Pflegenotstand: Sind Pflegeroboter die Lösung?

In Deutschland leben aktuell über zwei Millionen pflegebedürftige Menschen. Und die Zahl wächst rasant weiter. Im Jahr 2030 werden wir über drei Millionen Pflegebedürftige haben, schätzt das Statistische Bundesamt. Händeringend werden Pflegefachkräfte gesucht. Aber gerade diese sind Mangelware. Können da Pflegeroboter helfen?

Roboter mit Sensorik kommen in der Automobilindustrie oder Lagerlogistik bereits sehr oft zum Einsatz. Allein in den Logistikzentren des Onlinehändlers Amazon in den USA sind fünfzehntausend Roboter im Einsatz. Und das Einparken am Düsseldorfer Flughafen wird von Robotern ausgeführt. Am Düsseldorfer Flughafen ermöglicht das moderne Roboterparken den Passagieren eine schnelle Abgabe ihres Fahrzeuges für die Dauer ihrer Reise. In Deutschland denkt man über selbstfahrende Autos für die Lieferung von Paketen nach. In Japan werden Roboter als Helfer*innen in Shops und Supermärkten eingesetzt, um Kund*innen mehr Service anzubieten. Das ist sehr hilfreich für die Kund*innen, sie bekommen Informationen über Produkte und können Verkaufsgespräche mit den Robotern führen.

Roboter werden in vielen Wirtschaftszweigen eingesetzt. Solange sie keine menschenähnlichen Züge haben, nutzen wir sie als Helfer. Staubsaugerroboter wurden auch am Anfang infragegestellt. Heute sind sie in vielen Haushalten im Einsatz und man kann sie kinderleicht bedienen. Auch sehr praktisch sind Rasenmäher-Roboter, mit diesen können Sie im Vorfeld programmieren, wann und wie oft der Rasen gemäht werden soll. Dann können Sie entspannt für zwei Wochen in den Urlaub fahren und der Roboter erledigt den Rasen für Sie.

Werden Roboter unser Leben verändern?

In Japan übernehmen Roboter auch körperlich anstrengende Aufgaben im Pflegebereich. Sie können zum Beispiel alte Menschen vom Bett in den Rollstuhl heben, sie umbetten oder umdrehen. Man arbeitet daran, Roboter auch in Krankenhäusern oder Pflegeheimen einzusetzen. Um das zu ermöglichen müssen praxistaugliche und bezahlbare Technologien erforscht und weiterentwickelt werden.

In Deutschland sind Roboter als Helfer noch nicht im Einsatz. Aber das kann sich in absehbarer Zeit ändern. Vor allem in Krankenhäusern und Pflegeheimen wären sie sehr sinnvoll und würden die Arbeit von Pfleger*innen um ein Vielfaches erleichtern. Laut einer Umfrage im Auftrag der Bundesregierung können sich 83 Prozent der Bürger*innen vorstellen, einen Serviceroboter zu Hause zu haben, wenn sie dadurch im Alter in den eigenen vier Wänden wohnen könnten. 80 Prozent würden eine Unterstützung durch Roboter im Haushalt begrüßen. Und 76 Prozent sind davon überzeugt, dass Roboter in Zukunft eine wichtige Rolle in unserem Alltag spielen werden.

Ein interessantes Pilotprojekt findet im Pflegeheim Marienheim in Siegen-Weidenau statt. Dort kommt probeweise eine Roboterfrau zum Einsatz. Sie wird liebevoll Paula genannt und ist sehr beliebt. Ihre Körpergröße beträgt 1,20 Meter und sie hat ein Gewicht von 30 Kilogramm. Die Bewohner werden von Paula unterhalten. Sie ist auf zehn Sprachen programmiert und kann somit auch in Fremdsprachen kommunizieren. Auf ihrem großen Display kann man auswählen, was sie machen soll. Zum Beispiel stehen verschiedene Spiele zur Auswahl, wie Tiere raten. Dazu kann sie ihre Hände bewegen und Geräusche von Tieren nachahmen. Die Senior*innen müssen dann das Tier erraten. Bei einer richtigen Antwort werden sie mit “gut gemacht” gelobt. Die Bewohner sind auch begeistert, wenn Paula Musik spielt und für Unterhaltung sorgt. Sie kann ihren Kopf und die Hände bewegen und zur Musik tanzen. Es entsteht eine angenehme Atmosphäre, Einsamkeit und Langeweile haben da keinen Platz. Als Paula zum ersten Mal eingesetzt wurde, waren die Bewohner*innen sehr interessiert und neugierig, was sie alles kann. (Forsa Umfrage im Detail)

Im Kopf und an den Händen von Paula stecken Sensoren, damit sie hören, sprechen und Emotionen erkennen kann. Der Roboter wurde ursprunglich in Frankreich entwickelt, wurde danach an ein japanisches Unternehmen verkauft und landete schließlich an der Universität Siegen. Der dortige Wissenschaftler, Dr. Rainer Wieching begleitet die Roboterfrau Paula um herauszufinden, welche Bedürfnisse der Menschen in Pflegeheimen von Robotern erfüllt werden können.

“Wir brauchen langfristig betrachtet Roboter, denn der Fachkräftemangel in der Pflege kann sonst nicht gedeckt werden.”

Marc Specht, Marketing-Leiter der Firma BoS&S Software

Können Roboter Pfleger ersetzen?

Eindeutig nein, sie sollen die Pflegekraft nicht ersetzen, sondern lediglich als Unterstützer zum Einsatz kommen und somit das Personal entlasten. Ziel ist es, den Pflegekräften mit dem Einsatz von Robotern als Helfer mehr Zeit zu verschaffen. In Zukunft könnten sie zunehmend mehr Routineaufgaben übernehmen. So kann das Personal mehr Zeit für Gespräche oder Spaziergänge einplanen.

Gefördert aus Mitteln der Stadt und des Jobcenters Frankfurt am Main

  

 

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