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An einem Donnerstag gingen wir von der GFFB Stadtteil-und Kulturarbeit, zu dem ersten öffentlichen Bücherschrank am Merianplatz im Nordend.

 

 

   

CAM00101In vielen Stadtteilen stehen "offene Bücherschränke", die das kostenlose Austauschen, Ausleihen und Verschenken von Literatur ermöglichen. Die Bücherschränke sind rund um die Uhr geöffnet und jeder kann lesenswerte Bücher hineinstellen oder mitnehmen. Der erste "offene Bücherschrank" steht seit November 2009 am Merianplatz. Die Idee dazu hatte ein Ladenbesitzer eines „Copy Arte“ Geschäftes. Angefangen hat es vor über zehn Jahren mit einer Bücherkiste in seinem Copyshop. Er stellte sie auf als er Passanten und Nachbarn dabei beobachtete, wie sie Bücher ins Altpapier warfen. Er ist nach eigener Aussage auch derjenige, der die Idee damals als Erster an den Magistrat herangetragen hat. Ein Vorreiter, der die Welle ins Rollen brachte. Für ihn ist der Schrank, an dem er täglich über hundert Menschen beim Stöbern und Einräumen beobachtet, mehr als Stahl und Glas. Sein Ziel war es, die Freiheit von Literatur zu unterstreichen und diese auf offener Straße zugänglich zu machen. Er war Teil des Projekts "Vernetzte Spiel- und Begegnungsräume", das mit Bundesmitteln gefördert wurde. In zahlreichen Stadtvierteln sind seitdem weitere "offene Bücherschränke" hinzugekommen und die jeweiligen Örtlichkeiten sind beliebte Treffpunkte und Orte der Begegnung. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Passanten zu interviewen, die diesen Bücherschrank nutzen. Die meisten der Befragten kamen aus der näheren Umgebung. Sie finden, dass es eine prima Idee war, solche Schränke aufzustellen. Die erste Passantin, die wir zu einem Interview baten, war ganz begeistert: „Man nimmt Bücher mit, die man lesen möchte, und stellt nach Bedarf wieder andere hinein.“ Abends kommen auch gewerbliche vorbei und schauen was Sie noch verkaufen können. Der nächste Passant der von uns angesprochen wurde, fand, dass die Leute die zu diesem Bücherschrank gehen, sehr kommunikativ sind und man kommt untereinander schnell ins Gespräch. Die Vielfalt der eingestellten Bücher ist sehr unterschiedlich. Man findet von Literatur, Fachbücher, Naturkunde und natürlich auch Kinderbücher alles, was das Leserherz begehrt. Andere Befragte sind mehrmals in der Woche an diesem Schrank, wenn Sie gerade beim Einkaufen sind. Der nächste Passant kam aus Rumänien und interessierte sich hauptsächlich für Natur- und Landschaftsbücher. Literatur und Romane interessierten ihn eher weniger. Er stelle auch fremdsprachige Bücher hinein. Außerdem gehören ausrangierte Bücher nicht in die Papiertonne, sondern in die Bücherschränke, so sagte er. Eine andere Befragte meinte, dass manchmal Kisten voller Bücher vor dem Schrank stehen, weil diese aus Platzmangel nicht mehr hineinpassen. Die letzte befragte Passantin kommt selbst aus der Buchbranche und sagte zu uns, dass viele alte Bücher nicht mehr aktuell sind. Aber der Herr aus dem Copyshop, der Schrankpate, kümmere sich um die Bücher und sortiere sie auch aus. Die Schränke stehen auch in keiner Konkurrenz zu den Buchhandlungen und Antiquariatsläden. Und mit diesem Satz endete unser Interview am Merianplatz.

 

Text: pet