Victor Man – die Linien des Lebens

Grünblaues Gemälde von Victor Man eines Frauenkopfes der auf einem Kissen liegt
Victor Man, Girl in Love With a Wound, 2020/21 © VG Bild-Kunst, Bonn 2023 Foto: Stefan Korte Courtesy of the artist & Galerie Neu, Berlin

Dunkle, geradezu grün fluoreszierende Bilder. Teilweise leuchtet es rot oder blau aus dem Dunkeln heraus. Das sind die Portraitgemälde des Victor Man. Diese ungewöhnlichen, aber dennoch vertraut wirkenden Bilder präsentiert das Frankfurter Städel in einer besonderen Ausstellung. Um die volle Wirkung der Gemälde zu gewährleisten, befinden sich die Bilder in abgedunkelten Räumen, damit Mensch und Auge sich ganz auf die Kunstwerke einlassen können.

Dem Wunsch Victor Mans entsprechend, hängen seine Werke zwischen denen der alten Meister der letzten 700 Jahre. Auch wenn seine ausgestellten Arbeiten erst in den letzten 10 Jahren entstanden sind, fügen sie sich doch perfekt zwischen die altehrwürdigen Arbeiten dieser Künstler ein – hatten doch ihre Stile und Kompositionssprache einen großen Einfluss auf Mans eigene Bildsprache. Dennoch vermitteln seine Portraits ihren ganz eigenen Ausdruck, eigentümlich vertraut und doch neu zugleich.

Der Künstler Victor Man

Victor Man, Self as the Man of Sorrows, 2021 © VG Bild-Kunst, Bonn 2023, Courtesy of the artist & Galerie Neu
Foto: Stefan Korte

Der 1974 geborene Rumäne, der heutzutage sowohl in seiner Geburtsstadt Cluj (Transsylvanien) als auch in Rom arbeitet, wuchs unter der Diktatur des Kommunisten Ceausescu auf. Er studierte an der Academia de Arte Plastice Ioan Andreescu und machte dort 2004 seinen Bachelor of Fine Arts. Zwischendurch, von 2000 bis 2004, studierte er in Jerusalem, während er im Konvent des dortigen Klarissenordens lebte und im Klostergarten malte. Victor Man gilt als ein Künstler, der sich nach außen hin bedeckt hält und durch sein langsames, methodisches Vorgehen jährlich nur wenige Werke erschafft. Sein derzeitiger Stil trägt das künstlerische Erbe alter Meister, aber mit einer eingeschränkten, primär dunklen Farbpalette. Hier und da durchbricht eine sorgfältig gewählte helle oder saturierte Farbe die Dunkelheit – dadurch erreichen Mans Bilder eine traumartige Qualität. Zusammen mit den gestalterischen Techniken seiner Malerei eröffnet sich dem Publikum ein kurios nostalgischer Eindruck.

Die Linien des Lebens

Victor Man, The Chandler, 2013 © VG Bild-Kunst, Bonn 2023
Foto: Mathias Schormann, Courtesy of the artist & Gladstone Gallery

So wie sein Malstil klassische Techniken und Ausdrucksformen der Malerei referenziert, so finden sich auch Verknüpfungen zur Literatur und Lyrik: sei es wie hier der Titel der Ausstellung Die Linien des Lebens, sei es in den Bild(unter)titeln oder kleinen “Eastereggs” in den Bildern selbst, wie zum Beispiel Anspielungen auf Szenen aus Büchern. Daneben finden sich Motive aus seinem Vertrautenkreis und seinen Erinnerungen, wie etwa seine Heimatstadt.

Victor Man, Self with Father, 2017 © VG Bild-Kunst, Bonn 2023
Foto: Mathias Schormann, Courtesy of the artist


Eine Anspielung auf literarische Werke ist die Bildserie “The Chandler” (Der Kerzenmacher): acht Gemälde, die einander ähneln, aber sich dennoch subtil unterscheiden. Alle zeigen eine sitzende Person, deren Abbildung jedoch am Hals endet. In ihrem Schoß hält sie einen abgetrennten Kopf – jeder Kopf ein wenig anders als der vorherige. Diese Bilderserie ist von Virginia Woolfs Roman Orlando inspiriert – sei es durch die Szene des jungen Orlando, der das Köpfen von Feinden mit dem Schwert nachspielt, oder die verschiedenen Epochen der Zeitgeschichte, die Orlando in 300 Jahren durchlebt.

Wer auf die Kunstwerke Victor Mans neugierig geworden ist, kann sie noch bis zum 04. Februar nächsten Jahres im Städel Museum bewundern.

paw 11/2023

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