahre 1957 ging durch alle deutschen Medien. Der Fall der auffallend eleganten Lebedame ist bis heute ungeklärt. Es wurde wohl eher ungenau recherchiert. Vielleicht auch weil viele prominente Persönlichkeiten Kunden von ihr waren. Als Beruf gab die sie Mannequin an. Sie erregte in Frankfurt Aufmerksamkeit, wenn sie neben ihrem weißen Pudel „Joe“ am Steuer ihres eleganten, schwarzen Mercedes-Sportcabrios auf den roten Ledersitzen saß. Der letzte Besitzer des SL 190 war der Modeschöpfer Karl Lagerfeld, der damit einen Unfall mit Totalschaden verursacht haben soll, woraufhin er nie wieder ein Auto selbst steuerte.

 

Ihr faszinierendes Leben wurde verfilmt und lieferte jede Menge Stoff für Dokumentationen und Bücher. Das Haus in der Stiftstraße, in dem sie wohnte und letztendlich erdrosselt wurde, steht auch wegen diesem berühmten Kriminalfall mittlerweile unter Denkmalschutz.

 

Schaurige Ausstellungsstücke sind an dieser Stelle die in Gläsern eingelegten Hände eines der damals Tatverdächtigen. Da dieser Mann bereits gestorben war, ließ man ihn exhumieren. Es gibt also auch einiges zum Gruseln in diesem Museum. Menschen mit schwachen Nerven sollten an manchen Stellen besser nicht so genau hinschauen. Wem schwarz vor Augen werden sollte, für den stehen aber auch ein paar Stühle bereit.

 

Bis vor ein paar Jahren wurde hier im Kriminalmuseum auch noch der Schädel der Nitribitt aufbewahrt, der erst 2007 zur Beerdigung freigegeben wurde.

 

0aaDrogen2Desweitern begegnen wir in der Lehrmittel- sammlung verschiedenen Einbruchswerk- zeugen, werden konfrontiert mit unter- schiedlichen Methoden, mit denen die als „Schränker“ bezeichneten Tresorknacker Safes aufbrechen, erblicken allerlei Falsch- geld und werden aufgeklärt über Drogen. Wir sehen, welche, heutzutage als harmlos empfundene Darstellungen, in den 50er Jahren als Pornographie verfolgt wurden, erschrecken über die Darstellung autoerotischer Unfälle, bestaunen einen der früher gebräuchlichen Fingerabdrucktische und aus Gründen des Artenschutzes konfiszierte Gegenstände.

 

Ausführlich und strukturiert informiert die sachkundige Museumsführerin uns über die Ausstellungsstücke, erläutert die Hintergründe dazu und beantwortet ganz geduldig unsere zahlreichen Fragen.

 

Wir erfahren auch einiges über die Ausstattung der Polizisten. So entdecken wir neuere und ältere Uniformen, verschiedenerlei Helme, Schlagstöcke und Schutzschilder, Hand- und Fußfesseln, sowie deren Vorläufer die „Knebelketten“. Von der Polizei benutzte Handfeuerwaffen können wir in die Hand nehmen und staunen darüber, wie schwer die Dinger sind. Damit niemand die Waffen mitnimmt, sind diese sicherheitshalber an einem Tisch angekettet. Auf Munition hat man zum Glück auch verzichtet.

 

Zum Abschluss schließt uns unsere Kommissarin dann noch das Allerheiligste des Museums auf, die Waffenkammer, in der allerlei von der Polizei konfiszierte Waffen aufbewahrt werden. Unter einem monströsen Maschinengewehr sind etliche zierliche kleine dekorative Mini-Pistolen ausgebreitet, Glanzstücke für jede elegante Handtasche. Kleiner als erwartet ist die mit anderen Schnellfeuergewehren zusammen ausgestellte berühmte Kalaschnikow. Erstaunlich die Vielfalt der ausgestellten Waffen, von Uralt-Pistolen bis hin zu Wurfsternen, Schlagringen und Butterflymessern.

 

Adresse:

Kriminalmuseum Frankfurt

Kriminaltechnische Lehrmittelsammlung des Polizeipräsidiums Frankfurt

Adickesallee 70

60322 Frankfurt

Telefon: 069 75582008

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Anfahrt:

Mit U1, U2, U3 und U8 bis Miquel-/ Adickesallee

 

Text: huh / vol

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