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Der Frankfurter Kunstverein stellt unter dem Titel „Rückbindung an Welt“ die Arbeiten von Hicham Berrada, Lucy Dodd und Sam Falls aus. So ausgiebig wurden ihre Arbeiten noch nie dem deutschen Publikum präsentiert.

 


Die anwachsende Entfremdung des Menschen von der Natur durch die Technisierung der Welt versuchen die KünstlerInnen in ihren Werken zu ergründen. So unterschiedlich die drei Kunstschaffenden sind, so vereint sie doch die Auseinandersetzung mit Natur und Umwelt. Sei es in der Nutzung natürlicher Materialien für ihre Werke oder das philosophische Hinterfragen der Beziehung des Menschen und seiner Welt. Die Direktorin des Frankfurter Kunstvereins und zweite Vorsitzende des NABU Frankfurt, Franziska Nori, setzt eine alle Sinne ansprechende Ausstellung in Szene.


 MG 3691 2Die Werkschau erstreckt sich über drei Etagen. Im Foyer empfangen die BesucherInnen drei fast schon Ehrfurcht gebietende, monolithische schwarz glänzende Terrarien. Hicham Berrada hat in diesem künstlichen Lebensraum einen Tag/Nacht Rhythmus für den Nacht-Jasmin geschaffen. Er verströmt einen nicht genau zu beschreibenden, aber wohltuend irritierenden Duft. Der 1986 in Casablanca geborene Künstler strebt in seinen Arbeiten eine Symbiose von Poesie und Wissenschaft an. Am deutlichsten wird dies in seinen sich entwickelnden chemischen Gemälden, die er auf Leinwände projiziert oder auf Monitoren laufen lässt. Die "Gemälde" entstehen durch die Nutzung der Grundprinzipien der Physik und Chemie. Er läßt verschiedene Materialen miteinander reagieren. Wie in einem Vivarium entstehen unter kontrollierten Bedingungen skulpturale Formen. Das Entstehen und das Zerfallen ist für den Künstler ein zentrales Thema. In seinen Werken strebt er danach die grundsätzliche Anmut des Prozesses von Leben und Vergehen zu ergründen und dem Prozess eine Darstellungsform zu geben.


Im lichtdurchfluteten Treppengang hängt eine von Sam Falls in einem langwierigen Prozess bearbeitete Stoffbahn. Der ursprünglich rote  Stoff wurde zum Bleichen ein Jahr der Sonne ausgesetzt. Während der Bleichungsphase lagen Reifen  MG 3742 2auf der Stoffbahn. Nach diesem Prozess wurden die Reifen wieder entfernt und an diesen Stellen zeichnen sich nun rote Kreise ab. Ähnlich ist er bei den zwölf gerahmten Werken vorgegangen. Sie zeigen die Abdrücke von Schallplatten und ihrer Cover. Die Zahl zwölf ist der Verweis auf die Monate eines Jahres. Der Ablauf der Zeit, die Kurzlebigkeit und das Ewige sind die zentralen Motive. Es ist der Versuch, des in New York lebenden und arbeitenden Künstlers, die Spur der Zeit sichtbar und damit erfahrbar zu machen. Die natürlichen Prozesse und ihre Rückbindung an die Natur thematisiert und erarbeitet er in seinen Werken. So hat er zum Beispiel Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ so extrem verlangsamt, dass das Stück 365 Tage läuft.


Lucy Dodd - 1981 in New York geboren - hat einen mythologisch, spirituellen Ansatz in ihren Werken. Die Substanzen und Materialien, die sie für ihre Werke nutzt erstrecken sich von Mineralien über Tintenfischfarbe bis Matchatee.  MG 3708 2Sie verarbeitet auch tierische wie menschliche Körperflüssigkeiten. Mutter Erde, das weibliche Grundprinzip allen Seins, ist die bestimmende Grundlage ihrer Arbeiten. Die von ihr ausgestellten Kunstwerke sind in Format und Form stets den Örtlichkeiten angepasst und sind eine theatralische Inszenierung. Der/Die BetrachterIn ist somit immer Teil der Ausstellung. Für den Frankfurter Kunstverein ist die bestimmende Form das Quadrat. In der Mitte des Ausstellungsraumes ist ein Stuhl platziert, der mit bunten Baumwollfäden umwunden ist und der perspektivische Fluchtpunkt des Raumes ist.


Dem Frankfurter Kunstverein ist in seinen schönen und großzügigen Räumen eine hochinteressante Ausstellung zeitgenössischer Kunst gelungen. Die Werkschau kann man noch bis zum 19.01.19 besuchen.



Text & Fotos: LuP

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