Historisches Frankfurt: Frankfurts alte Türme

Escheinheimer Turm, GffB gGmbH

Auch wenn Frankfurt heutzutage von den Türmen der Finanzwelt geprägt ist, stehen hier und da noch Relikte aus der Renaissance, die von den Plänen zur Schleifung der Frankfurter Befestigungsanlagen verschont blieben: der Eschenheimer Turm, der Rententurm, sowie der Kuhhirtenturm. Daneben stehen auch noch 4 der Landwehrtürme, welche außerhalb der Stadtmauern lagen.

Wer an die Skyline Frankfurts denkt, wird sie dort nicht finden – die standhaften Türme, die über die Stadtbevölkerung wachten.

Inhaltsangabe

Die 3 Wehrtore Frankfurts

Das Eschenheimer Tor
Der Rententurm
Der Kuhhirtenturm

Die 4 Türme der Landwehr

Bockenheimer Warte
Friedberger Warte
Gallus Warte
Sachsenhäuser Warte

Die 3 Wehrtore Frankfurts

Eschenheimer Turm, GffB gGmbH

Während es aus der spätkarolingischen und frühmittelalterlichen Zeit nur noch Reste in Ausgrabungen, beziehungsweise Teilstücke wie die Staufenmauer am Main, erhalten sind, bestehen von der dritten Wehranlage noch drei Tortürme. An Namen wie Allerheiligentor lässt sich erkennen, das es früher noch weitaus mehr Türme in der Stadt gegeben hat.

Das Eschenheimer Tor

Der heute stehende Turm ist tatsächlich schon der zweite Eschenheimer Turm. Seine Grundsteinlegung fand Anfang des 15. Jahrhunderts statt, nachdem in diesem Jahr der alte Turm abgebrochen wurde. Bis 1426 existierte der Turm nur als stadtmauerhoher Torbau und erhielt dann innerhalb von zwei Jahren im Grunde seine heutige Gestalt.
Der ursprüngliche Eschenheimer Turm wurde amüsanterweise ziemlich exakt 100 Jahre vorher, während der Stadterweiterung, im Spätmittelalter gebaut und fertiggestellt.
Ab 1804 wurde mit der Schleifung der Befestigungsanlagen begonnen, auch der Abriss des Eschenheimer Turms war geplant gewesen, wurde jedoch durch den Einspruch des damaligen Gesandten der französischen Besatzungsmacht nicht vollzogen. Bis 1875 gab es immer wieder Anträge das Gebäude abzureißen. Entfernt wurde jedoch nur 1864 seine barockes Torgebäude, den er im Umbau der Stadtverteidigung zu einer modernen Festungsanlage um 1628 herum erhielt. Zudem starb Anfang der 1890er Jahre der seit dem zweiten Turmbau vorhandene Efeu ab.
Ein Kuriosum ist die Wetterfahne mit 9 Löchern. Der Sage nach erkaufte sich der Wilddieb Hand Winkelsee seine Freiheit, indem er mit 9 Meisterschüssen – entsprechend der Länge seiner Inhaftierung- eine 9 in die Wetterfahne des Turms schoß. Die heutige Fahne ist jedoch eine neue, 1976 angebrachte.

Der Kuhhirtenturm

Im Rahmen des Baus der neuen Stadtbefestigung im Jahr 1390 gebaut, steht der Kuhhirtenturm im Norden Sachsenhausens nahe des Mains. Sein an ihm anliegendes Tor diente primär den ansässigen Fischern als Durchgang zum Main. Die enge Bebauung Sachsenhausens schützte den Turm vor einem Abriss und auch Pläne 1884, den zu dem Zeitpunkt maroden Turm abzureißen, wurde durch Bürgerproteste verhindert.

Ab 1923 stellte die Stadt dem Komponisten Paul Hindemith den Kuhhirtenturm als Mietwohnung zur Verfügung. Dieser wohnte nur bis 1927 dort, sodass Mutter und Schwester dort allein bis 1943 verblieben.
Der im Krieg teilzerbombte Turm wurde zunächst als Notunterkunft genutzt, und danach im Rahmen des Baus einer Jugendherberge restauriert und von dieser als Lager genutzt.

Seit 2011 wird der Turm von der Hindesmith Stiftung als Erinnerungsstätte für den Komponisten genutzt, mit Ausstellungsräumen zu seinem Leben und Werk, sowie einem Musikzimmer für Kammerkonzerte und Veranstaltungen.

Führungen:
Wann: nächste am 28.01.2024 (einmal pro Monat)
jeweils 14:00 – 15:30 Uhr
Kosten: 17€
Kontakt:
Kulturothek Frankfurt
Markt 32
60311 Frankfurt am Main
Tel.: 069 281010
E-Mail: info@kulturothek.de

Besichtigungen:
Wann: Sonntags 11:00 – 18:00 Uhr
Nach Vereinbarung auch andere Tage
Kosten: 3€ (1,50€ ermäßigt, U18 frei)
Kontakt:
Hindemith Institut
Tel.: 069 5970362 (Mo-Fr 9:00 – 13:00 Uhr)
E-Mail: institut@hindemith.org

Kuhhirtenturm, GffB gGmbH

Der Rententurm

Rententurm, paw / GffB gGmbH

Auch dieser Turm wurde beim Ausbau der Stadtbefestigung errichtet, jedoch erst von 1454 – 1456. Dabei wurde er direkt an den Saalhof angebaut, einem noch heute stehenden Bau aus dem 12. Jahrhundert. Er diente als Wachturm für das Fahrtor, welches einen direkten Zugang zum Römerberg bot. In dieser Funktion, und getreu seines Namen, wurden von ihm aus Hafengebühren und Zölle erhoben.

Rentamt (Rentei, Renterei, Rentkammer): Finanzbehörde, welche ab dem Spätmittelalter die grundherrschaftlichen Einkünfte (Renten) verwaltete.

Die 4 Türme der Landwehr

Bockenheimer Warte, GffB gGmbH

Frankfurt war nicht nur das reine Stadtgebiet. Auch Teile des umliegenden Gebietes gehörten zu der Stadt dazu – heute sind diese teilweise die äußeren Stadtteile. Die Warten überwachten die Handelswege die nach Frankfurt führten, um nahende Feinde frühzeitig erkennen und melden zu können. Ihre Befestigungen und Wehrhöfe sind heutzutage schon lange entfernt.

Drei der vier Warten wurden seit 1886 von der Stadt als Abluftschächte der Frankfurter Kanalisation genutzt und erst in der Neuzeit wurde dies teilweise geändert. Lediglich die Sachsenhäuser Warte hatte durch die Barriere des Mains das Glück, nicht an die Kanalisation angeschlossen zu werden.

Die Bockenheimer Warte

Errichtet von 1434 – 1435, ist die Warte Teil der Frankfurter Landwehr gewesen. Amüsanterweise liegt die Bockenheimer Warte im Westend.

Die Friedberger Warte

Auch die Friedberger Warte wurde im Rahmen der Frankfurter Stadterweiterung im Spätmittelalter 1478 neu errichtet. Ihr hölzener Vorgänger stand seit 1350 auf dem Eulenberg. Wie die meisten Türme Frankfurts ist sie im spätgotischem Stil gehalten. Die Warte besitzt noch ihren Wehrhof und das ehemalige Wachhaus. Das sich darin befindliche Apfelweinlokal besteht schon seit 1815 und seit dem Umbau der örtlichen Gegebenheiten steht die Warte nun auch nicht mehr isoliert in einer Verkehrsinsel, sondern ist über einen Platz für Fußgänger gut und sicher erreichbar.

Friedberger Warte, paw / GffB gGmbH

Die Gallus Warte

Erbaut wurde die Galluswarte 1414, sie ersetzte die zuvor dort stehende hölzerne Warte zu den guten Leuten; die namentliche Nähe zum Gutleutviertel ist dabei nicht zufällig: der Name bezog sich auf den in der Nähe der Warte gelegenen Gutleuthof, einer frommen Bruderschaft, der Leprakranke versorgte. Die Galluswarte selbst wiederum wurde bis 1903 die Galgenwarte genannt, da im Osten des Standortes das Galgenfeld lag. Die Umbenennung in Gallus ging mit der Gründung der St. Gallus Gemeinde einher.
Architektonisch sind neben dem eigentlichen Wartturm auch noch ein Stück Mauer mit Tor erhalten. Anstelle seiner Wehrgebäude besitzt die Warte heute zwei Trinkhallen, die Trinkhalle an der Galluswarte und die Trinkhalle im Turm – kurioserweise (oder beschwipsterweise) sind die Namen genau falschherum.

Die Sachsenhäuser Warte

Auch diese Warte ist nicht das mittelalterliche Original, sondern steht erst seit dem 16. Jahrhundert in Sachsenhausen, alle ihre Vorgängerinnen wurden zerstört. Optisch ähnelt sie dennoch den anderen Türmen und Warten der Stadt, nur die Turmspitze fällt flacher aus. Die erste der Sachsenhäuserner Warten war ein hölzerner Turm auf dem Mühlberg, welcher 1414 durch eine steinerne Warte auf dem Sachsenhäuser Berg ersetzt wurde. Diese wurde jedoch schon 1416 durch den damaligen Trierer Erzbischof zerstört. Die dritte Version wurde, mit Schutzbrief des Kaisers, 1470/1471 errichtet und überstand 1519 sogar einen Krieg, wurde aber 1552 während des Fürstenaufstandes niedergebrannt. Sie wurde wiederaufgebaut, besitzt noch ihren Fluchthof und fungiert heutzutage als Gasthaus mit Restaurant.

Galluswarte, GffB gGmbH
Sachsenhäuser Warte, GffB gGmbH

Gefördert aus Mitteln der Stadt und des Jobcenters Frankfurt am Main

  

 

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