Barbara Klemm – Frankfurt Bilder

Demonstration: Studenten vs. Polizisten, Foto: Barbara Klemm

Schwarzweiß-Fotografie als künstlerisches Medium und praktische Technik für Zeitungsbilder: Barbara Klemm verbindet beide Seiten auf ihre eigene besondere Weise. In der aktuellen Ausstellung im Historischem Museum Frankfurt werden Frankfurter Momente gezeigt – nahe an der Alltagsstimmung der Menschen und doch mit nüchternem Blick auf den Wandel der Gesellschaft.

Schnappschüsse kann jeder machen. Ein künstlerisches Foto hebt sich jedoch davon ab, denn es wird durch das geschulte Auge, das auch immer die Komposition mit beachtet, erschaffen selbst in einem spontan geschossenen Bild. Mit diesem feinen, geschärften Blick einer Künstlerin ging Barbara Klemm durch die Frankfurter Innenstadt, und so entstanden Momentaufnahmen, die das menschliche Leben innerhalb der Stadt abbilden.

unverbauter Blick vom Römerberg auf den Kaiserdom. Links ist das gotische Stadthaus zu sehen und ein nicht mehr existente Gebäude, das vom Stil an jenes der Galeria Kaufhof an der Zeil erinnert. Rechts sind die Alte Nikolaikirche und der Brunnen zu sehen. Dazwischen unverbaute freie Fläche.
Römerberg, 1978 © Barbara Klemm, HMF
Eine breite Front von bunten Fachwerkehäusern, rechts ist die Alte Nikolaikirche und der Justitiabrunnen zu sehen. Im Vordergrund sind Demonstranden gegen den geplannten Sozialabbau zu sehen
Römerberg während einer Demo, 2023 © GFFB

Die Künstlerin

Barbara Klemm (*1939 in Münster) wuchs in Karlsruhe in einer Künstlerfamilie auf. Sowohl der Vater als auch die Mutter waren Künstler. Über ihren Vater und seine Dunkelkammer war sie schon früh mit den Techniken der Fotografie vertraut und vertiefte dieses Wissen in ihrer Fotografenlehre.
1959 fing sie in Frankfurt bei der FAZ zunächst als freie Mitarbeiterin an, bevor sie dort 1970 als Redaktionsfotografin fest angestellt wurde, da ihre Bilder aus dem Jahre 1969 so überzeugt hatten (heutzutage wären sie wohl viral gegangen). Darunter war zum einen ihr Bild vom NPD-Bundestagswahlkampf und des grobschlächtigen Saalschutzes. Von dieser einprägsamen Abbildung heißt es, dass sie dazu beigetragen hatte, die Partei bei der Wahl unter der 5%-Grenze zu halten. Und zum anderen überzeugten ihre Bilder zur Studentenbewegung. Ein besonders eindrückliches Bild zeigt Adorno, der mit Studenten spricht, während ein Polizist nahe dabei steht. Beide Fotos erfuhren eine weite Verbreitung in der Presse, im Fall des Saalschutzes sogar europaweit. Letzteres ermöglichte ihr 1973 den Pressezugang zu dem Treffen von Walter Scheel und Leonid Breschnew. Mit ihrer höflichen Unverfrorenheit, die ihr auch später noch viele besondere Fotos von Politikern erlauben würde, konnte sie sich zu dem Gespräch zwischen Brandt und Breschnew stellen, und ein Bild schießen, das zu einem Symbol für die Ostverträge und der daran beteiligten Politiker wurde.

Zeithistorische Forschung: Fotografie als visuelle Geschichtsschreibung (02/2005)

Alfred Hitchcock im Hauptbahnhof, 1972 © Barbara Klemm, HMF
Demonstration gegen Startbahn-West, 1981 © Barbara Klemm, HMF
Theodor W. Adorno mit Polizisten im Institut für Sozialforschung © Barbara Klemm, HMF

Ihre Arbeiten

Barbara Klemms bevorzugte Stil- und Ausdrucksform war und ist die Schwarz-Weiß Fotografie: ohne Blitz und Stativ, den spontanen Moment in seinem Sein einfangend, ganz ohne Inszenierung oder Sensationsgier. So können auch für die journalistische Fotografie Bild und Text gleichberechtigt eine Einheit bilden. Von einem beliebigen Schnappschuss hebt sich ihre Arbeit durch ihr familiär geschärftes Auge für Komposition ab, das der dargestellten Szene ihren künstlerischen Wert und dadurch ihre Eindrücklichkeit gibt. So hinterlassen durch die Natürlichkeit und Komposition des Bildes auch Alltagsszenen bleibende Eindrücke bei den betrachtenden Personen. Aufgrund ihrer Erfahrung mit redaktioneller Arbeit, fällt es ihr leicht, rasch eine fotowürdige Situation zu erkennen.


Zeithistorische Forschung: Fotografie als visuelle Geschichtsschreibung (02/2005)


Hauptsächlich fotografierte sie für Politik und Feuilleton. Ihre Fotografien von Frankfurt entstanden zumeist bei Kulturereignissen oder für die Lokalredaktion. Um auf jede Situation vorbereitet zu sein, arbeitet sie bis heute stets mit zwei Kameras einer mit Halbteleobjektiv oder Zoom, und einer mit Weitwinkelobjektiv. Zudem führt sie seit circa 1990 immer eine Leica M6 bei sich, die unauffälliger ist als die beiden großen Kameras.

Vor allem beim Ablichten von Menschen, ist es nötig, Hemmungen, wie zum Beispiel die Angst vor möglichen Konfrontationen, abzubauen, da ein Foto immer auch ein Eingriff in die Privatsphäre der Fotografierten ist. Mehr über ihre Karriere als Fotografin erzählt Barbara Klemm in diesem Interview.

Putzfrauen, Automobilmesse, 1969 © Barbara Klemm, HMF
Wasserhäuschen an der Frankfurter Galluswarte, 1968, Historisches Museum Frankfurt © Barbara Klemm, HMF
Skyline mit Hauptbahnhof, 2023 © Barbara Klemm, HMF

Die Ausstellung

Für die Einzelausstellung im Historischen Museum hat Barbara Klemm 230 Bilder ausgewählt, von diesen hat sie hochwertige Abzüge erstellt, die dann als Schenkung an das Museum in Frankfurt gehen. Diese Bilder entstanden in der Zeit von 1964 bis heute. Sie zeigen sowohl den Alltag in der Stadt, als auch faszinierende Blicke zurück in die Geschichte und das damalige Leben, wie zum Beispiel den unverbauten Blick vom Römer auf den Dom. Auch kulturhistorische Ereignisse, wie die Studentenbewegung, Proteste und Politik werden in den Bildern abgebildet.

paw 11/2023

Wann
09.11.2023 bis 01.04.2024

Wo
Historische Museum Frankfurt

Kosten
10€ (5€ ermäßigt, 1€ Frankfurt-/Kulturpass, Geflüchtete, Studenten und Andere 0€, siehe hier)

Kontakt
Saalhof 1 (ehemals Fahrtor 2)
60311 Frankfurt am Main
Telefon: 069 212-35154 (Mo-Fr: 10-16 Uhr)
E-Mail: besucherservice@historisches-museum-frankfurt.de

Barrierefreiheit
größtenteils ja

Gefördert aus Mitteln der Stadt und des Jobcenters Frankfurt am Main

  

 

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Fachanleitung:
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